Filmtipps
Neu im Kino: «Eyes Wide Open» und «J’ai Tué Ma Mére»
Zwei Filme mit schwuler Thematik laufen neu in den Berner Kinos. In «Eyes Wide Open» geht es um homosexuelle Liebe zwischen orthodoxen Juden und in «J’ai Tué Ma Mére» um die Hass-Liebe eines jungen Schwulen zu seiner Mutter.
«Eyes Wide Open»
Im Film von Haim Tabakman aus dem Jahre 2009 geht es um die unmögliche Liebe im Milieu der orthodoxen Juden in Jerusalem.
Als der junge und attraktive Student Ezri in Aarons Laden tritt, scheint dies zunächst nicht mehr als ein glücklicher Zufall. Denn Ezri ist auf der Suche nach Arbeit und Aaron kann Hilfe in seinem Geschäft gut gebrauchen. Die beiden verstehen sich schnell und ohne viel Worte. Aaron nimmt den stillen Einzelgänger bei sich auf, er lädt ihn zu sich nach Hause ein und stellt ihn seiner Familie vor.
Doch im täglichen Umgang mit dem charismatischen Ezri erwacht im liebevollen Familienvater ein lange unterdrücktes Verlangen gegen das er sich nur schwer wehren kann. Er verliebt sich in Ezri. Unter dem strengen Gewand des Glaubens gerät Aarons strukturierte Welt zusehends ins Wanken denn Ezri eröffnet ihm eine bisher unbekannte Welt der Freiheit und Emotionen.
Zunehmend vernachlässigt Aaron die Familie und riskiert seine Position im strengen Gefüge der orthodoxen Gemeinschaft. Schliesslich droht dem tiefgläubigen Aaron der Boden unter den Füssen wegzubrechen...
Es ist sehr tragisch zuerst mitzuverfolgen, wie zwischen den beiden Männern eine leidenschaftliche, aber feinfühlige Liebe entsteht, und wie diese dann von der durch und durch dogmatischen Gemeinschaft als unakzeptierbar verurteilt wird. Aaron versucht sich dem Rabbi zu erklären: «Ich war tot. Und jetzt lebe ich.» Genau dieses Gefühl bekommt der Zuschauer stark vermittelt. Fazit: Eine verbotene Liebe zwischen zwei Männern rennt gegen die Mauern der orthodoxen Gemeinschaft an; zurück bleibt viel Herzensblut. (arte)
«J’ai Tué Ma Mére»
Xavier Dolan, heute 20 Jahre alt, schwul, aus Quebec, war mit seinem Erstlingsfilm «J'ai tué ma mère» die Sensation am letztjährigen Filmfestival von Cannes. Er hat das Drehbuch mit 17 Jahren geschrieben, seine ganzen Ersparnisse in die Finanzierung des Films investiert und selber die Schauspieler rekrutiert. Nach einer ersten Ablehnung bekam sein Projekt beim zweiten Anlauf endlich eine Förderung durch den Staat Quebec. Im April 2009 wurde der Film in die Auswahl der «Quinzaine des Réalisateurs» des Filmfestivals von Cannes aufgenommen und hat hier drei der vier Hauptpreise gewonnen.
In «J'ai tué ma mère» geht es um die Beziehung vom schwulen Hubert Minel (von Xavier Dolan selber gespielt), zu seiner Mutter und ihrer Welt. Hubert liebt seine Mutter nicht. Er urteilt über sie mit Geringschätzung, sieht nur ihre geschmacklosen Pullover, ihre kitschigen Hausdekorationen und die Brotbrosmen an ihrem Mund beim gemeinsamen Essen. Auf der anderen Seite stehen die Manipulationen und Schuldzuweisungen seiner Erzeugerin. Verwirrt von dieser Liebe/Hass-Beziehung durchlebt Hubert eine sowohl ganz typische wie aussergewöhnliche Adolesenz.
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