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Tim Fischer in der Mühle Hunziken: «Ich brenne für diesen Abend»

Tim Fischer in der Mühle Hunziken: «Ich brenne  für diesen  Abend»

Seit 20 Jahren ist Tim Fischer als Chansonsänger auf den Kleinkunstbühnen im deutschsprachigen Raum unterwegs. Am 7. Mai kommt er mit seinem Programm «Gnadenlose Abrechnung» in die Mühle Hunziken in Rubigen. Ludwig Zeller von der gayAgenda hat sich mit ihm unterhalten.

Du feierst derzeit dein 20-jähriges Bühnenjubiläum. Wie und wo war es, als du zum ersten Mal auf der Bühne vor einem Publikum aufgetreten bist?
Dies einschneidende Ereignis trug sich zu, als ich im zarten Alter von 9 Jahren, bekleidet nur mit einem himmelblauen Bademantel, auf der griechischen Insel Rhodos vom Schwimmen kommend zur Mittagszeit eine Taverne betrat, in der die Kapelle das berühmte Lied «Ein Schiff wird kommen» spielte, das mir bis dahin schon des Öfteren beim Hausaufgaben erledigen über die Lippen geglitten war. Ich enterte die Bühne und sang – sehr zum Leid von Melina Mercouri, Maria Farantouri, sowie Nana Mouscouri – denn ihre Plattenverkäufe gingen rasant in den Keller.

Deine Karriere als Chansonsänger hat Ende der 80er Jahre als 17-Jähriger im Hamburger Schmidt Theater angefangen. Ein Theater, an dem viele andere schwule Künstler ihre ersten Karriereschritte machten, wie z.B. Rosenstolz oder Georgette Dee. Wie hat dieses Umfeld den jugendlichen Tim Fischer geprägt?
Es war eine superschöne Zeit. Die sogenannte «Kleinkunst» boomte, das Publikum war bereit, neue Künstler kennen zu lernen, es gab tolle Mix-Shows, Freundschaften entstanden, man feierte teilweise exzessiv, bis die Seifenblasen nach und nach zerplatzten. Die Krise hat ja viele Künstler hart getroffen, viele haben das Handtuch geschmissen. Das Publikum geht eben immer mehr auf Nummer sicher. Doch ich bin optimistisch und denke, es wird wieder einen Wandel geben. Auf die Reeperbahn kehre ich nach wie vor gerne zurück, allerdings spiele ich mittlerweile im schönsten und ältesten Theater auf dem Kiez – dem St. Pauli Theater.

Von Anfang an bist du zu deinem Schwul-Sein gestanden und hast auch mit anderen schwulen Künstlern zusammen gearbeitet. Viele Musiker sagen aber, dass die Homosexualität nichts mit dem Musikmachen zu tun habe. Wie sieht du das?
Singen ist für mich eine Aus­drucks­möglichkeit, ein Ventil. Die Persönlichkeit des Menschen, der Musik produziert, fliesst (hoffentlich) in die Interpretation mit ein. So kann es in verschiedenen Genres zu grossen Emotionen und Stimmungen mit vielfältigsten Aussagen kommen. Das finde ich wunderbar. Lieder werden zu Gebeten, zu Zaubersprüchen, sie trösten, helfen, geben Hoffnung, umarmen.

Dein erstes abendfüllendes Programm 1991 war «Zarah ohne Kleid», mit dem bist du auch heute wieder unterwegs. Was hat sich in all den Jahren verändert?
«… wovon sie besonders schwärmt, wenn es wieder aufgewärmt …»

In Bern wirst du mit deinem neuen Programm «Gnadenlose Abrechnung» auftreten. Du singst Lieder vom Wiener Georg Kreisler der sie speziell für dich geschrieben hat. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Georg Kreisler?
Kreisler ist so schön politisch! Und dann dieser geniale jüdisch-wienerische Humor! Mit Georg Kreisler verbindet mich eine lange Freundschaft, seine Lieder singe ich seit Ewigkeiten, und mir wird und wird dabei einfach nicht langweilig. Wir arbeiten auch gerne zusammen, so hat Georg zum Beispiel bei dem Musical «Adam Schaf hat Angst» Regie geführt, was zu meinen schönsten kreativen Erinnerungen gehört. Nun hat er glücklicherweise die «Gnadenlose Abrechnung», einen neuen Abend, zusammengestellt, mit mir geprobt, alte Lieder kräftig entstaubt, neues gedichtet und alles in eine wunderbare Abfolge gebracht. Ich brenne für diesen Abend.

Georg Kreislers Lieder gelten als hintergründig, ja sogar bösartig. Wie viel Böses steckt denn in dir?
Bösartig sind die Lieder nicht, vielleicht schonungslos genau. Georg Kreisler schreibt über das Böse, um das Gute zu bewirken. Mit analytischem Blick nimmt er sie alle, vom Spiesser bis zum Politiker, unter die Lupe. Aber das Werk Georg Kreislers ist einfach enorm vielschichtig. So gibt es eben auch Liebeslieder von einer ungeheuren Zartheit.

Apropos Liebe: In Wikipedia ist zu lesen, dass Du seit 2 Jahren verheiratet bist, und sogar den Namens deines Partners angenommen hast. Wegen des klangvollen Namen Jiménez Domínguez, oder gab es andere Gründe?
Allein der Name wäre Beweggrund genug gewesen. Tatsächlich war es der Wunsch meines Freundes Rolando. Spontan sagte ich «Ja., ja, warum nicht.» Denn erstens schlägt man dem Geliebten nur ungern einen Wunsch ab, und zweitens habe ich mir schon ganz andere Eier ins Nest gelegt.

Am 7. Mai spielt du in der Mühle Hunziken in Rubigen bei Bern. Bist du schon mal in Bern gewesen, wenn ja, wie gefällt dir unsere Stadt?
Wir sind absolute Schweiz-Fans. Wir freuen uns auf das zauberhafte Publikum und das gnadenlos gute Käse-Buffet.

Vielen Dank für das Interview.
(Foto: Jim Rakete)
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Infos
Datum: 27.04.2010
Rubrik: Ausgehen
Autor: Ludwig Zeller
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