CD-Tipp September 2010
DJ Corey's CD-Tipps: Ali Love, Kim Wilde, Katy Perry, Hurts, The Like, The Pipettes
ALI LOVE, Love Harder
(Backyard Recordings)

In der hippen Londoner Musikszene ist der 28-jährige Alexander McLovan vor allem unter seinem Pseudonym DJ Ali Love bestens bekannt. Nicht zuletzt seit seiner Kollaboration mit „The Chemical Brothers“, für welche er den Hit „Do It Again“ einsang, liebäugelt Ali mit einer Karriere als Popmusiker. Auf seinem zweiten Album „Love Harder“ präsentiert er eine originelle Songkollektion zwischen 80er-Jahre-Soul, Italo-Disco, House und Electro-Pop. Dafür würde ein gewisser kleiner Mann aus Minneapolis seinen rechten Arm geben.
HURTS, Happiness
(RCA)

Das aus Manchester stammende Duo um Sänger Theo Hutchcraft und Keyboarder und Gitarrist Adam Anderson gilt bereits seit Monaten als eine der grössten Pop-Hoffnungen des Jahres. In ihren Videos und Promo-Fotos folgen Hurts einer unterkühlten Schwarz-Weiss-Ästhetik, die einem Anton Corbijn-Film entsprungen zu sein scheint. Ihren melodramatischen Synthie-Pop haben die modebewussten Burschen indessen bei Ultravox, Tears For Fears, New Order und Depeche Mode clever abgeguckt. So kongenial wurden die frühen 80er-Jahre noch nicht umgesetzt. Hier kann die Kopie (fast) das Original erreichen.
KIM WILDE, Come Out And Play
(Sony)

Ein 100*iger Originalstar der legendären 80er-Jahre will es wieder wild treiben. Zwischen 1981 und 1988 lieferte die mittlerweile 50-jährige Kim Wilde Hits am Fliessband ab. Danach führte sie ein glückliches Familienleben und schien in der Gartenarbeit ihren Ausgleich zu finden, bis Produzent Uwe Fahrenkrog-Petersen, der Songwriter von Nena, ihr vorschlug, das Comeback-Album „Never Say Never“ (2006) aufzunehmen. 2010 ist der britischen Sängerin der Spass an der Popmusik nicht vergangen. Auf „Come Out And Play“ regieren starke Hooks, harte Riffs und grosse Refrains. Nur ausnahmsweise softe Melodien. Typisch Kim Wilde.
KATY PERRY, Teenage Dream
(Capitol)

Merkwürdig, aber wahr. Zuerst wollte die amerikanische Pastorentochter mit christlicher Musik Erfolg machen. Zum Glück wollte das niemand hören. Denn erst seitdem Katy Perry den weltlichen Freuden wie gleichgeschlechtlichen Knutschereien huldigt, ist ihre Karriere richtig in Fahrt gekommen. Mit „Teenage Dream“, dem Nachfolger zum Megaseller „One Of The Boys“, ist dem einst frommen Pin-up-Girl, das sich am liebsten in rosa Zuckerwatte räkelt, ein knallbuntes Pop-Bonbon gelungen. Aber die freizügigen Songtexte dürften bei gewissen Sittenwächtern die Alarmglocken läuten lassen.
THE LIKE, Release Me
(Downtown)
THE PIPETTES, Earth Vs. The Pipettes
(Fortuna Pop)

Girlgroups a Go-Go. Noch vor vier Jahren waren The Like ein Trio aus Los Angeles, das wilden Garage-Rock spielte. Heute sind sie auf ein Quartett erweitert und machen neu unwiderstehlichen 60’s Pop. „Release Me“ trägt den unverwechselbaren Stempel vom Produzenten Mark Ronson, seit jeher ein Liebhaber der analogen Aufnahmetechnik. Die Britinnen von The Pipettes sind innert vier Jahren vom Trio zum Duo geschrumpft. Vom Original-Line-up ist niemand mehr dabei. Die gepunkteten Petticoats und der typische Girlbandsound aus der Frühphase des Rock’n’Roll sind ebenfalls verschwunden. Neu haben The Pipettes nur die New Wave der 80er-Jahre im Kopf. Und das ist auch gut so.