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Politik und Gesellschaft

Regierungsrat Bernhard Pulver: «Auch in Zukunft  werde ich offen zu meinem Schwulsein stehen.»Regierungsrat Bernhard Pulver: «Auch in Zukunft werde ich offen zu meinem Schwulsein stehen.»

Im Frühjahr 2006 wurde Bernhard Pulver in die Berner Regierung gewählt und übernahm die Erziehungsdirektion. Als Regierungsrat wollte er sich für die Anliegen von Schwulen und Lesben einsetzen und den Jungen im Coming-out Mut machen. 2010 tritt er wieder an. Die gayAgenda hat ihn zu seinen Erfahrungen, bisher Erreichtem und Zukunftsplänen befragt.

Bernhard Pulver, ehemaliges Vorstandsmitglied von Pink Cross und Mitglied der HAB, möchte am 28. März wieder gewählt werden in den Berner Regierungsrat. Fabian Jeker hat sich mit ihm unterhalten.

gayAgenda: Lieber Bernhard, 2006 sagtest Du im Interview, dass Dein Leben als Regierungsrat wohl ziemlich anders aussehen werde. Wenn Du zurück blickst: Was hat sich für Dich verändert, und welche Erfahrungen hast Du bisher als Regierungsrat gemacht?
Bernhard Pulver: Insgesamt habe ich positive Erfahrungen gemacht. Es ist schön, wie viel ich in meinem Amt beeinflussen kann. Die Arbeit für Bildung und Kultur macht mir grosse Freude. Allerdings braucht es einen langen Atem: Bildung und Kultur lassen sich nur langfristig steuern. Das Amt an sich ist sehr anstrengend – hohe Arbeitszeiten sind da an der Tagesordnung. In dem Sinne hat sich mein Leben sehr stark verändert: Es bleibt nur noch wenig Privatleben.

Als Grossrat reichtest Du die Inter­pellation «Homosexualität und Schule» ein mit dem Ziel einer ver­­stärkten Prä­ventions- und Auf­klä­rungs­­arbeit an den Schulen. Welche Ziele daraus konntest Du als Er­ziehungs­direktor bisher umsetzen? Welche Anliegen von Schwulen und Lesben in der Regierung generell einbringen?
In der Kantonsregierung generell gibt es relativ wenige Themen, die Schwule und Lesben speziell betreffen. Eine eher untergeordnete Frage in Zusammenhang mit der Steuererklärung konnten wir klären. Dass ich mich hingegen in der Entwicklung des Schweizer Lehrplans für eine Präsenz der Sexualpädagogik und des Themas Homosexualität einsetze, hat sicher Wirkung. Ich denke auch, dass es schwule und lesbische Lehrkräfte stärkt, wenn ihr «oberster Chef» das Thema als selbstverständlich betrachtet. Meine diesbezügliche Wirkung als öffentliche Person – etwa als Redner bei der Gay Pride in Biel oder bei öffentlichen Anlässen, wenn mein Partner mitkommt – ist wohl nicht zu unterschätzen.

Welche Schwerpunkte möchtest Du nach Deiner Wiederwahl in den kommenden vier Jahren setzen?
Für mich steht nach wie vor eine gewisse Entschleunigung in der Bildungspolitik im Vordergrund. In der Bildung müssen die Menschen im Mittelpunkt stehen, nicht Standard-, Output oder in erster Linie New Public Management-Denken. Auch die Stärkung der Kultur in unserem Kanton ist mir wichtig. In der Gesamtregierung steht die nachhaltige Entwicklung und die bisher verfolgte stabile und zuverlässige Politik im Vordergrund. Und: Auch in Zukunft werde ich offen zu meinem Schwulsein stehen – auch etwa während der Zeit, in der ich Regierungspräsident sein werde.

Homosexualität und Alter, Homo­sexualität und Migration / andere Kulturen sind wichtige Zukunfts­themen. Auch für den Kanton Bern?
Die demographische Entwicklung ist eine grosse Herausforderung für unseren Kanton. Dies betrifft das Alter, aber auch die Migration. Die Alterspolitik ist einer der Schwer­punkte unserer Gesundheits- und Fürsorgedirektion. Die Migration wird uns auch in den nächsten Jahren stak beschäftigen. Ich bin auch hier für Lösungen, die jede Diskriminierung verhindern. Für Schwule und Lesben ist der Spagat zwischen Toleranz und Integration anderer Kulturen und gleichzeitig klarem Einstehen für die in unserem Kulturraum geltende Toleranz und Vielfalt die entscheidende Heraus­forderung. Ich finde, das haben unsere Organisationen wie die HAB, Pink Cross, LOS oder Network bisher hervorragend geschafft.

Du bist HAB-Mitglied. Wo sollten die HAB verstärkt aktiv werden? Braucht es sie überhaupt noch?
Die HAB braucht es unbedingt. Schwule und Lesben sind eine Minderheit und werden das immer sein. Die Gleichstellung ist nie einfach erreicht, sie muss immer wieder in Erinnerung gerufen und erkämpft werden. Das ist die Aufgabe von Organisationen wie der HAB. Wenn sie darüber hinaus auch Orte schafft, wo sich Schwule und Lesben treffen können, hat sie ihre Aufgabe perfekt erfüllt!

Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg bei den Wahlen 2010!
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Infos
Datum: 25.02.2010
Autor: HAB-Info Redaktion
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