CD Tipps Mai 2010
DJ Corey's CD-Tipps: Sharon Jones & The Dap-Kings, MGMT, Kate Nash, Diana Vickers, Melissa Etherdige, Shelby Lynne.
SHARON JONES & THE DAP-KINGS, I Learned The Hard Way
(Daptone/Goodfellas)

Bei den ersten Akkorden des Openers „The Game Gets Old“ fühlt man sich in die goldene Ära der Soulmusik katapultiert. Damals in Detroit prägten die Funk Brothers beim legendären Motown-Label den Sound des jungen Amerikas. In den Muscle-Shoals-Studios in Alabama wirkten erstklassige Sessionsmusiker auf göttlichen Aufnahmen namhafter Stars wie Etta James oder Aretha Franklin. Auf ihrem fünften Album zelebriert die ehemalige Gefängniswärterin Sharon Jones mit ihrer hervorragenden Begleitband The Dap-Kings eine glorreiche Vergangenheit und rettet diesen authentischen Sound in die Zukunft hinüber.
MGMT, Congratulations
(Columbia)

Mit dem wunderbaren „Oracular Spectacular“ von 2008 vollbrachte das Elektropop-Duo MGMT eine musikalische Heldentat. Mit „Time To Pretend“, „Kids“ und „Electric Feels“ schrieben die zwei jungen New Yorker drei Underground-Disco-Hits für die Ewigkeit. Für das schwierige zweite Album „Congratulations“ verlassen MGMT die bisher erfolgreiche Komfortzone und machen eine spektakuläre Kehrtwende in psychedelische Gefilde und den Space-Rock der 60er-Jahre. Starke Reminiszenzen an Pink Floyd, Byrds, Air und Radiohead sind deutlich erkennbar. Diese passen perfekt zum Neo-Hippie-Image, das MGMT schon seit ihrem Debüt anhaftet.
KATE NASH, My Best Friend Is You
(Fiction)
DIANA VICKERS, Songs From The Tainted Cherry Tree
(RCA)

Die nächste britische Pop-Invasion ist auch 2010 fest in Frauenhand. Auf Ellie Goulding und Marina And The Diamonds folgen Kate Nash und Diana Vickers. Kate Nash, die rockige Variante von Lily Allen, ist 2007 durch das Internetportal MySpace bekannt geworden. Mit ihrem Erstling „Made Of Breaks“ knackte sie im gleichen Jahr die UK-Album-Charts. „My Best Friend Is You“ ist eine gut gemeinte aber etwas zahnlose Verneigung vor der Riot Grrrls-Bewegung, Punk und den Girlgroups der 60er-Jahre. Die knackigen Pop-Perlen der ehemaligen X-Factor-Absolventin Diana Vickers, einer skurrilen Kreuzung zwischen Kylie und Dido, haben definitiv mehr Substanz. Allein die flotten Nummern „Once“ und „The Boy Who Murdered Love“ hieven ihr erstes Album in höhere Sphären.
MELISSA ETHERIDGE, Fearless Love
(Island)

Melissa Etheridge kann auf eine 22-jährige Karriere zurückblicken und ist sicher eine der erfolgreichsten bekennenden Lesben im Musikgeschäft. Ihr Engagement als Fürsprecherin für Lesben- und Schwulenrechte oder auch als Umweltaktivistin wird von ihrem Publikum genau gleich geschätzt wie ihre Musik. Auf ihrem zehnten Album „Fearless Love“ hat die Rock-Lady zwölf meistens energiegeladene Titel gepackt, die ihrer eisernen Rockröhre und beissenden Gitarrenriffs alle Ehre machen. In den akustischen Balladen überzeugt die Power-Frau mit ihrer eingängigen und gefühlvollen Art. Das neue Werk wurde von John Shanks produziert, früher Gitarrist in Melissas Live-Band und heute mehrfacher Grammy-Preisträger.
SHELBY LYNNE, Tears, Lies And Alibis
(Everso Records)

Zwei Jahre nach „Just A Little Lovin’“, ihrer delikaten Hommage an die grossartige Dusty Springfield, erscheint Shelby Lynnes neues Album auf ihrem eigenen Plattenlabel Everso Records. Mit voller Kontrolle über ihrer eigenen Musik geniesst Shelby Lynne endlich auch mehr künstlerische Freiheit. Auf dem selbst komponierten und produzierten „Tears, Lies And Alibis“ destilliert die amerikanische Ausnahmekünstlerin die Essenz von Country, Soul, Blues, Rock und Folk. Kaum eine andere Sängerin verbindet Sinnlichkeit, Unschuld und Zerbrechlichkeit so gekonnt wie Shelby Lynne. Diese wunderbare Songsammlung offenbart eine Songschreiberin von ungewöhnlicher Tiefe und mit einem Gespür für unvergessliche Melodien.