Ein Jahr «Marcels Marcili»
Gleich neben dem Marzili Bad führt Marcel Winkelmann sein kleines, aber feines Restaurant mit urbaner Schweizer Küche. Andreas Eggimann von der gayAgenda hat sich mit ihm unterhalten.
Exakt heute vor einem Jahr hast du dein Bistro hier im Marzili eröffnet. Herzlichen Glückwunsch dazu! Wie bist du dazu gekommen?Marcel Winkelmann: Ich kam vor 10 Jahren, nach mehreren Jahren Aufenthalt, zurück aus Australien. Ein langjähriger Mitarbeiter und Freund hat mir dann geraten, doch wieder ein eigenes Lokal zu eröffnen. Damals war mir das aber zu viel. Ich wollte mich sozusagen erst wieder etwas anklimatisieren. So arbeitete ich in der Folge als Angestellter in diversen Gastrobetrieben. Irgendwann kam dann mein Kollege wieder zu mir und drückte mir ein Inserat von diesem Bistro hier in die Hände. Mir hat das Lokal sofort gefallen und ich war auch wieder motiviert, etwas Eigenes aufzuziehen. Die Entscheidung war auch die Richtige, wir sind gut ausgelastet und haben bereits viele Stammgäste – übrigens auch aus der Gay-Community.
Du warst dem Gastronomiegewerbe seit deiner Berufslehre als Koch treu. Wie kam es dazu?
Ich bin definitiv einschlägig vorbelastet. Bereits meine Grosseltern haben gewirtet, meine Eltern auch und ich führe die Tradition nun weiter. Ich habe nach der Schule und einem Welschlandjahr die Kochlehre und anschliessend eine Servicelehre gemacht. Mir gefällt es in der Gastronomie, ich möchte nichts anderes.
Deine Zeit als Geschäftsleiter der Marzilibrücke, unweit von hier, war ein Erfolgsgeschichte. Nach 3 Jahren hast du aber das Handtuch geworfen und bist 1995 mit Sack und Pack nach Australien ausgewandert. Wie kam es dazu?
Definitiv haben wir die Marzilibrücke auf Vordermann gebracht! Wir taten wohl wirklich im richtigen Moment das Richtige. Es war aber auch eine unglaublich anstrengende Zeit. Wir arbeiteten wie die Blöden! Ich verspürte jedoch den Drang einfach noch etwas anderes zu machen. Dann hat sich das mit Australien angeboten und weg war ich…!
Was tatest du dort?
Das was ich kann – Gastronomie! Ich kaufte mit einem Freund zusammen ein Restaurant mit Guesthouse, ungefähr 100 Kilometer entfernt von Melbourn. Es war eine tolle Zeit die mir persönlich sehr viel gebracht hat. Von der Lebensart der Australier konnte ich mir bis heute etwas bewahren. Irgendwie fühlte ich mich da unten ziemlich komplett. Heute habe ich sogar die Doppelbürgerschaft. Aber wie das Leben so spielt, haben mein Geschäftspartner und ich uns zerstritten. Irgendwann bekam ich dann vom «Du Théâtre» ein interessantes Jobangebot. So stieg ich wieder ins Flugzeug – und was dann alles passierte, habe ich ja schon erzählt.
Wo holst du dir den Ausgleich zu deinem hektischen Arbeitsalltag?
Ich geniesse die Ruhe und die Zeit zusammen mit meinem Freund. Ebenfalls hat meine Familie und meine Freunde für mich einen hohen Stellenwert. Vor ein paar Jahren habe ich zudem noch eine Kinesiologie Ausbildung gemacht. Dies tat ich rein für mich als persönliche Weiterbildung – ohne kommerzielle Interessen. Wenn ich dann Ausgehe, dann zum Beispiel ins Restaurant «Zebra» in der Länggasse oder ins «Mahamaya».
Werfen wir ein Blick in die Zukunft – was stehen für Projekte an?
Nun, wir sind natürlich permanent daran, unser Angebot zu erweitern und auch baulich das Bistro in Schwung zu halten. Beispielsweise haben wir seit einiger Zeit jeweils donnerstags eine Liveband, welche Jazzmusik spielt. Weiter werden wir im Juni 3 Mal jeweils Samstags Live-Unterhaltungsmusik haben. Dann wäre noch der Sonntagsbrunch, welcher wir nun auch seit geraumer Zeit anbieten. Hinter den Kulissen arbeite ich zudem noch an einem System um Mitarbeiter besser am Geschäftsgang zu beteiligen. Wir arbeiten also mit viel Energie daran, On- und Backstage ein Vorzeigebetrieb zu sein. Die Ideen werden mir auch in Zukunft nicht so schnell ausgehen!
