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HAB

Die Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern sind 35

Die Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern sind 35

35? Grund genug, dass wir uns Gedanken über den Kurs der HAB machen. Denn es gibt sie noch, die paar Schlagworte, die wir in nächster Zukunft angehen müssen: Etwa die wachsende Homophobie, Homosexualität in der Schule und am Arbeitsplatz und die Adoption.

HAB-Visionen


Also, wie sehen denn die HAB und deren Aufgaben in 20 Jahren aus? Diesbezüglich gibt es ja die verschiedensten Möglichkeiten, und genau so, wie sich beispielsweise die Launen der Finanzwelt kaum richtig voraussagen lassen, verhält es sich auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Doch wir können zumindest versuchen, uns eine gute und eine schlechte Zukunftsvariante vorzustellen. Bei der guten Variante werden die HAB vermutlich in die Bedeutungslosigkeit verschwunden sein und das HAB-Hauptthema, „Homosexualität in die Gesellschaft integrieren“ schlicht überflüssig.

Das sähe dann etwa so aus: Ich wohne mit meinem Mann und unserem adoptierten Kind in einem kleinen Dorf auf dem Land. Mein Mann macht im Sportclub mit, und ich bin in der Dorfmusik aktiv. In die Ferien gehen wir mit einem befreundeten Männerpaar nach Ägypten und besuchen die ausgewanderte Schwester meines Mannes, die dort ihr Kind mit ihrer Frau aufzieht. Familienferien eben.

Sofern in 20 Jahren die HAB jedoch Zulauf haben und weiterhin aktiv sind, sieht die Situation vielleicht folgendermassen aus: Ich wohne mit meinem Freund in der Stadt (auf dem Lande ist es für zwei Männer schwierig, eine Wohnung zu finden), unsere schwulen und lesbischen Freunde und Freundinnen besuchen uns gelegentlich in unserer Wohnung, oder wir besuchen sie. Für das Freizeitvergnügen benutzen wir das vorhandene Angebot, welches allerdings rein auf Heteros ausgerichtet und nur mässig lustig ist, da ich hier besser nicht Händchen halte mit meinem Mann. Explizit schwullesbische Partys und Anlässe gibt es nicht. Einzig das HAB-Znacht wird jeweils zum Fest, dies darf aber aus gesetzlichen Gründen nur alle zwei Monate unter strengen Auflagen der Stadt durchgeführt werden.

Eine uns zum Glück etwas fremde Variante, doch absolut möglich: Ein Wechsel der Mehrheiten in den Regierungen, Rechtsrutsch überall, weitere äussere Einflüsse (Krisen, Arbeitslosigkeit) – und schon ist es soweit.

Es wäre wohl die beste Zukunftsvision, die HAB aufrecht zu erhalten, die es zwar für die gesellschaftlichen Themen nicht brauchen, die jedoch schlagkräftig präsent sind, sollte sich der Wind drehen. Wir arbeiten daran und halten die Ohren steif!

Alain Bühler

Diskriminierungsschutz aufgrund der sexuellen Orientierung gefordert


Alain Bühler hat uns in seinen Visionen nicht nur eine herrliche, sondern auch eine schreckliche Zukunft beschrieben. Ist die schreckliche der beiden Visionen wirklich so abwegig, wie du jetzt gerade denkst?

Nach langem Kampf haben die HABS, unsere Schwesterorganisation in Basel, es anfangs November geschafft: Der jamaikanische Dance hall-Musiker Capleton durfte nicht auftreten, die HABS konnten zusammen mit Stop Murder Music Bern beweisen, dass er (noch immer) mit seinen Liedtexten gegen Schwule hetzt. Viele Reggae-Fans, die nun Capleton nicht zujubeln konnten, waren enttäuscht. Entsprechend füllten sich die Foren im Internet mit Kommentaren. Viele dieser Kommentatoren zeigten zwar etwas Verständnis, aber Hässliches war auch zu lesen. Ein Beispiel: «schwul si isch e krankheit, die wo dra erkrankt sin dün mir leid … alli andere wän eifach speziell si … denä isch langwilig – wärde schwul … kei wunder, wirds jo überall verherrlicht … ich mein, wieso het gott frau und maa gmacht, und wenn die zwei sich liebe giz kinder … so wies sött si ... aber jetzt könne scho schwuli kinder adoptiere … sicher voll geil mit zwei vätterä ufzwachse … dräkks schwuchtlenä … wärde immer mehr …»
Die Verhinderung des Konzerts von Capleton finde ich einen grossen Erfolg für unsere Sache. Auch wenn es schmerzt, Texte wie der eben zitierte lesen zu müssen. Irgendwie nimmt man es halt doch persönlich. Solche Aussagen zeigen uns aber deutlich, dass Unverständnis - sogar Hass - gegenüber uns Schwulen und Lesben in unserer Gesellschaft immer noch verbreitet ist.

Wir fordern deshalb ein stärkeres Bewusstsein von Staat und Politik für die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Programme gegen Homophobie, namentlich in Schulen, Jugendszenen und Arbeitswelt.

Daniel Frey

(Bild: Hab-Mitglieder vor dem ersten HAB-Lokal an der Brungasse in den 80er Jahren)
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Infos
Datum: 01.01.2009
Rubrik: HAB
Autor: HAB-Info Redaktion
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