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Politik und Gesellschaft

10 Jahre ABQ Schulprojekt - das Interview

10 Jahre ABQ Schulprojekt - das Interview

Ein ganz normaler Schulbesuch – nur ein bisschen queer. Seit 10 Jahren er­möglicht das Schul­projekt ABQ den Schülerinnen und Schülern eine Begegnung mit lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen. In der Schule wird das ABC gelernt; im Namen ABQ steht das Q für «queer». Guy Huracek von der gayAgenda im Gespräch mit dem ABQ-Vorstand.

(Bild v.l.n.r: Manuela Binggeli, Marianne Kauer, Jochanan Harari, Martin Wiedmer, Babs Schmid)

«Wenn sich jemand outen will, braucht er Unterstützung.»



Ihr besucht Schüler und Schü­ler­in­nen einen halben Tag lang. Wie sen­si­bilisiert ihr sie für das Thema «Schwul und lesbisch sein»?
ABQ: Wir erzählen unsere Lebens- und Coming-Out-Geschichten, zeigen Fotos aus unserer Kindheit, was unsere Hobbys sind, was für Sport wir treiben und wer wir sind. Dadurch realisieren sie, dass wir gar nicht viel anders sind als sie. Dass wir uns ins gleiche Geschlecht verlieben ist nur ein Teil. Der Effekt für die Jugendlichen ist wohl vor allem, einen Halbtag mit uns zu verbringen, uns sehen, neben uns zu sitzen (ohne angemacht zu werden!). Sie staunen häufig darüber, dass wir eine ganz normale Kindheit, eine normale Familie und eine normale Herkunft haben.

Was habt ihr für Ziele?
Unser Ziel ist es, durch die direkte Be­gegnung dem Schwul- und Lesbisch­sein ein Gesicht zu geben, den Schüler­in­nen und Schülern bewusst zu machen, dass Schwule und Lesben Menschen sind, wie du und ich. Alle Jugendlichen, egal ob homo-, bi- oder heterosexuell haben ein Anrecht auf vor­urteils­freie Infor­ma­tion zu verschiedenen sexuellen Orien­tierungen. Unser Haupt­ziel ist es, Vor­urteile ab- und Wissen aufzubauen. Unser Verein hat zum Ziel, möglichst schnell aufgelöst zu werden, weil unsere Arbeit hoffentlich eines Tages nicht mehr nötig sein wird.

ABQ feiert das 10-jährige Jubiläum. Was waren die Highlights?
Einmal besuchten wir eine Heim­schule für Jungen. Sie konnten kaum glauben, dass wir lesbisch und schwul sind, weil sie ganz andere Vorstellungen hatten. Nach dem Schulbesuch sagte ein Zweitklässler zu seiner Lehrerin: «Vielen Dank, jetzt muss ich endlich keine Angst mehr haben.» Eine andere lustige Situation war beispielsweise, als uns ein Mädchen fragte, ob wir uns für diesen Besuch absichtlich normal angezogen hätten.

Habt ihr während den 10 Jahren eine Ent­wicklung in der Toleranz be­merkt?
Ja. Das haben wir auf verschiedenen Ebenen fest­gestellt: Die Eltern­schaft, die Lehrer­schaft und die Schul­leitung haben sehr grosse Schritte ge­macht. Homo­sexuali­tät wurde ein Thema in der Schule, die Lehrer sind sensi­bi­lisierter und einige sprechen das Thema im Unterricht an. Die Einstellung der Eltern hat sich in den letzten 10 Jahren auch verändert. Früher hatten wir viel mehr Beschwerde­briefe, dass so ein heikles Thema nicht in der Schule behandelt werden dürfte und dass es Werbung fürs Schwulsein wäre usw. Heute haben wir zwar immer noch solche Reaktionen, aber nur noch von bestimmten Gruppierungen, z.B. funda­menta­listisch-religiösen. Bei den Schülern hat sich auch einiges verändert. Man kann das anhand eines Bildes erklären: Als wir früher über den Pausenplatz gingen, um eine Schule zu besuchen, schaute das ganze Schulhaus aus dem Fenster. Heute hat sich die Neugierde ein bis­schen gelegt Die Jugendlichen haben heute Bilder aus den Medien. Nach wie vor besteht aber noch viel Halb­­wissen zum Thema. Was auch auf­fällt ist, dass es heute viel mehr Schüler­innen und Schüler gibt, die einen Schwulen oder eine Lesbe kennen.

Wir danken euch für das Gespräch.

ABQ sucht immer junge Schul­besucher­innen und Schulbesucher.
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Infos
Datum: 11.04.2010
Autor: Guy Huracek
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