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Leopold von Sacher-Masoch: Die Liebe des PlatoLeopold von Sacher-Masoch: Die Liebe des Plato

Der junge Henryk von Tarnow, der „den Soldatenrock angezogen“ hat, schreibt seiner Mutter Briefe darüber, was ihn bewegt – seine philosophischen Ideale, seine amourösen Abenteuer. Den Ideen Platos folgend, glaubt er, dass eine platonische Beziehung zwischen zwei Männern als ideale Verbindung gelten darf.

Er lernt die junge Fürstin Nadeschda kennen, die ihm ihren Bruder Anatol vorstellt, der Henryk mit seinen eigenen Waffen schlägt. Sie treffen sich anfänglich nur in der Finsternis, damit Henryk nicht durch Anatols sinnliche Schönheit verführt werde. Henryk verfällt Anatol, vielmehr seiner Seele, wie er glaubt. Doch bald kommt es zu Unstimmigkeiten. Als Henryk miterleben muss, wie Anatol einem Ertrinkenden gegenüber von blasierter Gleichgültigkeit bleibt, erkennt ersterer, dass die Liebe zu Anatol ein Irrtum ist und sich auf sinnliche Reize gründet. Vollends zum Bruch aber kommt es, als Anatol sich als die Fürstin zu erkennen gibt, die gehofft hat, als angeblicher Mann das Herz des jungen Grafen zu gewinnen.

Doch Jahre später, als die Fürstin Witwe geworden ist, kommt es doch noch zu einer Verbindung: Henryk heiratet die Fürstin, doch schon nach einem Jahr lassen sich die beiden scheiden. Henryk aber lebt fortan glücklich und platonisch mit seinem Waffenbruder Schuster.

„Die Liebe des Plato“ gehört zu einem 1870 erschienen Novellenzyklus, der auch die ungleich bekanntere Erzählung „Die Frau im Pelz“ enthält, durch welche der (vom Namen Sacher-Masoch abgeleitete) Begriff des Masochismus geprägt wurde.

Das Ambiente in „Die Liebe des Plato“ mag etwas verstaubt wirken – weder Grafen noch platonische Liebe sind derzeit wirklich en vogue. Doch die Verstrickungen Henryks sind zeitlos. Er glaubt an die platonische Liebe und verfällt der sinnlichen. Er sucht einen Mann und liebt eine Frau. Sollten uns diese „amour fous“ nicht bekannt vorkommen?

Walter Salvisberger

Leopold von Sacher-Masoch: «Die Liebe des Plato»
MännerschwarmSkript Verlag, Hamburg 2001 (Erstausgabe 1870)
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Datum: 01.01.2009
Autor: Schwubliothek
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