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Filmtipps

«Brüno» und «Los Abrazos Rotos»«Brüno» und «Los Abrazos Rotos»

Leidenschaftliche Provokation oder provokative Leidenschaft? Im Sommer kommen zwei Filme ins Kino die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der heterosexuelle Sacha Baron Chohen provoziert als schwuler «Brüno» und der schwule Regisseur Pedro Almodóvar begeistert mit einem leidenschaftlichen Drama.

Sacha Baron Cohen provoziert. In der Rolle seines schwulen Alter Egos, dem österreichischen Mode jour nalisten Brüno stellt er das amerikanische Moralverständnis er neut auf die Probe. Rassistische und homo phobe Äusserungen werden dem auf Klamauk eingestellten Publikum hier im Minutentakt serviert. Eher leichte Kost, die aber wegen ihrer ans Dekadente grenzenden Zubereitungsweise fad oder gar geschmacklos daherkommt.
Um einiges bekömmlicher wirkt dagegen Pedro Almodóvars «Los Abrazos Rotos». Der neuste Film des spanischen Ausnahmeregisseurs erzählt mit viel Finesse und auf bemerkenswert komplexe Weise die Geschichte eines blinden Dreh buch autors, der den Tod seiner grossen Liebe durch die Zweiteilung seiner Persönlichkeit zu bewältigen versucht. Ein raffiniertes Spiel mit Rückblenden erschliesst den Zuschauern Stück für Stück die Geschichte der Hauptfigur, die sich schliesslich ihrer Vergangenheit stellen muss.

Beide Regisseure sind bekannt dafür, Tabuthemen aufzugreifen. Trotzdem könnten die Filme verschiedener kaum sein. Cohens Austesten von Grenzen überschreitet nicht selten die Grenzen der Niveaulosigkeit und erweist der schwulen Kultur mit seiner überzeichneten Darstellung von allen gängigen Schwulenklischees möglicherweise einen Bärendienst. Brüno stellt Klischees nicht in Frage, sondern festigt sie geradezu. Rashaad Robinson von der «Gay and Lesbian Alliance Against Defamation» befürchtet, dass homophobe Zuschauer sich durch den Film in ihren Vorurteilen bestätigt sehen. Robinsons Kommentar fällt daher eher kritisch aus: «Sein gut gemeinter Versuch einer Satire ist an vielen Stellen problematisch, an anderen geradezu beleidigend». Anders sieht das verständlicherweise die Produktionsfirma Universal Pictures: «Brüno benutzt provokante Comedy, um ein Licht auf die Absurdität von Intoleranz und Ignoranz wie Homophobie zu werfen». Es wird sich zeigen, in welcher Weise er damit Erfolg haben wird.

Während Cohens Figur Brüno sehr plump und grob daherkommt, gelingt es Almodóvar erneut, mit bemerkenswertem Feingefühl und einem sensiblen Gespür für Atmo s phäre, seine Figuren eine brisante Geschichte erzählen zu lassen. Anders als bei «Brüno» ist das Tabu hier aber nicht reine Provokation und Selbstzweck, sondern bietet Raum zum Nachdenken. Wie nicht anders zu erwarten, präsentiert sich der Film als weiteres cinematographisches Bijou und lässt das Publikum Leidenschaft und Emotionen geniessen, ohne dabei selber pompös zu wirken. Almodóvars Ruf als begabter Filmemacher sieht sich ein weiteres Mal bestätigt. So schreibt auch der „Guardian“: “Pedro Almodóvar has always managed to combine elegance and exuberance, and his latest movie is no exception: a richly enjoyable piece of work, slick and sleek, with a sensuous feel for the cinematic surfaces of things and, as ever, self-reflexively infatuated with the business of cinema itself.”
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Infos
Datum: 01.08.2009
Rubrik: Filmtipps
Autor: Guy Huracek
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