PinkCops – Vereinigung homosexueller Polizisten und Polizistinnen
Es gibt Schwule und Lesben die bei der Polizei arbeiten. Sie haben sich im Verein PinkCops zusammengetan. Der Verein dient vor allem als Netzwerk, aber auch um im Polizeikorps Aufklärung zu betreiben über Homosexualität und Homophobie.
Während in gewissen Dienstleistungssektoren homosexuelle Männer überproportional vertreten sind, gibt es andere, in welchen sie immer noch eine Minorität – oder gar ein Mythos darstellen. Ein schwuler Feuerwehrmann, ein hochrangiger Armeeoffizier oder ein Polizist passt zwar durchaus in gewisse zweideutige Fantasien – jedoch irgendwie nicht in die reale Welt. Gerade letzterer repräsentiert in seiner Uniform eine gewisse Autorität, Dominanz und Gesetz. Attribute, welche im vielseitigen, teils physisch und psychisch harten Polizeialltag auch unabdingbar sind. Sicher aber bei der Berufswahl des ansonsten eher kreativen, individuellen schwulen Gros tendenziell durchfällt.Nichts desto trotz, lassen sich auf zahlreichen Wachen homosexuelle Polizistinnen und Polizisten finden. Insbesondere im Gay-Ballungszentrum Zürich. Daher ist auch nicht erstaunlich, dass hier der Verein «PinkCop» seinen Ursprung hatte. Anno 2007 war es, als sich ein kleines Grüppchen schwuler Polizisten zum regelmässigen Feierbendbier trafen. Im Zuge der wachsenden Teilnehmer kam bald die Idee, einen Verein zu gründen. Gesagt, getan trafen sich im Februar 2008 einundzwanzig Männer und Frauen zur Gründungsversammlung und lösten damit ein Welle öffentliches Interesse aus. Das Personalmagazin der Stadtpolizei Zürich, nationale Polizeizeitschriften und gar Zeitungen wie «20minuten» und das Migros-Magazin berichteten über den neuen Verein und zerrten die überrumpelte Vereinsleitung schlagartig an die Öffentlichkeit.
Ein Outing, für welches diese polizeiintern nicht nur Lorbeeren kassierten. Buchstäblich ein Segen war daher für den neuen Verein, dass sich die Corpsleitung der Stadtpolizei Zürich kompromisslos hinter diese stellten und ihre Unterstützung vollumfänglich zusicherte. Die grosse Publicity hatte im Weiteren den positiven Effekt, dass der Verein innert kürzester Zeit um das 5fache wuchs und sich Polizistinnen und Polizisten von Genf über Basel bis nach Uri anschlossen.
Liest man die Statuten, soll der Verein unter den Polizeiangehörigen vor allem ein Netzwerk schaffen und nationale und internationale Kontakte zu schwulen Polizisten fördern. Sekundär will der Verein innerhalb der Kommandos aktiv werden und mittels Workshops angehende Polizisten zum Thema Homosexualität und Homophobie sensibilisieren. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Gewaltdelikte an- und unter Schwulen selten zur Anzeige gebracht werden. Die Hemmschwelle ist gross, detaillierte Intimitäten gegenüber einem Klischeebehafteten Polizisten zu protokollieren. Selbst ein Portemonnaiediebstahl aus einem Darkroom zu melden, kann befremdlich sein, wenn das englische Wort für den Schalterbeamten noch befremdlicher ist. Hier liegt letztendlich auch der Nutzen für die jeweiligen Polizeikorps: Geschulte, sensibilisierte und informierte Polizeiangehörige können auch in heiklerem Umfeld professionell agieren und tragen so auch wiederum zur Qualität der Polizeiarbeit bei. Eine Win-Win-Situation die sich für alle rechnet. Diese Botschaft will der Verein «PinkCop» künftig In- un Extern kommunizieren und Schwule und Lesben motivieren, Delikte, insbesondere auch homophobe Gewalt, konsequent anzuzeigen.
Bleibt noch der Blick nach Bern. Überraschend stellt man fest, dass eines der grössten Polizeikorps der Schweiz nur wenige Vereinsmitglieder stellt. Ob die Untervertretung tatsächlich mit weniger Lesben und Schwulen begründet ist – oder viel mehr mit dem nichtvorhandenen Bedürfnis sich zu exponieren – sei dahingestellt. Fakt ist, dass die Kantonspolizei Bern vergleichsweise keine konservative Personalpolitik verfolgt. Mit ihrem Leitsatz, «Im Zentrum unseres Handelns steht der Mensch», verpflichtet sie sich insbesondere auch Innerbetrieblich. Bleibt also abzuwarten, dass sich auch aus Bern noch mehr Polizeiangehörige dem Verein anschliessen.
