Gesundheit
HIV/Aids-Prävention: Alles falsch gemacht?
Ein Expertengremium erteilt der Aids-Hilfe Schweiz schlechte Noten für die Präventionsarbeit bei Schwulen. Hat die AHS alles falsch gemacht? Welches sind die grossen aktuellen Herausforderungen? Und was tut eigentlich die Aids-Hilfe Bern? Simon Krattiger von der Aids-Hilfe Bern nimmt Stellung.
Zwischen 2003 und 2008 haben sich in der Schweiz die HIV-Diagnosen aufgrund homosexueller Kontakte verdoppelt (über 300 im 2008). Fürs laufende Jahr wird erstmals wieder mit einem leichten Rückgang gerechnet. Dennoch hat sich in Fachkreisen eine gewisse Ratlosigkeit ausgebreitet, wie der besorgniserregenden Entwicklung am besten beizukommen sei. Die Aids-Hilfe Schweiz (AHS) sei zu träge geworden, habe sich zunehmend von der Basis gelöst und die Nähe zu den Betroffenen verloren, so der Grundtenor eines kürzlich erschienenen Expertenberichts. Anstatt weiterhin Informationsaktionen «von oben» durchzuführen, müsse man die internen Möglichkeiten der Szene besser nutzen, deren Sprache sprechen und auch deren Kommunikationskanäle brauchen.In den regionalen Aids-Hilfen rennt man mit diesen Empfehlungen offene Türen ein. Zusammen mit den verantwortlichen Kollegen in den anderen Kantonen suchen wir seit Jahren schon die Nähe zum «Kunden»: Wir arbeiten mit den lokalen Anbietern aus der Szene zusammen, wir sind immer wieder in einschlägigen Treffpunkten anzutreffen und pflegen einen regen Austausch mit den ansässigen homosexuellen Gruppen und Vereinen. Selbstverständlich gibt es grosse Unterschiede: In Zürich und Genf existieren nun mal andere Strukturen als in weniger grossen Ballungsräumen oder gar ländlichen Gebieten. Es gehört zu unseren Stärken, dass wir uns den lokalen Gegebenheiten anpassen können.
Allerdings stossen wir bei unserer Arbeit auch immer wieder an Grenzen. Heutzutage kann man in den meisten Fällen eine HIV-Infektion medikamentös unter Kontrolle bringen. Anstelle von panischer Angst ist manchenorts jetzt aber Leichtsinn getreten. Das Pendel schwingt also geradewegs ins andere Extrem. Leider nützt hier sämtliche Szenennähe nichts. Es fehlt nach wie vor an einer angemessenen Einschätzung, was HIV ist und was es nicht ist. Ich wünschte mir, dass die Gay Community hierfür ein entsprechendes kollektives Bewusstsein entwickeln würde. Es kann nicht an die Präventionsleute delegiert werden, HIV zu thematisieren. HIV betrifft alle – und zwar Menschen mit positivem wie negativem Serostatus. Verharmlosen und Verdrängen sind denkbar ungünstige Taktiken.
Auch der Einzelne kann einen Beitrag leisten. Wer seinen HIV-Status kennt, kann entsprechende Konsequenzen für sich und seine Sexualpartner ziehen. Wer einen HIV-Status bloss vermutet, verpasst unter Umständen die Chance, eine Therapie rechtzeitig beginnen zu können. Ansonsten gefährdet er sich selbst oder seinen Partner, weil er sich in falscher Sicherheit wähnt. Die aids hilfe bern führt nebst An-derem HIV- und Syphilistests durch. Die Beratungen sind persönlich, gay friendly, anonym und unkompliziert. Telefonische Auskunft und Anmeldung unter 031 390 36 36.
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