Sex im Trend
Immer noch praktiziert eine Mehrheit der Schwulen Safer Sex. Ungeschützte Kontakte und wenig verlässliche Schutz strategien nehmen jedoch stetig zu. Ficken, fisten, Arsch lecken und Sperma Schlucken liegen im Trend. Resultate der letzten Schwulenbefragung «gay survey 2007».
In regelmässigen Abständen findet eine gesamtschweizerische Umfrage bei Schwulen statt. Die Resultate – wenn auch nicht repräsentativ, so doch ein Abbild dessen, was unter «warmen Bettdecken» geschieht – geben Auskunft über Partnerzahl, Sexualpraktiken und Schutzverhalten. Sie belegen eine tendenzielle Zunahme der sexuellen Aktivität. Zwar bleibt die durchschnittliche Partnerzahl über die Jahre ungefähr konstant. Allerdings wird nicht nur mehr gefickt, auch andere Praktiken wie Fisten, Rimmen und Sperma Schlucken erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Die Hochkonjunktur vom ungehinderten Austausch der Körpersäfte in Pornos und Web schwappt allmählich in die Realität über. Seit Mitte der Neunziger Jahre stieg die Anzahl derer, die mit Gelegenheitspartnern Analsex praktizieren von 56 auf 79*. Was einerseits als erfreuliches Zeichen der nachlassenden Aidspanik gedeutet werden kann, geht leider einher mit einer steigenden Anzahl an ungeschütztem Verkehr. Während 1994 nur 9* antworteten, mit Gelegenheitspartnern nicht konsequent Kondome verwendet zu haben, waren es 2007 bereits 24*. Nicht viel besser sieht es in festen Partnerschaften aus, wo ein Drittel der Befragten den HIV-Status des Partners gar nicht kennt. 10* verzichten gänzlich auf Kondome beim Analsex, ohne sich vorher mit einem Test Gewissheit über den eigenen Status bzw. den des Partners verschafft zu haben. Als ob Liebe vor einer HIV-Übertragung schützen würde!Aktueller HIV-Status nicht bekannt
Zwar haben fast alle Schwule irgendwann einen HIV-Test gemacht (87*), bloss bei einem Drittel war dies indes innerhalb der letzten 12 Monate der Fall. Auch wenn es nicht in jeder Situation zu einer HIV-Übertragung kommen muss, gilt eine vorher negativ getestete Person schon nach einem einzigen Risikokontakt als ungetestet. Vor diesem Hintergrund sind auch Methoden wie Rausziehen bevors kommt, aktiv statt passiv und Erfragen des HIV-Status äusserst unzuverlässig. Solche vermeintlichen Schutzstrategien sind trotzdem immer weiter verbreitet, wie die Umfrage zeigt. Klar kann man nach jedem Risiko einen Test machen, besser ist es allerdings, solche Situationen möglichst zu vermeiden. Weil dies nicht immer gelingt, kann jedoch ein Test Unsicherheiten klären, für sich selbst und zum Schutz seines/r Partner/s. Nicht zuletzt widerspiegelt sich die Kondommüdigkeit und das Verdrängen des Themas HIV/Aids in den nach wie vor steigenden Infektionszahlen: Bis Ende dieses Jahres rechnet das Bundesamt für Gesundheit bei Männern, die Sex haben mit Männern, mit 330 neuen HIV-positiv-Diagnosen, 2007 waren es etwas mehr als 300
Simon Krattiger, Präventionsbeauftragter MSM, aids hilfe bern
Kompletter Bericht in französischer Sprache auf www.iumsp.ch/Publications/pdf/gaysurv07fr.pdf
