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«Jetzt steht schon in der Zeitung, dass ich schwul bin!»«Jetzt steht schon in der Zeitung, dass ich schwul bin!»

In Biel trifft Guy Huracek von der Berner gayAgenda den schwulen SVP-Politiker Beat Feurer zu Schnitzel und Pommesfrites. Der Bieler Grossratskandidat spricht nicht nur über seine gaySVP, sondern auch über Gott und die Welt.

Beat, mit der Gründung des gaySVP stehst du plötzlich im Rampenlicht. Unsere Leser wollen mehr über dich wissen. Bist du in einer Beziehung?
Beat Feurer: Ja ich habe einen Partner. Was ich noch gerne erwähnen möchte: Ich lebe sehr glücklich mit einer Familie aus Sri Lanka zusammen. Ihre Kinder sind wie meine Kinder

Was sind deine Hobbys?
Beat (lächelt): Mein grosser Garten. Vor allem im Sommer geniesse ich ihn.

Wir haben Winter. Was machst du jetzt gerne?
Ich lese sehr gerne. Ich habe zurzeit zwei, drei Bücher, mit denen ich mich beschäftige. Beispielsweise lese ich gerade ein Buch von Leon de Winter «Das Recht auf Rückkehr», eine israelische Utopie und natürlich das Buch «Jesus» von Benedikt XVI (beugt den Kopf nach hinten, denkt nach und lächelt). Ich lese auch verschiedene Bücher über die Steuern. Aber schliesslich bin ich ja diplomierter Steuerexperte.

Du sagtest „natürlich das Buch Jesus“. In der Bibel gibt es folgende Passage: „Du sollst nicht bei einem Mann liegen, wie bei einer Frau.“ Bringst du deine Neigungen und deinen Glauben unter einen Hut?
Das ist eine sehr komplexe Frage, die sich nicht im Rahmen des Interviews beantworten lässt. Aber ein fundamentalistischer Christ deutet die Bibel nach dem Wortlaut und nicht nach dem Sinn. Ich könnte dies genau so tun und sagen, dass es zwar heisst, du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es heisst aber nicht, du sollst nicht bei mehreren Männern liegen.

Was hat dann diese Passage für einen Sinn?
Traditionelle Familien sollten nicht auseinander gerissen werden. Früher war eine Frau vom Mann ab­hängig. Nach einer Scheidung ist sie verhungert. Heute ist das anders. Frauen sind selbständig und dürfen arbeiten. Wenn man in einer schwulen Beziehung ist, dann beeinträchtig dies eine Hetero-Beziehung nicht.

Jetzt bis du bekannt als „der Schwule von der SVP“ (Beat muss lachen). In einer bürgerlichen Partei offen zu seiner Homosexualität zu stehen, ist auch heute nicht selbstverständlich. Bitte erzähle uns deine Coming-Out-Geschichte.
Ufff. Ich hatte mein Coming-Out relativ spät. Ich war 45 Jahre alt und hatte es vor vier Jahren. Als junger Erwachsener war ich von einem starken Glauben so geprägt, dass ich mir lange sagte, das mache ich nicht. Dass ich schwul bin, wusste ich schon mit 13 Jahren. Es war eine grosse Befreiung für mich, als ich es zuerst meinen Freunden erzählte und später meiner Mutter. Jetzt steht schon in der Zeitung, dass ich schwul bin!

Die Schwulen und Lesben in der SP haben eine Fachgruppe und auch die FDP hat ihre Homo-Fachgruppe. Was hast du für Redaktionen von Schwulen und Lesben auf die Gründung der gaySVP erhalten?
Von Schwulen und Lesben haben wir nur positive Rückmeldungen. Auch von solchen, die mit der SVP nicht viel anfangen können. Das wenige negative Feedback haben wir vorwiegend von SVP-Leuten selber bekommen.

Schwule und Lesben müssen nicht überzeugt werden, dass noch einiges für die Gleichstellung getan werden muss. Ist die Hauptaufgabe der ­gaySVP, Aufklärung in der eigenen Partei zu betreiben?
Wir wollen vor allem innerhalb und ausserhalb der Partei wirken. Es ist eine Tatsache, dass viele SVPler kritisch gegenüber dem Thema Homosexualität stehen. Daher werden wir unsere Tätigkeit hauptsächlich auf die eigene Partei richten. PinkCross leistet schon sehr gute Arbeit. Es würde daher weniger Sinn machen, wenn wir uns zu sehr gegen aussen richten würden.

SVP-Nationalrat Otto Freysiniger meinte sogar, es graue ihn davor, dass Schwule ein Adoptionsrecht und schwulenfreundliche Lehrmittel verlangen könnten. Könnte es sein, dass die gaySVP die Partei aufspaltet?
Nein. Wir stehen auch für traditionelle Familienwerte ein. Das eine hat mit dem anderen nicht zu tun. Wenn in einer Blockwohnung ein Hetero-Paar lebt, auf dem gleichen Stock ein schwules oder lesbisches Paar, dann werden die sich nicht gegenseitig beeinträchtigen.

Im März sind Wahlen, und du bist Gross­ratskandidat. Im Januar hast du die gaySVP mitbegründet. Betreibst du mit deiner schwulen Gruppe Wahlkampf?
Nein. Wir haben die gaySVP nicht gegründet, um Wahlkampf zu betreiben. Wir wollten einfach eine schwule und lesbische Gruppe gründen und hätten nie gedacht, dass wir solch einen Medienwirbel auslösen. Der Zeitpunk war zufällig.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Wir möchten einen Verein gründen, damit man der gaySVP offiziell beitreten kann. Zudem werden wir uns weiter in der Partei engagieren. Wir unterstützen auch die Petition gleiche Chancen für alle Familien (mehr darüber auf gaybern.ch).

Wir danken Dir für das Interview.
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Infos
Datum: 26.01.2010
Autor: Guy Huracek
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