CD-Tipp Oktober 2010
DJ Corey's CD-Tipps: Liza Minelli, Antony & The Johnsons, Natacha Atlas, Mavis Staples, John Legend & The Roots, KT Tunstal
LIZA MINNELLI, Confessions
(Decca)
Der letzte Vorhang für Liza Minnelli, eine der letzten wahren Grössen im Showgeschäft, ist noch lange nicht gefallen. Auf Rat ihrer besten Freunde interpretiert die Broadway-Königin zum ersten Mal amerikanische Songklassiker genau gleich wie an ihren beliebten Hauskonzerten. Das heisst einfach nur mit Stimme und Klavier. Auf „Confessions“ gelingt es der Entertainerin und ihrem treuen Pianomann Billy Stritch, bei jedem Song die Magie des Moments einzufangen. Trotz ihrem Hang zur Show und Übertreibung vermag die Diva diesmal auch ohne Schnickschnack und Schmalz zu überzeugen. ANTONY AND THE JOHNSONS, Swanlights
(Secretly Canadian)
Auf dem Durchbruchsalbum „I Am A Bird Now“ setzte sich Antony Hegarty mit seiner maskulinen und femininen Seite auseinander. Auf dem Nachfolger „The Crying Light“ klammerte er die Transgender-Problematik kurz aus, um sich mit seiner Beziehung zu Mutter Natur zu befassen. Für das neue Werk „Swanlights“ schlüpft der unglaubliche Sänger in die Rolle des Schwans. Eine ambivalente Figur, die schon in der Mythologie ein Symbol für Anmut und Schönheit, aber auch für Tod und Veränderung war. Antonys vibrierende Tenorstimme dringt nach wie vor in eine verträumt melancholische Welt ein und besänftigt alle verletzten Seelen. Der Herbst darf kommen. NATACHA ATLAS, Mounqaliba
(World Village / Harmonia Mundi)
Seit über einer Dekade pflegt Natacha Atlas, ehemals Sängerin bei Transglobal Underground, eine faszinierende Fusion aus elektronischen Beats und arabischer Musik zu praktizieren. Auf ihrem neunten Soloalbum „Mounqaliba“ bringt sie die musikalische Tradition des Orients und westliche Pop-Jazz-Elemente unter einen Hut. Zusammen mit dem Jazz-Pianisten Zoe Rahman, einem 20-köpfigen türkischen Ensemble und einem Kammerorchester kreiert das polyglotte Gesangswunder einen feinen akustischen und organischen Sound. Herausragend sind Natachas Interpretationen von Nick Drakes „Riverman“ und Françoise Hardys „La Nuit Est Sur La Ville“. MAVIS STAPLES, You Are Not Alone
(ANTI)JOHN LEGEND & ROOTS, Wake Up
(Columbia)
Schon früh entdeckte Mavis Staples ihr soziales Gewissen und engagierte sich für Bürgerrechte und Gleichberechtigung für alle Afroamerikaner. Als Leadsängerin ihrer Familiengruppe The Staple Singers beteiligte sie sich an Black-Pride-Hymnen wie „Respect Yourself“ (1971) oder „I’ll Take You There“ (1972). Auf „You Are Not Alone“ renoviert die 71-Jährige mit gefühlvoller Contralto-Stimme ihre Botschaft für soziale Gerechtigkeit. Auch eine neue Generation afroamerikanischer Musiker glaubt heute noch an die Kraft der Protest- und Bürgerrechtssongs. Auf „Wake Up“ zollen der grandiose Sänger John Legend und die Hip-Hop-Band The Roots der sozialbewussten Soulmusik der 60er- und 70er-Jahre Tribut. Damit schaffen sie ein musikalisches Manifest für eine gerechtere Welt. Yes, We Can.
KT TUNSTALL, Tiger
Suit (Relentless / Virgin)
Auf dem Cover ihrer Debüt-CD „Eye To The Telescope“ (2005) trug KT Tunstall Hosenträger in den Regenbogenfarben und dank dem Megahit „Black Horse & The Cherry Tree“ mauserte sie sich schnell zur Lesbenikone. Inzwischen ist die schottische Singersongwriterin mit einem Mann verheiratet, hat aber immer noch ein grosses Herz für ihre schwullesbischen Fans. Ihr drittes Album „Tiger Suit“ wurde mit Produzenten Jim Abiss in den historischen Hansa Studios in Berlin aufgenommen. KT erneuert ihre musikalische Garderobe, indem sie die üblichen akustischen Gitarren und den typischen Ruf-und-Antwort-Gesang clever mit Synthesizern kombiniert. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn der neue Klangmantel steht ihr wirklich hervorragend. 