Kunst oder Porno?
Das lesbisch-schwule Filmfestival Queersicht stellt dieses Jahr unter anderem Filme wie «Too Much Pussy» oder «L.A. Zombie» vor. Es sind Werke, die nahe an der Grenze zur Pornografie entlang gehen. Ist es nicht etwas gewagt, Filme mit solchen Inhalten an einem Festival zu zeigen? Diskutiere mit!
Das Filmfestival Queersicht präsentiert dieses Jahr viel nackte Haut. Neben den Themenschwerpunkten China und Argentinien zeigt das Queersicht unter «abARTig», Filme mit erotischem Inhalt. Unter anderem die Filme «Too Much Pussy» und «L.A. Zombie»Einer der Programmverantwortlichen für die Reihe abARTig des Festivals und OK-Mitglied, Frank Schubert, erklärt die Auswahl der beiden Filme folgendermassen: «Wir wollten den Aspekt, Erotik im Film, in die Diskussion bringen.» Der Film «L.A. Zombie» von Bruce LaBruce ist bereits am Filmfestival Locarno gezeigt worden und sei beim Publikum gut angekommen. «Die Filme sind absolut Festival tauglich», ergänzt Schubert. Er habe daher keine Bedenken, dass irgendwelche Personen oder Organisationen gegen die Filmvorführungen protestieren werden.
Ganz unproblematisch ist das neuste Werk von Bruce LaBruce jedoch nicht. Beispielsweise haben australische Zensoren eine Aufführung in Melbourne verhindert. Der Film erzählt die Geschichte eines ausserirdischen Zombies, gespielt vom französischen Gay-Pornostar François Sagat, der durch die Strassen von Los Angeles zieht und den Toten zu neuem Leben verhilft. Und zwar durch Sex.
Um den «Documentary-Road-Movie» Too Much Pussy zu verstehen, braucht man nicht Filmwissenschaften studiert zu haben. Es geht um Vaginas, noch mehr Vaginas, Sex auf der Bühne und Masturbation im Auto. Auf die Frage, ob das Filmfestival nur provozieren will, antwortet Schubert: «Wir zeigen ja nicht nur Filme mit erotischem Inhalt am Queersicht.» Zudem gäbe es im Rahmen des Schwerpunktes abARTig eine Podiumsdiskussion, die Gelegenheit zur Einordnung bietet. Am Samstag, den 13.11., will das Queersicht unter anderem mit einem Sexualwissenschaftler und einem Filmwissenschaftler über die Bedeutung der Pornografie im Film diskutieren. Die Referenten wollen Fragen auf den Grund gehen wie zum Beispiel: Wo beginnt die Erotik? Wann ist es ein Porno? Wie wird Sex in Filmen dargestellt?
Doch Pornofilme polarisieren. Einerseits erfreuen sich zahlreiche Männer, auf der anderen Seite erhitzt es feministische Gemüter. «Lange Zeit wurde die Pornografie durchgehend von lesbischen und feministischen Anhängerinnen und Anhängern abgelehnt; verständlicherweise wegen unwürdigen Arbeitsbedingungen und der Stellung der Frau», erklärt Schubert, der auch Soziologe ist. «Doch es zeigen sich jetzt immer mehr Strömungen von Filmemacherinnen und Filmemachern, die für vernünftige Arbeitsbedingungen der Darstellerinnen und Darsteller werben, aber auch künstlerische Ansprüche an ihren Filme haben. Das ist nicht einfach plumpe Pornografie».
Wer es dennoch lieber plump mag, der sollte die «Porno-Karaoke» nicht verpassen. Anstatt Lieder zu singen, können Festivalbesucher das Gestöhne in Pornofilmen imitieren. Schubert hält fest: «Selbstverständlich, dürfen Jugendliche unter 18 Jahren am Queersicht nicht ins Mikrofon stöhnen. Auch die beiden Filme, ‹L.A. Zombies› und ‹Too Much Pussy›, sind nur für Erwachsene.»
Trailer «L.A. Zombies»
Trailer «Too Much Pussy»
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