CD Tipps April 2010
DJ Corey's CD-Tipps: Goldfrapp, Rufus Wainwright, Crookers, David Byrne & Fatboy Slim, The Irrepressibles und Jonsi
GOLDFRAPP, Head First
(Mute / EMI)

Alison Goldfrapp und Will Gregory geben sich so unverschämt fröhlich wie schon lange nicht mehr. Für „Head First“ filterte das britische Elektropop-Duo nur das Beste aus Italo-Disco und Flashdance heraus, inklusive Schulterpostern, Dauerwelle und Neonlichter. Die neue Scheibe klingt in etwa so, wie wenn sich eine stark alkoholisierte Kylie Minogue in einer Synthesizers-Orgie verirrt hätte. „Rocket“, „Alive“ und „I Wanna Live“ sorgen für elektrisierende Bewegung auf der Tanzfläche. Aber nach diesen Party-Hymnen folgt die Ernüchterung. Das Titelstück und „Dreaming“ verbreiten dieselbe depressive Stimmung wie ABBA auf ihrem Album „The Visitors“.
RUFUS WAINWRIGHT, All Days Are Nights: Songs For Lulu
(Decca)

Der exzentrische Songschreiber befindet sich in einer sehr produktiven Phase. In den letzten drei Jahren hat er zwei Konzertprogramme aufgeführt, seine erste Oper „Primadonna“ komponiert und dazu noch sein sechstes Studioalbum eingespielt. „All Days Are Nights: Songs For Lulu“ ist jener dunklen und bösen Frau gewidmet, die offenbar in jedem von uns wohnt. In der zweiten Albumshälfte vertont Rufus William Shakespeares Sonette 43, 23 und 10. In „Martha“ fleht er seine geliebte Schwester an, ihn anzurufen. Der Schlusssong „Zebulon“ ist am Sterbebett seiner verehrten Mutter, der Folk-Sängerin Kate McGarrigle, entstanden. Das ist beileibe keine leichte Kost, aber sicher ein Muss für alle Rufus Fans.
CROOKERS, Tons Of Friends
(Ministry Of Sound)

„Electro-Hop“ war die musikalische Sensation von 2009. Sein grösster Vertreter, der französische DJ David Guetta, hat Clubs und Charts mit Dance-Hits am Laufmeter versorgt. 2010 ist „Hip-House“ an der Reihe. So nennen die Crookers, ein DJ-Duo aus Italien, ihren Stil. Nach ihrem massiv erfolgreichen Remix zu „Day’n’Nite“ von Kid Cudi steht den Crookers die ganze Hip-Hop- und Dance-Prominenz zu Füssen. Ihr Debüt ist 21 Songs schwer und weist eine Gästeliste auf, bei der selbst David Guetta vor Neid erblassen würde (Kelis, Roisin Murphy, Soulwax, usw.). Auf „Tons Of Friends“ findet ein regelrechtes Gipfeltreffen der Clubs-Giganten statt. Die Crookers-Party kann losgehen.
DAVID BYRNE & FATBOY SLIM, Here Lies Love
(Nonesuch / Warner)

David Byrne, der geniale Mastermind der New-Wave Band Talking Heads, und Fatboy Slim, die 90er-Jahre-DJ-Ikone, haben ein 100* politikfreies Disco-Pop-Musical über Imelda Marcos geschrieben. Die Witwe des 1986 abgesetzten philippinischen Präsidenten und Diktators Ferdinand Marcos pflegte einen verschwenderischen Lebensstil. Berühmt wurde die Ex-Schönheitskönigin für ihre monumentale Schuhsammlung und ihre legendären Auftritte in der New Yorker Disco „Studio 54“. 23 (!) Gastsängerinnen (u. a. Cyndi Lauper, Tori Amos, Kate Pierson und Santigold) schlüpfen in die Rolle der dekadenten Imelda Marcos und machen dieses Konzeptalbum zu einem bunten Disco-Vergnügen.
THE IRREPRESSIBLES, Mirror Mirror
(V2)
JÒNSI, Go
(XL Recordings / Parlophone)

Am Schluss noch zwei schräge Vögel mit genauen musikalischen Vorstellungen. The Irrepressibles sind ein 10-köpfiges Performance Orchester aus London, geleitet vom schwulen Komponist, Gitarrist und Countertenor Jamie McDermott. Diese leidenschaftlichere, aber weniger fragile Ausgabe von Antony And The Johnsons verwebt surrealen Kammerpop mit Anleihen aus Glam-Rock und Pop. Wie Jamie und Antony sticht auch der scheue Jònsi, der halbblinde schwule Sänger der isländischen Band Sigur Ròs, durch seine einzigartige Falsettstimme heraus. Auf seinem ersten Soloalbum „Go“ fügt er der subtilen Tristesse seiner Stammcombo einen optimistischeren Grundton bei. Elfen und Feen zeigen Jònsi den Weg zum Glück.