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CD Tipps Juni 2010
DJ Corey's CD-Tipps: Marc Almond, Mary Gauthier, Katie Melua, Lena, Christina Aguilera
MARC ALMOND, Varieté
(Cherry Red Records)
Einer der interessantesten und vielseitigsten schwulen Künstler zieht Bilanz über seine 30-jährige Karriere und sein bewegtes Leben. „Varieté“ ist die erste Sammlung von Eigenkompositionen seit „Open All Night“ von 1999. Ein abwechslungsreiches Programm, das Glam Rock, Folk und Music Hall angenehm umspannt. Almond geniesst es, in Nostalgie zu schwelgen und seinen wunderbaren Hang für Theatralik gekonnt auf die Spitze zu treiben. Trotz des Ernsts der Lage amüsiert „Varieté“ hervorragend. MARY GAUTHIER, The Foundling
(Proper)
Mary Gauthiers Werke waren schon immer autobiographisch. Auf „The Foundling“ fokussiert sich die lesbische Singersongwriterin auf ihre schwierigen Jugendjahre. Als Baby ausgesetzt, wuchs Mary bei einer Pflegefamilie auf, die sie mit 15 verliess. Sie konnte zwar ihre leibliche Mutter mit 45 ausfindig machen, doch diese lehnte ein gemeinsames Wiedersehen ab. „The Foundling“ verfängt sich nicht in Selbstmitleid, sondern ist ein kraftvoller Befreiungsschlag gegen die Geister der Vergangenheit. KATIE MELUA, The House
(Dramatico)
Die 26-jährige britische Sängerin mit georgischen Wurzeln hat die Zusammenarbeit mit ihrem Entdecker und Mentor Mike Batt beendet. Auf ihrem vierten Silberling „The House“ erhält sie Schützenhilfe von Guy Chambers (Hitlieferant für Robbie Williams) und William Orbit, der u. a. Madonnas wegweisendes „Ray Of Light“-Album produzierte. Orbit sei Dank, gelingt es Katie Melua, ihre Musik aus der Falle der Belanglosigkeit zu befreien. „The House“ ist ein bedeutender Schritt nach vorne in Meluas noch junger Karriere.LENA, My Cassette Player
(Universal)
Bei Redaktionsschluss stand der Gewinner des diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) noch nicht fest. Die Wettbüros prophezeiten aber einen Sieg für die deutsche Lena Meyer-Landrut, obwohl ihr falscher nordenglischer Akzent diese Hoffnung untergraben könnte. Das 18-jährige Pop-Küken, das ab sofort nur Lena heisst, konnte sich immerhin an der deutschen Vorausscheidung durchsetzen. „My Cassette Player“ ist ein entzückendes und verspieltes Soul-Pop-Album, von dem die geistlosen Figuren aus DSDS nur träumen können. Talentsucher und Produzent Stefan Raab hat wieder mal den richtigen Riecher gehabt. CHRISTINA AGUILERA, Bionic
(RCA)
Das Plattencover zeigt eine bedrohliche X-Tina, halb Mensch, halb Roboter. Zwischen Gwen Stefani und Lady Gaga. Die Verschmelzung von Mensch und Maschine nimmt auch die neue musikalische Richtung vorweg. So verbinden sich auf „Bionic“ elektronische Klangstrukturen mit organischen Elementen. Am elektronischen Teil wirken schräge Indie-Acts wie Sia, Le Tigre und Ladytron mit. Für den organischen Aspekt zeichnet sich u. a. die hitverwöhnte Linda Perry verantwortlich. Für die konservativen Fans gibt’s noch einige flotten R&B-Nummern aus dem Hause Polow Da Don und Tricky Stewart. Wirbelsturm X-Tina fegt stimmgewaltig über die ganze Platte hinweg. Eine virtuose Gesangsmaschine ist sie allemal.
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