gaybern.ch | ha-bern.ch | 3gang.ch | cominginn.ch
gaybern.ch - lesbischwules portal für bern der hab
Filmtipps

Die Szene ist tot – Es leben die Szenen!Die Szene ist tot – Es leben die Szenen!

Ein politisch-kultureller Rückblick von Fabian Jecker auf das Queersicht-Filmfestival 2009.

Die Szene ist tot – so die These der Podiumsdiskussion am Samstag Nachmittag, 14. November. Waren wie im Film Zwätschgegrill angedeutet in den 1980ern die Verhältnisse noch klar – Männlein da und Weiblein dort, vermischten sich die bis anhin getrennten Szenen mit dem Aufkommen der Queerbewegung in den 90ern allmählich. Die Szene ist tot, da die Popkultur blüht. Homosexualität wird zu wirtschaftlichen Zwecken instrumentalisiert, insbesondere die erfolgreichen Schwulen haben Style, sind hip und mit ihnen lässt sich kräftig Kasse machen. Die Szene ist tot, da sich die Gesellschaft dem Thema Homosexualität geöffnet hat. Doch auch noch heute findet Vieles im Verborgenen statt. Bei uns in der Schweiz und in Ländern wie Aserbaidschan mit anderen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen. Öffentlichkeit ist auch heute nicht immer gut für gleichgeschlechtlich liebende Menschen, sei es in der islamischen Welt, sei es bei uns im ländlichen Raum oder selbst in unseren Städten aus ganz persönlichen Gründen. Die Szene ist tot, da es das Internet gibt. Kontakte werden nicht mehr in Bars, Parks und Klappen, sondern in der virtuellen Welt geknüpft. DIE Szene existiert nicht mehr. Viele verschiedene Szenen haben sich nach Region, Schicht, politischer Ausrichtung und kulturellen Aspekten entwickelt.

Auch die Leinwandszenen des diesjährigen Queersicht-Festivals waren sehr vielfältig und hochaktuell, wie folgende persönliche Auswahl zeigt. Verpackt in Erdbeerfolie liess Marco Wilms den Traum der 80er-Szene Ostberlins wieder aufleben. Coming out, der befreiende, erste schwule Film der DDR feierte in der Nacht des Mauerfalls am 9.11.1989 Premiere und bot Einblick in eine inzwischen untergegangene Welt. In Fuera da Carta entschied sich der schwule Restaurantbesitzer und Vater für seine in der Vergangenheit vernachlässigten Kinder und gegen den so lange ersehnten Michelin-Stern. Patrik Age 1.5 zeigte die Auswirkungen selbst gewählter Vaterfreuden auf, wenn aufgrund eines Administrationsfehlers nicht das erwartete Kleinkind, sondern ein pubertierender Schwulenhasser adoptiert wird. In Gilbert & George begeisterte das leicht verschrobene Künstlerpaar die Kinogäste mit ihrem durch und durch inszenierten Leben. Die Szenen leben! Ich freue mich bereits auf Queersicht 2010.

Fabian Jeker
Kommentare
Noch keine Kommentare... Sei Du der Erste!
Name
E-Mail *
Text
* Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, muss aber angegeben werden.
Infos
Datum: 08.12.2009
Rubrik: Filmtipps
Autor: HAB-Info Redaktion
Mehr Artikel
Mine Vaganti – Männer al dente
Im August kommt «Mine Vaganti – Männer al dente» in die Schweizer Kinos, der neue Film vom offen schwulen Regisseur Ferzan Ozpetek (Hamam, Le fate ignoranti). Mehr
Neu im Kino: «Eyes Wide Open» und «J’ai Tué Ma Mére»
Zwei Filme mit schwuler Thematik laufen neu in den Berner Kinos. In «Eyes Wide Open» geht es um homosexuelle Liebe zwischen orthodoxen Juden und in «J’ai Tué Ma Mére» um die Hass-Liebe eines jungen Schwulen zu seiner Mutter. Mehr
Der erste Tom Ford Film
Der schwule Modedesigner Tom Ford ist jetzt Hollywood-Regisseur. Am 11. Februar kommt sein Filmdebüt «A Single Man» mit Colin Firth und Julianne Moor in den Hauptrollen bei uns in die Kinos. Mehr