Box-Stop bei der Aids-Hilfe Schweiz
Seit April ist Marco Müller der neue Abteilungsleiter MSM (Männer die Sex mit Männern haben) bei der Aids-Hilfe Schweiz. Die gayAgenda hat sich mit dem Luzerner über seinen neuen Job und die neue Kampagne unterhalten.
Dich kennt man vor allem als Veranstalter der erfolgreichen «Frigay Night» in Luzern. Wie kannst du Deine Erfahrungen als Partyorganisator in deinen neuen Job einbringen?Marco Müller: Gut gebrauchen kann ich mein Organisationstalent sowie die Kontakte, welche ich in der Szene verfüge. Für die Gestaltung von Kampagnen ist es zudem hilfreich, wenn ich die Brille des Veranstalters aufsetzten kann und mich frage, welches die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen von Präventionsmassnahmen an Parties sind.
Wie gefällt Dir dein neuer Job und was sind deine Aufgaben?
Meine Aufgaben als Abteilungsleiter MSM sind sehr vielseitig und anspruchsvoll, was mir Spass bereitet. Ich schätze die vielen Kontakte mit unterschiedlichen Personen, Firmen und Organisationen. Die Tatsache, dass ich viele eigene Ideen in die Arbeit einbringen kann, wirkt auf mich motivierend.
Wie gross ist dein Team?
Das MSM-Team wurde aufgestockt (80* mehr) und ist nicht mehr nur ein Bereich, sondern eine eigene Abteilung, womit ich als Abteilungsleiter zur Geschäftsleitung gehöre und die Anliegen von MSM besser einbringen kann. Mein Team besteht aus vier schwule Männern.
Die HIV-Neuansteckungen bei schwulen Männern sind endlich etwas zurück gegangen. Trotz permanenter Aufklärung sind es aber immer noch 284 Neudiagnosen bei MSM im 2009. Was sind eure Strategien für die nächsten Jahre um diese Zahl aufs Minimum zu reduzieren?
Der erste Schritt wurde mit dem Ausbau der Abteilung MSM bei der Aids-Hilfe Schweiz getan. Unsere Strategie ist es, künftig noch präsenter zu sein in der Szene, aber auch bei den Männern, die keine schwule Identität haben und ihre sexuellen Bedürfnisse (mit andern Männern) im Versteckten ausleben. Künftig werden wir den Fokus vermehrt auf Geschlechtskrankheiten (STI) richten, weil solche das Infektionsrisiko von HIV um ein vielfaches erhöhen.
Es mir ein Anliegen, dass wir innovative, neue Wege gehen, um unsere Präventionsbotschaft unter die Männer zu bringen. Weil die Themen HIV/STI komplexer geworden sind, werden wir je nach Zielgruppe (Junge, Paare, Positive, Barbacker) unterschiedliche Botschaften kommunizieren. Die Testangebote mit integrierter Beratung sollen ausgebaut und gefördert werden, so wie das Auto jedes Jahr zum Abgastest muss, wollen wir sexuell aktive Männer regelmässig zum Testen motivieren.
Gerade lanciert die Aids-Hilfe eine neue Kampagne «Box-Stop». Worum geht’s da?
Weil 30* aller HIV-Infektionen in einer festen Partnerschaft passieren, wollen wir Paare zum HIV-Test motivieren. Solche, die schon länger keinen Test mehr gemacht haben ebenso wie Männer, die neu zusammen sind. Unsere Message ist klar: Vor ungeschütztem Sex zum HIV-Test! Wir wollen Paaren einen Anstoss geben, sich offen und ehrlich über Aussenkontakte, Safersex und die Risiken zu unterhalten. Mit einer Aktionskarte «2 für 1» lohnt es sich jetzt doppelt, zum HIV-Test zu gehen.
Du lebst selbst in einer langjährigen Beziehung. Hast Du noch einen persönlichen Tipp für alle beziehungswilligen Schwulen?
Sicher gehört eine Portion Glück dazu, doch ohne Fleiss kein Preis! Das heisst, sich immer wieder Zeit nehmen, auf den andern einlassen, die eigene Position überdenken, neu verhandeln. Nur wer mit sich selber zufrieden ist und sich liebt, kann Beziehungen eingehen. Niemand ist perfekt, weder ich, noch mein Mann. Dies muss ich akzeptieren, was ein ständiger Prozess ist. Investiert Zeit in eure Beziehung, gemeinsame Träume, Projekte und für Hobbies. Seit nicht zu oberflächlich und wählerisch, trotz finanzieller Unabhängigkeit, 1‘000 Möglichkeiten sowie den Scheinwelten an Parties und Online.
Danke für das Interview.
Box-Stop: erst checken, dann bumsen!
GAY-BOX, das neue Präventionsprogramm der Aids-Hilfe Schweiz, richtet seinen Fokus von Juni bis September 2010 auf schwule Paare. Denn trotz innig gelebten Beziehungen gibt es auch im gemeinsamen Schlafzimmer HIV-Risiken! Die Fakten dazu sprechen für sich: Die Studie «Gay Survey» hat ergeben, dass vier von zehn Befragten, welche in einer Beziehung leben, den HIV-Status ihres Partners nicht kennen. Rund ein Drittel aller HIV-Infektionen geschehen weiter in festen Partnerschaften. Deswegen wird zum BOX-STOP aufgerufen: «Erst checken, dann bumsen», so lautet das Motto! Mit einem BOX-STOP-Gutschein für zwei HIV-Tests zum Preis von einem kann sich der Partner kostenlos mittesten und beraten lassen. Die Gutscheine werden in der Gay-Szene verteilt oder Du kannst sie auf der Homepage www.gay-box.ch herunterladen.
Die Aktion BOX-STOP ist vom 1. Juni bis 30. September gültig. Ein BOX-STOP kannst Du auch in der Aids Hilfe Bern, Monbijoustrasse 32, machen. Nach telefonischer Voranmeldung: 031 390 36 36.
