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Gesundheit

Geschäftsleiterin Aids Hilfe Bern im InterviewGeschäftsleiterin Aids Hilfe Bern im Interview

Die Aids Hilfe Bern wurde am 1. Dezember 1985 gegründet. Das heisst ein Viertel­jahr­hundert in Fragen zu Sexualität, HIV und weiteren sexuell übertragbaren Infektionen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die letzten 15 Jahre stand die Fachstelle an der Monbijoustrasse in Bern unter der Leitung von Béatrice Aebersold. Im Interview mit René Böhlen blickt sie zurück.

Seit 15 Jahren leiten Sie die Aids Hilfe Bern – warum würden Sie sich heute immer noch für diese Funktion bewerben?
Béatrice Aebersold: Ich kann sagen, dass mein Job ausserordentlich spannend und sehr vielfältig ist und mir gut gefällt. Es ist interessant im Gesundheitsbereich in einer Thematik zu arbeiten, die sich so verändert hat in den letzten 25 Jahren und damit verbunden auch immer wieder neue Herausforderungen anzunehmen und darauf Antworten zu finden. Ebenfalls faszinierend finde ich es, mit einer so grossen Vielfalt von Menschen zu tun zu haben.

Was gab es für besonders einschneidende Erfahrungen als Chefin der Aids Hilfe Bern?
Einschneidend war sicher, dass ich zu Beginn als Frau in einer Führungsrolle nicht ernst genommen wurde. Zu den positiven Erfahrungen gehört ganz eindeutig, das Ende des grossen Sterbens an den Folgen von Aids durch die Entdeckung und breite Anwendung der Antiretroviralen Therapien (ART). Schwieriger war hingegen den erneuten und zum Teil dramatischen Anstieg von neu festgestellten HIV-Infektionen ab 2000 bis 2008 zu realisieren, und hier mit nicht nachlassendem Engagement und neuen Angeboten, die Leute für das Thema zu sensibilisieren, die eigene Gesundheit wichtig und ernst zu nehmen.

Welche Rahmenbedingung hat Ihre Arbeit in den letzten 5 Jahren erleichtert?
Da muss ich nicht lange überlegen – es ist mein ausserordentlich qualifiziertes und sich gut ergänzendes Team, das seit einigen Jahren in unveränderter Zusammensetzung qualitativ hochstehende Dienst­leis­tung­en anbietet, die sich an den Bedürf­nissen der Kundschaft orientieren.

Wie viele Klientinnen und Klienten betreuen Sie zurzeit?
Bei uns sind ca. 500 Personen registriert, aktuell beraten und unterstützen wir 129 Klientinnen und Klienten, wovon 41 in diesem Jahr zum ersten Mal unsere Dienstleistungen beansprucht haben. Die Fragestellungen an uns sind ganz unterschiedlich, sie gehen von der Verarbeitung der Diagnosemitteilung bis zur Begleitung von langjährigen Klientinnen und Klienten mit vielfältigen Problemen.

Stimmt mein Eindruck, dass die Aids Hilfe Bern in der schwulen Szene nicht mehr so präsent ist, respektive, dass die direkte Ansprache der Schwulen nicht mehr so im Fokus der Aids Hilfe Bern ist?
Nein, dieser Eindruck stimmt so nicht. Wir konnten im Gegenteil die Stelle des Mitarbeiters, der für die Arbeit in der schwulen Szene zuständig ist, in den letzten Jahren leicht erhöhen. Unterstützt von der Aids-Hilfe Schweiz gibt es auch immer wieder neue Projekte und Angebote, mit denen wir in der Szene präsent sind, so zum Beispiel aktuell mit «BOX-STOP». Seit 2007 haben wir auch ein Beratungs- und Testangebot speziell für schwule Männer, welches wir in der Szene bewerben und mit welchem wir auch schon vor Ort präsent waren.
Dass der Eindruck entsteht, hat wohl vielmehr damit zu tun, dass das Thema von der Community selbst nicht mehr getragen wird, wie das früher vielmehr der Fall war. Dies obwohl zum Beispiel die im letzten Jahr neu festgestellten HIV-Infektionen im Kanton Bern zu knapp 40* MSM (Redaktion: Männer, die Sex mit Männern haben) betrafen.

Wie beurteilen Sie die Wirkung der Beratung und Unterstützung von HIV+ Menschen der Schweiz im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern?
Das kann ich so nicht beurteilen. Trotzdem hierzu ein paar Fakten. Die Aids Hilfe hier in Bern weist eine solide, finanzielle Grundlage, basierend auf einem Leistungsvertrag mit der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern auf. Die Zu­frieden­heit unserer Klienten wurde 2008 gemessen. Die Auswertung ergab einen Zufriedenheitswert mit der Beratung von 5.7 (Note 1 - 6) und im Durchschnitt ging es den Menschen mit HIV um 2 Noten besser als vor der Beratung (von 3.3 vor der Beratung auf 5.3 nach der Beratung). Der Wissenszuwachs wurde mit 5.3 benotet. Alle Befragten würden die Aids Hilfe Bern weiter empfehlen. Dieses Ergebnis zeigt sicher auf, dass unser Angebot eine gute Wirkung erzielt.

Herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!
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Infos
Datum: 28.11.2010
Rubrik: Gesundheit
Autor: René Böhlen
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