Der neue GLSBe-Präsident René Stamm
An der Versammlung vom 5. Mai 2010 haben die Mitglieder des Gay & Lesbian Sports Bern (GLSBe) den Badmintonspieler René Stamm zum neuen Präsidenten gewählt. Der Verein zählt rund 180 Mitglieder und setzt sich aus 12 Sportgruppen zusammen. René Böhlen von der Berner gayAgenda ihn zum Interview getroffen.
Wann hast du absolut keine Lust auf Sport?René Stamm: Ich brauche im Alltag viel Bewegung – das ist quasi ein Grundbedürfnis von mir. Darum habe ich meistens Lust auf Sport. Im Sport kann ich mich austoben und Emotionen raus lassen.
Wieso spielst du eigentlich Badminton und nicht Tennis?
Als Jugendlicher habe ich mehrere Jahre Tennis gespielt. Als ich vor 20 Jahren nach Bern kam, fand ich den Zugang zu einem Tennisklub recht schwierig. So war ich später dann froh eine Gay-Badmintongruppe gefunden zu haben. Damit war das individuelle Suchen eines Spielpartners, eines Platzes usw. gelöst und ich fand gleichzeitig Kontakt zu weiteren schwulen Badmintonspielern.
«Ich bin 150* überzeugt, dass Sport gesund ist»
Welche Gründe sprechen für einen Beitritt in den GLSBe?
Ich bin 150* überzeugt, dass Sport nicht nur gesund ist sondern auch ein sozialer Integrationsfaktor ist. Unser Verein ist aber auch ein Ort der Geselligkeit. Und daher auch die ideale Plattform für Immigranten (auch aus der Westschweiz!), die sich auf diesem Weg aufgehoben fühlen können.
Was hast du für Erfahrungen in deiner Zeit als Sportgruppenleiter gemacht?
Ich weiss, dass viele Schwule in ihrer Schulzeit eher negative Sporterfahrungen gemacht haben und diese teilweise zu emotionalen Verletzungen geführt haben. Der GLSBe ist für Schwule und Lesben ein geschütztes Terrain. Der Verein ist eine Plattform um wieder Sport aktiv zu treiben ohne den negativen sozialen Druck aus der Vergangenheit zu spüren. Es geht nicht darum ein «Ghetto» zu schaffen. Es ist interessant zu beobachten, dass mehrere Sportlerinnen und Sportler wieder Zugang zum öffentlichen Sport finden, wenn sie wieder Vertrauen in sich selbst geschöpft haben.
Wie können interessierte Gay-SportlerInnen den Zugang zum Verein finden?
Ein Besuch auf www.glsbe.ch lohnt sich für Sportinteressierte. Dort erfahren sie die Mailadresse oder die Nummer ihrer Ansprechperson, und wann die Trainingszeiten sind. Ich empfehle ein Schnuppertraining um auszuloten, in welcher Sportart und in welcher Gruppe man sich wohl fühlt.
Welche präsidialen Entscheide wirst du von deinem Vorgänger, Markus Rudaz, übernehmen und was wirst du anpassen?
Die Sportgruppen sollen auch weiterhin viel Verantwortung wahrnehmen. Diesen Grundsatz möchte ich vom Vorgänger übernehmen. Ich habe mir zwei Vorhaben auf die Fahne geschrieben, die ich als Präsident des GLSBe umsetzen möchte. Erstens will ich die Öffentlichkeitsarbeit verstärken und damit den Bekanntheitsgrad des GLSBe erhöhen. Und zweitens will ich Beziehungen zu Pink Cross knüpfen, wo ja der Gaysport auch an Bedeutung gewonnen hat.
Kriegt der GLSBe eigentlich finanzielle Unterstützung von der öffentlichen Hand?
Nein, der Verein finanziert sich ausschliesslich mit den Mitgliederbeiträgen. Jede Sportgruppe weist ein eigenes Guthaben aus. Vielen Mitgliedern ist zu wenig bewusst, dass die Sportgruppen nur dank des GLSBe vom Sportamt auch Hallen resp. ein Schwimmbecken zugeteilt erhalten. Mich freut die sehr offene Haltung der Stadt Bern. Ohne Vereinsstatus wäre der Zugang zur Sportinfrastruktur wesentlich schwieriger und teilweise unmöglich.
Hat der GLSBe in fünf Jahren mehr oder weniger Mitglieder als heute?
… lacht. Die Mitgliederzahl wird sich hoffentlich positiv entwickeln. Es kommt drauf an, welche Politik der Verein führen wird. Weitaus bedeutender sind aber die Leiterinnen und Leiter der Sportgruppen. Sie können die Motivation der Mitglieder direkt prägen. Und beeinflussen damit auch den Zustrom zum Verein.
