Der neue HAB-Präsident Christoph Janser
Am 29. April wählte die MV der HAB ihren neuen Präsidenten: Christoph Janser. Wir haben uns mit dem 40-jährigen Notfallpflegefachmann unterhalten.
Aufgewachsen ist Christoph Janser in Thal, einem kleinen Dorf in St. Gallen. Nach der Schulzeit machte er eine Lehre als Elektromonteur. «Ich arbeitete zwei Jahre auf dem Job, wechselte dann ins Rechnungswesen der selben Firma. Nach sechs Jahren merkte ich, dass mich der Beruf Rettungssanitäter immer mehr faszinierte und begann meine Ausbildung als Krankenpfleger in Winterthur. In der Ausbildung zeichnete es sich dann ab, dass mir der Notfallbetrieb in einem Spital mehr zusagt und wechselte in die Notfallstation am Kantonsspital Winterthur.» Heute arbeitet Christoph als Stellvertretender Teamleiter im Notfallzentrum Inselspital und wohnt mit seinem Freund in der Lorraine.Wann hattest Du Dein Coming Out, und wie war es?
Mein Coming Out hatte ich mit 30, nach meinen Ferien auf Lanzarote. Ein Jahr zuvor trennte ich mich von meiner damaligen Freundin. Ich wusste damals schon, dass in der Beziehung „irgendetwas nicht stimmte“. Ich brauchte dann Zeit für mich und hatte gute Gespräche mit einem sehr guten Arbeitskollegen, mit welchem ich über meine Gefühle sprechen konnte und merkte, dass ich schwul war. Mein Coming Out teilte ich dann relativ rasch meinen Eltern, Geschwistern und Freunden mit. Es war für diese absolut kein Problem. Sie sagten sogar, dass sie das schon lange vermutet hätten … Meine Mutter brauchte dazu allerdings etwas länger, hat es aber mittlerweile sehr gut aufgenommen, und wir haben eine sehr gute Beziehung miteinander.
Du kommst aus Winterthur und bist in den HAZ aktiv gewesen. Was hat dich eigentlich nach Bern gebracht?
Das war im Jahr 2004, als ich mit den WILSCH (Winterthurer Lesben und Schwule) nach Bern an die Partnerschaftsdemo gekommen bin und hier meinen zukünftigen Partner getroffen habe. Irgendwie kam alles zusammen. Es war für mich nach zehn Jahren sowieso Zeit, einen Jobwechsel zu machen, und da beschloss ich zu meinem Freund nach Bern zu ziehen und hier eine neue Stelle zu suchen. Mir war bald klar, dass ich in Bern HAB-Mitglied werden wollte. Ich bin wahrscheinlich der typische Vereinstyp.
«Ich bin wahrscheinlich der typische Vereinstyp»
Zwischen einer Mitgliedschaft und dem Präsidentenamt liegen aber noch Welten. Was bewog dich dazu, diesen verantwortungsvollen Posten zu übernehmen?
Die HAB als Verein mit seinen Möglichkeiten und Aufgaben leuchteten mir sofort ein. Die HAB bieten einen Ort für Kontakte und Gespräche, wo eine Art von Gemeinschaftsgefühl entstehen kann. Ich fühlte mich sehr wohl und aufgehoben im Verein.
Aber irgendwie wollte ich auch aktiv dabei sein. Ich wollte, wie ich das auch schon bei den anderen Vereinen, der WILSCH und den HAZ, gemacht hatte, mitgestalten und mittragen. Nach einem Gespräch mit Matthias Müller schien mir das Präsidentenamt interessant und genau die Herausforderung, die ich wollte.
Welche Ziele hast du dir für deine Amtszeit vorgenommen? Gibt es Ideen, die du als Präsident der HAB gerne verwirklichen möchtest?
Während den letzten Vorstands sitzungen hörte ich als Gast einfach mit und konnte mir allmählich von den laufenden Geschäften ein Bild machen. Ich unterstütze die Absicht, den Verein sichtbarer zu machen und mehr in der Öffentlichkeit auftreten zu lassen. Auch die Integration von Lesben und die Aktivierung von Vereinsmitgliedern zu etwas mehr Engagement scheinen mir sinnvolle Ziele zu sein. Bei dem Ziel, die Vereinsstrukturen zu klären und zu vereinfachen, kann ich allerdings noch nicht viel sagen. Da muss ich mich auf jeden Fall noch einarbeiten. Meine erste Zeit werde ich sowieso damit verbringen, offene Fragen und Pendenzen anzugehen und überhaupt den Laden ein wenig kennen zu lernen.
Was ich bieten kann, ist eine Vernetzung mit den HAZ. Überhaupt scheint mir das Networking unerlässlich. Die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Institutionen. Aber ich will sicher nicht gleich alles umkrempeln. Der Verein sollte nicht ein Verein für den Präsidenten, sondern ein Verein für die Mitglieder sein.
Du hast verschiedene Ziele genannt: Sichtbarkeit des Vereins, Integration von Lesben, Aktivierung von Mit gliedern, Vereinfachung der Vereins- strukturen und Networking. Das sind wirklich wichtige Punkte. Aber welche Absichten stehen dahinter? Wofür steht der Verein deiner Meinung da? Wofür dient die Sichtbarkeit des Vereins, wozu sollen Lesben integriert werden und Mitglieder zu Engagement bewegt werden?
Der Verein steht für eine schwullesbische Lobbyarbeit. Er setzt sich für die Interessen der Schwulen und Lesben in der Region ein. Wer sonst sollte das tun? Das ist natürlich viel politische Arbeit, aber auch Arbeit im Sinne eines Sprachrohrs schwullesbischer Interessen. Es gibt immer noch viel zu tun, um die Gleichberechtigung der Leute unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung zu realisieren.
Dann steht für mich der Verein auch als Treffpunkt, als Begegnungsort da. Hier können sich Leute begegnen. Das finde ich einen zentralen Aspekt. 3gang am Mittwochabend ist so etwas wie der Puls, das Kernangebot des Vereins.
Danke für das Interview, Christoph. Wir wünschen dir alles Gute für die Amtszeit und für die Umsetzung der Vereinsziele.
