GayIcon: Beth Dito von Gossip
Die lesbische Frontfrau Beth Dito ist nicht nur eine kraftvolle Sängerinn sonder auch eine Kämpferin für die Rechte von Lesben und Schwulen. Sie ist der Gegenentwurf zum Plastikpop des Mainstreams.
In diesem Artikel erzähle ich euch von einem berühmten Popsternchen, dass eine eigene Modekollektion herausgegeben hat, nur Chanel no.5 trägt, nackt auf dem Titelbild eines Magazins posierte und immer ziemlich stark geschminkt ist. interessiert euch nicht? Kann ich verstehen. Zweiter Versuch. Wie wäre es mit einem fetten, unrasierten Rockstar mit tätowiertem Anker auf dem Oberarm, der seine Freundin nicht mit auf Tour nehmen will? Auch nicht? Auch nicht, wenn ich euch sage, dass es sich bei beiden um die gleiche Person handelt? Dacht’ ich es mir doch! Dann mal Vorhang auf für Beth Ditto und Gossip, den Gegenentwurf zum Plastikpop des Mainstreams. Seit über zehn Jahren beschäftigt sich die Truppe aus den Staaten damit, eine Vielzahl gängiger Klischees und Ideale zu dekonstruieren. Die fast hundert Kilo schwere lesbische Frontfrau, die sich bei vielen ihrer Shows bis auf die Unterwäsche auszieht, sich gegen den Rasurzwang, Heteronormativität, Konventionalität und Normierung stellt, lacht dem Schönheitsideal des Twiggy-haften Magermodels und der Meinung, dass Fett kaschiert werden muss, frech ins Gesicht und präsentiert ihre Pfunde selbstbewusst und in von Designerhand entworfener Verpackung. Sie zelebriert Lebensfreude und Freude am eigenen Körper in Grenzüberschreitender Radikalität und ist dabei kompromisslos offen und direkt. Diese Offenheit und Individualität schlägt sich auch in der Musik und den Texten der Band nieder, die öfters auch politisch Stellung nehmen (so zum Beispiel gegen die Ablehnung der Homo-Ehe durch Präsident Bush dazumal) und zu einem grossen teil lesbischwule Themen behandeln. Das alleine ist im Musikbuisness unterdessen ja keine Seltenheit mehr, allerdings klingt Gossip’s „men in love“ um einiges glaubwürdiger als beispielsweise die scheinbar Mädchen küssende Katy Perry und ist auch frei von Effekthascherei und Rampenlichtgeilheit. Und genau diese Authentizität macht den Charme von Gossip aus. Freude an der Sache und die Einstellung, sich nicht von Idealen und Normen ausbremsen zu lassen sind der Antriebsmotor des dreiköpfigen Combos, das immerhin schon sieben Alben auf den Markt gebracht hat. Subversivität, schwer kategorisierbarer Indie-Rock und eine nicht ins Bild passen wollende Affinität für Fashion scheinen die drei Grundingredienzien des Kunstwerks Gossip zu sein. Natürlich könnte man Beth vorwerfen, sie würde sich durch ihre nähe zur Schlankheitswahnsinn produzierenden Modeindustrie und Designerwelt anbiedern. Ihr Modefummel, ihre Freundschaft zu Lagerfeld und ihre eigene Modelinie wollen auf den ersten Blick so gar nicht wirklich zur Subversivität und zum Nonkonformismus der Band passen. Allerdings zeigt gerade Beth’s Freude an Fashion, dass Mode nichts mit Hungerhaken und Stereotypie zu tun haben muss. Sie ist weder ideologisch noch anbiedernd oder Kommerz. Sie ist einfach – und das mit voller Überzeugung! Wem davon Hören und Sehen noch nicht vergangen ist und sich von schalen, eintönig-schlanken Popklonen übersättigt fühlt, soll sich doch am 16. Juli auf den Weg zum berner Hausberg machen, sich das queere Trio dort live vor Ort anschauen und sich eine grosse Portion subversiver Popkultur abholen. Viel Vergnügen!