Wort und Klang im ONO
Alle Buch- und Musikliebhaber-innen aufgepasst! Am 13. September steht im ONO eine literarisch-musikalische Köstlichkeit auf der Karte. Simon Froehling und Melinda Nadj Abonji laden ein zu einer delikaten Mischung aus elektronischer Violine und vorgetragenen Ausschnitten aus Simon Froehlings Erstlingsroman «Lange Nächte Tag».
Aufgetischt wird die Geschichte von Patrick, der sich, nachdem sich seine neue Liebe mit HIV infiziert hat, mehr oder weniger absichtlich mit dem Virus anstecken lässt. Damit hat sich Simon Froehling einem Thema angenommen, welches zwar schwerverdaulich, aber sehr aktuell ist, wie der Autor selber sagt: «Das Bild von HIV hat sich in den letzten 20 Jahren für sehr viele in eine bedenkliche Richtung entwickelt. Das Virus ist zu einer unsichtbaren, chronischen Krankheit geworden.» Mit seinem Roman trägt Simon dazu bei, diese unsichtbare Krankheit auf teilweise schockierend deutliche und gleichzeitig sehr ansprechende Art sichtbar zu machen und sichtbar zu erhalten. In schnörkelloser Sprache gelingt es ihm, die Leserschaft durch Patricks an filigran ausgearbeiteten Bildern reiche Geschichte dem rasanten und bestürzenden Ende entgegenzuführen. Nebst der HIV-Thematik – oder gerade durch sie – bleibt «Lange Nächte Tag» aber «eine Liebesgeschichte». «Der Untertitel ist durchaus ernst zu nehmen. Auch wenn viele sich daran stossen», meint Simon Froehling dazu. Und wirklich bilden Liebe und Krankheit in dem Roman eine gefährliche Allianz, die das Buch bis zum Schluss dominiert. Je länger der Tag andauerte, desto mehr kam er mir vor wie aus der Zeit gehoben und eingepackt als Geschenk mit einer grossen roten Schleife. So beschreibt Patrick einen der ersten Ausflüge mit Jirka, der sich zu diesem Zeitpunkt schon infiziert hat. Nebst der Behandlung der scheinbaren Gegensätze Liebe und Tod gelingt es dem Autor aber, eine riesige Vielfalt an Themen in dem knapp 200 Seiten kurzen Buch unterzubringen. Verlustangst, Vergangenheitsbewältigung, Familienproblematik, die Frage nach Realität und die Suche nach Fixpunkten, nach Verlässlichkeit in einer sehr oberflächlichen, pubertierenden und egozentrischen Szene sind Themen, die in «Lange Nächte Tag» untergebracht sind.Begleitet wird Simon bei seiner Lesung am 13. September im ONO von Melinda Nadj Abonji – wovon begleitet eigentlich der falsche Ausdruck ist. Die Kombination von Violine und gesprochenem Text lässt etwas Neues entstehen, erklärt mir Simon. «Durch das Zusammenspiel von Musik und Text entstehen neue Assoziationsräume.» Dabei tragen der ohnehin schon fragmentarische Aufbau des Buches und die Vielseitigkeit des Saiteninstrumentes dazu bei, der Veranstaltung Atmosphäre zu verleihen und das Vorgetragene als Ganzes wirken zu lassen. Wer sich also Simon Froehlings unkonventionelle Liebesgeschichte und Melinda Nadj Abonjis unkonventionelles Violinenspiel zu Gemüte führen möchte, sollte sich bald über www.onobern.ch einen der 80 freien Plätze sichern. Viel Vergnügen.
