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Alex Truffer, Regisseur: «Der Schwule wurde von der Muse geküsst»

Alex Truffer, Regisseur: «Der Schwule wurde von der  Muse geküsst»

Alex Truffer ist seit 18 Jahren Theaterregisseur in Bern. Im September wird seine Inszenierung von «Ladies Night» im Theater am Käfigturm gespielt. Der 46-Jährige spricht über seine Vorlieben zu Dramas und dass sich Gays in der Theaterwelt behaupten müssen. Er verrät auch, warum Schwule und Lesben oft mehr Ergeiz haben als Heteros.

«Ich war das kleine hässliche Entlein», sagt Alex Truffer. Als Kind ist er kleiner als seine Mitschüler, auf seinem Kopf wachsen rote Haare, seine Haut ist sehr hell und eine Brille mit dicken Gläsern ziert seine Nase. Alex fühlt sich unwohl, besonders im Sportunterricht. «Ich hatte sogar Angst vor Ballspielen», erzählt er. Doch eines Tages entdeckt er eine Leidenschaft, die sein ganzes Leben prägen wird. «Als Kind schlüpfte ich gerne in Rollen und übte vor dem Spiegel sprechen. Ich entdeckte die Lust an der Schauspielerei», sagt er. Durch das Einstudieren von Rollen setzt sich Alex mit seinen Körper und seiner Stimme auseinander und lernt so, auch mit seinen Gefühlen umzugehen. Alex löst Knopf für Knopf, bis er endlich zulässt, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt.

Alex Truffer ist ein attraktiver Mann geworden: Er strahlt Selbstvertrauen aus, seine Haare sind blond und er trägt immer noch Brille; aber mit natürlicher Selbstverständlichkeit.
Fühlen sich Schwule und Lesben von der Theaterwelt angezogen? Alex ist der Meinung, dass sich Homosexuelle, egal in welcher Branche sie arbeiten wollen, viel mehr be­haupten müssten als Heteros. «Wenn ein offen lebender Schwuler etwas erreichen will, dann muss er sich auch heute noch durchbeissen und seine Ellbogen ausfahren damit er akzeptiert wird», sagt er. Die Gays hätten viel mehr Ergeiz und würden sich so richtig ins Zeug legen. In der Kulturbranche gäbe es daher viele Schwulen und Lesben, weil man sich dort besonders engagieren müsste, um etwas zu erreichen. «Und es gibt noch ein weiterer Grund weshalb zahlreiche Schwule und Lesben im Kulturbereich anzutreffen sind», sagt Alex, holt tief Luft und ergänzt lachend: «Der Schwule wurde von der Muse geküsst.»

Alex Truffer arbeitet seit 18 Jahren als Regisseur, Theaterpädagoge und Kulturmanager in Bern. Mit seinen Theaterstücken will der 46-jährige, wie er sagt, bei den Zuschauern die Theaterlust herauskitzeln. Be­trach­tet man seine Produktionen näher, fällt auf, dass Alex nur sehr wenige Komödien inszeniert. «Ich interessiere mich vor allem für Dramas», sagt der Regisseur dazu. Sozialkritische Geschichten würden ihm besser liegen – egal ob schwul-lesbische Themen behandelt werden oder nicht. Alex erklärt weiter: «Boulevardkomödien sind für mich zu einfach gestrickt». Dennoch führt er ab dem 3. September die Komödie «Ladies Night» im Theater am Käfigturm Bern auf. «Das ist eine meiner grossen Ausnahmen», wehrt sich Alex, lacht und sagt: «Denn es ist eine schwarze Komödie.» Das Stück greife sozialkritische Themen auf, aber auf komödiantische Weise. Arbeitslose Männer beginnen aus Geldnot zu strippen und verlieren so ihre Würde. «Dieses Stück fand ich schon immer heiss.»

Als Theaterpädagoge versucht Alex seinen persönlichen Wandel an jungen Menschen weiterzugeben. Mit der sogenannten «Junge Theaterfabrik» – eine Bildungsstätte, die er zusammen mit seiner Kollegin Davina Siegenthaler gegründet hatte – will er den jungen Menschen bei der Persönlichkeitsfindung helfen. «Ich möchte 16 bis 24-jährigen das Handwerk Schauspiel näher bringen und ihnen helfen sich mit brisanten Themen auseinander zusetzen», erklärt Alex.

Um sich von seinen Projekten und der Schauspielerei zu erholen, geht Alex gerne Schwimmen, reist in ferne Länder oder gibt als Instruktor Fitnessunterricht. Da der 46-jährige sehr aktiv ist und das Theater in seinem Leben einen grossen Platz einnimmt, stellt sich die Frage, ob Alex Zeit für eine Beziehung hat. «Also, ich bin beziehungsfähig», zeigt sich der Regisseur überzeugt. Er gebe zwar zu, dass er einen gewissen Freiraum brauche, aber bis jetzt dauerten seine Beziehungen immer lange. Alex würde es daher begrüssen, wenn ein zukünftiger Partner die gleichen Interessen teile. Er muss aber nicht aus dem gleichen Branche kommen, hält der Regisseur fest und sagt pointiert: «Ich bin beziehungsfähig, aber will nicht von einer abhängig sein.»


Ladies Night im Theater am Käfigturm



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Ladies Night
3. – 18. September Käfigturm Bern
22. – 29. Oktober Turbensaal Bellach
Beginn jeweils 20.15 Uhr ausser Sonntag 17 Uhr.
Infos www.theaterprojektworb.ch
Vorverkauf www.inszene.ch


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Infos
Datum: 29.08.2010
Autor: Guy Huracek
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