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Respekt statt Hass in der MusikRespekt statt Hass in der Musik

Die HAB haben nun endlich ebenfalls das Manifest von Stop Murder Music Bern unterschrieben. Das Manifest will Homohass-Propaganda an Konzerten und Parties verhindern.

Das Manifest will Homohasspropaganda an Konzerten und Parties verhindern und richtet sich an Veranstalter, Kultur- und Begegnungszentren, Reggae-/Dancehall-Fans, Radiostationen, Plattenläden, Soundsystems und Musiker. Unterzeichnet haben das Manifest u.a. bereits Pink Cross, HABS, HAZ und gayRadio. Jetzt hat auch die HAB unterschrieben.

Entstanden ist die Idee dieses Manifests im März 2008 während einer Reggae-Party in der Reitschule Bern und Battyman-Tunes (Songs, in denen offen zur Gewalt an Homosexuellen aufgerufen wird) gespielt wurden. Die Veranstalter intervenierten und schmissen das Soundsystem raus. Vier Leute aus dem Umfeld der Reitschule beschlossen daraufhin, etwas gegen die homophoben Zustände in ihrer Lieblingsmusik zu tun und gründeten Stop Murder Music Bern.

Vorläufer der Stop Murder Music-Bewegung gab es ab etwa 1993. Im Fahrwasser um die Kontroverse um Buju Bantons Homohass-Hit „BoomByeBye (inna bwattyboy head)“, rief der jamaikanische Musiker und Grammy-Gewinner Shabba Ranks im britischen Fernsehen öffentlich zur Kreuzigung von Homosexuellen auf. Blockaden und Sabotage von Konzerten, Druck auf Veranstalter und Protestaktionen nahmen zu.

Stop Murder Music wurde 2004 nach dem brutalen Mord am jamaikanischen Menschenrechtler Brian Williamson von der englischen lesbischwulen Organisation OutRage gestartet. 2005 wurden wegen der Kampagne in Europa und Nordamerika über 100 Dancehall-Konzerte abgesagt. Im Februar 2005 gab es u.a. wegen diesem kommerziellen Druck einen Deal mit den drei grössten Dancehall-Plattenlabels, in dem sich diese verpflichteten, nicht länger Musik zu promoten, welche zur Tötung von oder Gewalt gegen Schwulen und Lesben aufruft.

2007 entstand der „Reggae Compassionate Act“, ein Vertrag, der u.a. eine Verzichtserklärung auf homophobe Lieder an Konzerten beinhaltet(e). Wer diesen unterschrieb, bekam die Garantie, dass seine Konzerte nicht weiter mit Boykott-Aktionen angegriffen wurden.

Der „Reggae Compassionate Act“ ist eigentlich eine gute Idee, doch hat sich in der Praxis gezeigt, dass die Kontrolle schwierig ist und sich die Musiker nur halbherzig an die Vereinbarung halten: So kam es vor, dass die Musik eines Battyman-Songs eingespielt wurde und der Star das Publikum singen liess.

Auch Stop Murder Music Canada kämpft erfolgreich gegen Battyman-Tunes in Nordamerika: So nahm im April 2008 iTunes Songs u.a. von Buju Banton und Elephant Man aus dem Sortiment.

Das Beispiel Jamaika


Seit etwa 1980 hetzen auf Jamaika verschiedene Reggae-/Dancehall-Musiker (Shabba Ranks, Buju Banton, Beenie Man, Bounty Killer, Sizzla, Elephant Man, Capleton, T.O.K. und andere) in Battyman-Songs massiv gegen Schwule und Lesben: Sie rufen in ihren Texten unter anderem zur Erschiessung oder Verbrennung Homosexueller auf. Die homophoben Musiker (und religiöse Feldprediger) können dabei in Jamaika auf die Zustimmung ihres Publikums zählen – bis hin zu politischen Parteien, von denen eine 2001 sogar den homophoben Song „Chi Chi Man“ von T.O.K. in ihren Wahlkampf integrierte.

Schwulen- und Lesbenhass scheint – wenn wir der offiziellen Berichterstattung glauben dürfen – tief in der jamaikanischen Gesellschaft verankert zu sein. Und diese lebt aus, was allsonntäglich in der Kirche und in den letzten Jahrzehnten auch von Rastafarai-Gruppen gepredigt wird. Zu einer dieser Gruppen, der sehr religiösen „Bobo Ashanti“-Gemeinschaft, gehören auch einige der oben erwähnten Dancehall-Musiker.

Diese Situation ist für Homosexuelle nicht nur in den Battyman-Songs tödlich: Schwule und Lesben müssen auf Jamaika im Alltag mit brutalen Übergriffen und tödlichen Attacken rechnen. Die zwei prominentesten Toten des Homohasses auf Jamaika sind der schwule Bürgerrechtler Brian Williamson und der Aids-Aktivist Steve Harvey. Williamson wurde 2004 die Kehle durchgeschnitten, Harvey 2005 bei einem Überfall auf eine Gruppe gezielt als Schwuler selektioniert und erschossen.

Konzerte


Reggae und Dancehall sind auf der ganzen Welt bekannt und beliebt. Auch viele „Battyman-Killer“ gehen regelmässig auf Tournee. Veranstalter und Publikum schienen lange nicht zu wissen oder zu ignorieren, dass einige Musiker zum Teil übelste Homohass-Propaganda von sich geben. Kein Wunder, haben Reggae und Dancehall doch eher ein „Sunshine/Dreadlock/Hippie/Love and Peace“-Image und nicht den ekligen Nachgeschmack einer menschenfeindlichen Naziband aus dem heimischen Hinterland.

Sido am Gurtenfestival


Homophobie kommt aber nicht nur im Reggae, sondern auch in anderen Musikstilrichtungen vor. So trat beispielsweise am 17. Juli auf dem Berner Hausberg am Gurtenfestival der deutsche Rapper Sido auf, der das, was ihm missfällt, „schwul“ nennt.

Schwulenhass im Rap und HipHop ist offensichtlich ein Garant zum Erfolg und zieht sich quer durch die Charts: Eminem „hasst Schwuchteln“. "Es ist ganz normal, Männer lutschen keine Schwänze" rappt Bushido. Und auch wenn „50 Cent“ mit eingeöltem, nacktem Oberkörper selbst Männer sprachlos macht, will er mit "Tunten" nichts zu tun haben.

Vor ziemlich genau einem Jahr wendete sich der deutsche Rapper Bushido via YouTube an seine Fans und beschimpfte seinen „Kollegen“ Sido. Mit einem Outing versuchte er den grösstmöglichen Imageschaden bei Sido zu verursachen und erzählte von einem Konzert seines Kontrahenten 2002 in Coburg: "Aber dann, was im Backstage passierte – ganz ehrlich, ohne Scheisse jetzt –, seitdem hab ich Ekel vor dir, Sido ... Auf einmal sitzt du da auf der Couch. Der Joint qualmt noch im Aschenbecher. Und du hast mit dem Backup-Sänger von der Vorgruppe geknutscht. Ist ja nicht schlimm, wenn's ein Mädchen gewesen wäre".

Ganz klar, dass es unter anderem wegen der Popularität dieser Musikrichtung heute für junge Schwule schwieriger geworden ist, ein angstfreies Coming-Out zu haben. Denn dieser Hass hat grossen Einfluss auf die Jugendkultur.

Tom Locher, Daniel Frey
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Infos
Datum: 30.08.2009
Rubrik: HAB
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