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Mysterious Skin - Buch und FilmMysterious Skin - Buch und Film

Das Buch ist immer besser als der Film? Scott Heims grossartiger Roman «Mysterious Skin – Unsichtbare Narben» wurde von Gregg Araki ebenso brillant verfilmt; man sollte sich am besten beide zu Gemüte führen.

Das Thema von «Mysterious Skin» ist denkbar schwierig: Es geht um Kindsmissbrauch und dessen psychische Folgen. Im Zentrum der Geschichte stehen Brian Lackey und Neil McCormick, zwei sehr unterschiedliche Jungs, die ein gemeinsames Trauma verbindet.
Als Brian acht Jahre alt war, fand ihn seine Schwester unter der Veranda; seine Nase blutete, und er konnte sich nicht mehr an die letzten fünf Stunden erinnern. Als Teenager beginnt Brian nach einer Erklärung zu suchen – und schustert sich zunächst die Theorie zurecht, er sei von ausserirdischen Wesen entführt worden. Mit der Zeit verdichten sich allerdings die Hinweise, dass Neil McCormick, ein Junge aus seinem Little League Baseballteam, Brian mehr über die verlorenen Stunden erzählen könnte.
Neil hingegen arbeitet heute als Stricher und weiss ganz genau, dass er als Kind Sex mit seinem Baseballtrainer hatte. Es wird schnell klar, dass sich der achtjährige Neil damals durchaus von seinem Trainer angezogen, dass er sich sogar geschmeichelt fühlte von der Aufmerksamkeit, die dieser ihm zuteil kommen liess. Dass Neils Zuneigung zum Täter ebenso beleuchtet werden wie seine psychischen Narben, ist eine der Stärken von Heims Roman.
Erstaunlich ist, dass die erzählerische Spannung erhalten bleibt, obwohl man Brians «Geheimnis» relativ früh durchschaut. Teilweise hat dies damit zu tun, dass der Roman aus der Sicht von verschiedenen Figuren erzählt ist: Neben Brian und Neil kommen auch Brians Schwester Deborah sowie zwei von Neils Freunden, Eric und Wendy, zu Wort. Wissen einige Figuren von Anfang an Bescheid, verstehen andere erst kurz gegen Ende des Romans, was damals, vor vielen Jahren, geschah – eine Diskrepanz, die zur psychologischen Tiefe des Erzählten beiträgt.
Heims Roman ist zutiefst verstörend, weil selbst die schrecklichsten Momente in einer intensiv sinnlichen Sprache geschildert werden. Dies verleiht der Geschichte – ebenso wie der kongenialen Verfilmung von Gregg Araki – eine verführerische Seite; man fühlt sich angezogen und abgestossen zugleich. «Mysterious Skin» ist ein mutiger Blick in die Seelen zweier Opfer, die nie auf ihre Opferrolle reduziert werden. Zugegeben, weder Heims Buch noch Arakis Film sind leichte Kost. Aber gerade das ist ihre Stärke.

Das Buch
Scott Heim «Mysterious Skin – Unsichtbare Narben»
Bruno Gmünder Verlag, 2006. ISBN-13: 978-3861879985

Der Film
«Mysterious Skin» von Gregg Araki
DVD, WVG Medien GmbH, 2006
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Infos
Datum: 26.01.2010
Autor: Martin Mühlheim
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