GayIcon: Nina Hagen – Fall in love mit mir
Pünktlich zum Jahresbeginn beglücken wir euch mit einer neuen Rubrik: «GayIcons», eine Reihe von Portraits exzeptioneller Menschen, die unserer Meinung nach das Prädikat «queer-wertvoll» verdient haben. Dabei geht es uns nicht darum, ein neutrales Bild unserer Lieblinge zu präsentieren sondern unsere ganz persönliche Meinung kundzutun und euch auf diesem Weg interessante Persönlichkeiten vorzustellen. Ét voilà, hier kommt unsere erste Ikone: Nina Hagen.
Nina ist Kult. Daran gibt’s nichts zu rütteln. Egal ob für die Dragqueen auf der Bühne, die zu «Zarah» Ninas unerreichte Mimik zu imitieren versucht, für die Feministin, die sich die Emma-Ausgabe mit Nina auf dem Titelbild gerahmt hat oder für den fünfzehnjährigen Jungen, dem die provozierende, tabulose und einfach andere Nina Hagen aus der Seele singt – und das über mehrere Oktaven!Letzteres bin ich gewesen, vor rund zehn Jahren. Für mich hat Nina immer all das repräsentiert, was in der gutbürgerlichen Spiessigkeit keinen Platz hat und nun plötzlich doch Platz zu haben schien, denn schliesslich gab es ja die Nina! Mit Wonne las ich über all die Skandale und Skandälchen, erfreute mich an der Empörung darüber, dass Nina im TV der gesamten Nation gezeigt hat wie Frau zu masturbieren hat, kämpfte im Geist mit, wenn sie sich zum wiederholten mal für Tierschutz oder generell für eine bessere Welt eingesetzt hat und regte mich tierisch auf, wenn es wieder einmal hiess, meine geliebte Nina sei einfach nie erwachsen geworden und schlicht lächerlich. Gerade ihre vielleicht wirklich etwas naive, fast kindliche Art hat sie doch so liebenswert gemacht! Sie dekonstruierte das festgefahrene, spiessige Moralkorsett, welches so unumstösslich schien, mit der Selbstverständlichkeit und Beharrlichkeit eines kleinen Kindes und schaffte es gleichzeitig als hippiesk-gruftige Punkqueen immer bewundernswert und einzigartig auszusehen. Für mich ist, war und bleibt Nina eine der ganz grossen, die mir, und ich denke auch vielen anderen, gezeigt hat, dass es eben doch anders geht und dass das alte «du kannst doch nicht» ohne Bedeutung ist. Denn die Nina hat’s schliesslich auch gekonnt! Egal ob sie nun auf’m Bahnhofzoo im Damenklo lesbische Liebe thematisiert, mit ihrem wunderbaren «hast ne Macke ey?» in «Pank» den imaginären Chauvi-Freund abserviert oder in «Heiss» frei und offen über Sex an sich singt, jeder Tabubruch ist ihr gelungen und ihr Mut zur Individualität war und ist pure Inspiration. Deshalb gebührt Nina meiner Meinung nach ganz klar ein Platz in unserer neuen Rubrik, denn auch wenn ihr Wunsch, schwul zu sein (wenn ich ein Junge wär) nie wahr geworden ist – Nina ist und bleibt die abgedrehteste und beste Dragqueen ever! Und «gay» im ureigentlichsten Sinn des Wortes ist sie zweifelsohne auch.
Gloria Halleluja Amen.
