Petition: Gleiche Chancen für alle Familien
Am 10. und 11. Oktober, dem Coming Out Tag, startete das Komitee der Petiton «Gleiche Chancen für alle Familien“ eine grosse Unterschriftsammelaktion. Sie möchte damit die Diskussion ums Adotionsrecht von Schwulen und Lesben in eingetragenen Partnerschaften anregen. Mit Film: ein Interview mit Komitee-Mitglied Moël Volken.
Ein Ferienort in Spanien. Hitze, gelassene Stimmung, dröhnende Musik, der Alkohol fliesst in Strömen. Zwei Blicke verlieren sich ineinander. Ein Spanier – Typ Latinlover – taucht ungehemmt in die blauen Augen einer zierlichen, blonden Touristin. Die altbekannte Szene nimmt ihren Lauf: einen Dry Martini, zwei weitere Biere, ein billiges Hotelzimmer mit einem verkniffenen Meerblick, betrunkener, mechanischer Sex, der eher an „Nightmare on elm Street“ als an „Romeo und Julia“ erinnert. Neun Monate später das hohe, penetrante Schreien eines Neugeborenen. Die blonde Touristin hat sich für das Kind entschieden, obwohl der Vater unauffindbar ist. Alleine ist die Mutter mit ihrem Kind jedoch nicht. Ein schwules Paar unterstützt die Beiden liebevoll, so sehr, dass sie sich überlegen, das Kind zu adoptieren, falls der Mutter was zu stösst. Doch genau hier wedelt der Schwanz mit dem Hund. Ein heterosexuelles Paar könnte ohne Problem das Kind adoptieren, eine einzelne Person, ungeachtet ihrer sexuellen Neigung, genauso. Einem eingetragenem homosexuellen Paar ist dies untersagt. Weshalb? Offenbar spielt die sexuelle Orientierung nach wie vor eine grosse Rolle.Die Petition «Gleiche Chance für alle Familien» kann den Verlauf der Geschichte in ein Happy End umwandeln. Bei einem Kaffee bespricht die gayAgenda die Forderungen und die Begründungen der Petition mit Moel Volken, einem Komiteemitglied.
Warum wird eine Petition und nicht eine Initiative lanciert?
Moel Volken: Die Petition soll eine Diskussion entfachten. Ich glaube, dass sogar Lesben und Schwulen kaum eine Vorstellung haben um was es geht. In der Gesellschaft ist es noch viel extremer. Wenn wir morgen eine Volksabstimmung hätten, würden wir hochaus verlieren. Deshalb wollen wir auf keinen Fall eine Initiative. Wir wollen das Thema mit der Petition lancieren. Denn beim Unterschriften sammeln müssen sich auch die Schwulen und Lesben damit beschäftigen. Das wird Diskussionen geben. (...) Ich denke die Petition ist das richtige politische Instrument.
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Petition fordern:
– Die Gleichstellung Ehepaaren mit homosexueller Paare in Bezug auf Elternrechte und Adoption.
– Die rechtliche Gleichstellung von Kindern, die in eingetragenen Partnerschaften aufwachsen, mit Kindern, die in Ehegemeinschaften aufwachsen.
– Eine Ausgestaltung des Adoptionsrechtes, die im Interesse und Wohl des Kindes ist, und nicht auf dem Zivilstand und der sexuellen Orientierung der adoptionswilligen Personen und Paare beruht.
Lesben und Schwule können keine Kinder kriegen. Zugegeben; beim Schreiben dieses Satzes habe ich nicht die Weisheit mit dem Löffel geschlürft, doch ein zentraler Punkt muss man genauer unter die Lupe nehmen: Heterosexuelle kriegen Kinder, Kinder die leider oft auch unerwünscht sind.
Homosexuelle müssen sich bewusst für ein Kind entscheiden. Ein Betriebsunfall in der Adoption ist ausgeschlossen. Durch das Partnerschaftsgesetzt geraten Homo- und bisexuelle Personen in eine absurde Lage: Solange sie ledig sind, dürfen sie adoptieren, doch leben sie in einer eingetragenen Partnerschaft ist dies nicht mehr möglich. Das ist ein kategorischer Ausschluss von der Adoption eine ungerechtfertigte Diskriminierung. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat klar festgestellt, dass Homosexualität kein Grund zur Verweigerung einer Adoption sein darf.
Meiner Meinung nach sind wir mit den Forderungen nach Gleichstellung schon zu lange schwanger. Das Kind muss endlich auf die Welt kommen.
