Freda Goodlett: «Wir haben alle immer eine Wahl»
Obschon sie mit Weltstars zusammengearbeitet hat, steht ihr Name nicht in der Hitparadenliste. Um unabhängig und sich selber treu bleiben zu können, hat sie lukrative Vertragsangebote der Musikindustrie abgelehnt und auf eine grosse Weltkarriere verzichtet. Nach vielen Jahren als Gastsängerin, Duettpartnerin oder Leadsängerin lanciert sie nun 2010 ihr erstes Soloprojekt.
Freda Goodlett hat nicht den Weg des geringsten Widerstands gewählt. Sie arbeitet ohne Plattenfirma im Hintergrund und produziert ihre CDs selbst, um die grösstmögliche künstlerische Freiheit zu haben. Anfragen, die sich zwar kommerziell lohnen, aber sie einengen würden, schlägt sie eine um die andere aus. Freda Goodlett wählt sich Bands und MusikerInnen selber aus, mit denen sie zusammenarbeitet. Und darunter sind einige Namen, die wie Butter auf der Zunge vergehen: Al Jarreau, Hot Chocolate, Gotthard. Seit einigen Jahren wohnt die Amerikanerin mit ihrer Lebenspartnerin in Bern und beeindruckt auf der Bühne als charismatische Leadsängerin von Funky Brotherhood oder als Gastsängerin beim Swiss Jazz Orchestra mit dem erfolgreichen «Buebetröim»-Projekt.Freda, seit vielen Jahren arbeitest du als Backgroundsängerin, Duettpartnerin oder Leadsängerin einer Band. Nun steht dein erstes Solo-Projekt vor der Tür. Warum hast du damit solange gewartet?
Ich habe all die Jahre gebraucht, um Erfahrungen zu sammeln. Nun fühle ich mich reif für ein Soloprojekt. Es lagen mir immer wieder Leute in den Ohren, unbedingt etwas Eigenes zu machen. Aber ich mache immer nur das, was mir gefällt und richte mich nicht nach einem System.
Erzähle uns etwas über deine Solo-CD, die im 2010 erscheinen wird.
Das meiste Material habe ich über Jahre zusammengetragen, einige Songs werden auch neu sein. Grundsätzlich wäre von der Stilrichtung eigentlich alles möglich: ich könnte auch Schlager texten. Aber meine Stimme ist nun halt einmal für Soul sehr gut geeignet. Und so wird es dann auch sein: Soulrock.
Eine eigene CD zu veröffentlichen, seinen Namen im Programm zu sehen, solo auf der Bühne zu stehen bedeutet: alle Augen sind auf dich gerichtet. Was bedeutet das für dich?
Mir bedeutet das nichts. Mir geht es nicht darum, meinen Namen auf einer CD-Hülle zu sehen. Ich will mit hervorragenden Musikern zusammenarbeiten und dabei etwas produzieren, das gut ist und mir gefällt.
In diesem Moment schaltet sich Katha, Fredas Managerin ins Gespräch ein. Sie meint, dass es ziemlich egal ist, was Freda macht: stets ist sie dabei sich selbst, authentisch und gibt alles.
In deiner Biografie steht, dass deine Texte vom Leben, von Freude, Liebe und Trauer erzählen und dir Oberflächliches fernliegt. Stört es dich nicht, wenn du die ZuhörerInnen dadurch in deine Seele blicken lässt?
Ich kann nicht einfach irgendetwas Banales singen, das mich nicht berührt. Bei vielen heutigen Chartsongs spüre ich nichts, sie lassen mich kalt. Ich erzähle Alltagsgeschichten und -erfahrungen, wie sie mir und vermutlich vielen anderen auch passieren. Somit sind es keine persönlichen Geheimnisse, sondern es sind Geschichten, die jeden etwas angehen.
Mich stört, dass man sich in unserer Welt so stark an Klischees orientiert: ob ich nun mit einem Mann oder einer Frau zusammen bin, ist doch völlig egal.
Schwarz, Frau, lesbisch – Dinge, die das Leben sicher nicht einfacher machen. Wie erlebst du das?
Ich habe Rassismus erlebt. Aber ich liess mich nicht darauf ein. Denn je mehr man sich aufregt, umso tiefer zieht es einen rein. Ich lasse mich grundsätzlich nicht schubladisieren. Mich stört, dass man sich in unserer Welt so stark an Klischees orientiert: ob ich nun mit einem Mann oder einer Frau zusammen bin, ist doch völlig egal. Darum schreibe ich auch keine Songs über diese Dinge, sondern ich schreibe Songs über Menschen. Jede muss selber entscheiden, was sie glücklich macht. Wir haben immer eine Wahl! Treffen muss sie jede und jeder für sich selber.
Gibt es Themen, über die du nie einen Song schreiben würdest?
Ich sage niemals nie! Auch meine dunklen Seiten sind nicht tabu. Es gibt viele, die ihre dunklen Seiten zu verstecken versuchen. Mit etwas Menschenkenntnis merkt man dies sofort; sie sind nicht authentisch.
Du hast bei «Musicstar» als Vocal Coach gearbeitet. Stört es dich nicht, dass heute Retortenstars oft mehr Erfolg haben als Bands und SängerInnen, die sich mit Qualität und Leidenschaft zu behaupten versuchen?
Ich bin kein Fan von Castingshows. Heute steht dort nur das Business der Musikindustrie im Vordergrund. Die jungen TeilnehmerInnen wollen um jeden Preis vor die Kameras. Warum? Ich habe mitgemacht, weil ich selber einmal hinter die Kulissen schauen wollte. Dabei hat sich gezeigt, dass meine schlimmsten Vorstellungen noch übertroffen wurden. Ich habe versucht, den TeilnehmerInnen ein «Schutzengel» zu sein, und sie vor den Tücken des Geschäfts zu warnen. Allerdings kann man niemandem die Lebenserfahrungen abnehmen; jede muss sie selber machen. Bisher hatte ich in meinem Leben meistens Glück, doch gab es auch Situationen, in denen ich fast auf die Nase gefallen wäre. So würde ich heute vermutlich nicht mehr mit 17 zum Militär gehen. Die ersten zwei Wochen als GI waren die Hölle. Das schüchterne Mädchen fand sich plötzlich völlig alleine in Deutschland wieder. Und doch hat mich diese Entscheidung von den öden US-Südstaaten nach Europa geführt und ich habe eine neue Welt kennengelernt.
Warum hat man dich noch nie bei den „Grössten Schweizer Hits“ gesehen?
Da wird man mich auch nie sehen. Ich fühle mich musikmässig je länger je mehr im falschen Land! Zähle mir drei Schweizer Frauen auf, die in den Charts vertreten sind – es gibt sie im Gegensatz zu den Männern kaum! Da läuft etwas ziemlich falsch. Darum will ich mich in Zukunft wieder vermehrt international ausrichten. Ich habe genügend Kontakte, die sich freuen, wenn ich mich melde!
Freda, ich danke dir ganz herzlich für das spannende Gespräch.
Konzertdaten
FREDA GOODLETT SOLO
Fr. 15.1., Mühlethurnen, Alti Moschti
Fr. 22.1., Grosshöchstetten, Kühltür
Sa. 23.1., Bern, Musigbistrot Monbijou
Fr. 29.1., Nidau, Kreuz
Fr. 12.2., Münchenbuchsee, Bärenbuchsi
Swiss Jazz Orchestra & Friends „Buebetröim“
Fr. 11.6., Biel, DAS ZELT
