Clausette La Trine - die Dragqueen von Bern
Clausette La Trine kam aus dem Wallis nach Bern und wurde in der Hauptstadt zur begehrten Dragqueen. Marco Arn hat Achim Steffen besucht, der als schrille Dragqueen das Berner Nachtleben bereichert.
Sie ist selten in stilvolle Kleidern unterwegs. Sie läuft eigentlich immer in billigen Stöckelschuhen rum. Sie moderiert Veranstaltungen, performt auf Bühnen oder ist als Partygast unterwegs. Sie ist schräg, schrill und gross. Zusammengefasst: Sie fällt auf! Ihre Auftritte sind aufwändig und pompös. Wenn sie singt, dann verzieht sie Ihren Mund und die Lippen. Man befürchtet, dass ihr dabei der Unterkiefer aushängt. Wahrscheinlich kennen wir sie alle, oder doch nicht? Die Rede ist von Causette La Trine, geborene Pissoir, geschiedene Locuse. So stellt sie sich jedenfalls auf Facebook vor. Doch wer steckt hinter dieser farbigen Fassade?
Eigentlich das pure Gegenteil der schrillen Dragqueen: Es ist Achim Steffen. Ein schlanker, grosser Mann, anfangs Dreissig. Er sitzt mir im Anzug und mit Krawatte gegenüber. Sein Dialekt verrät seine Walliser Wurzeln. Wir trinken Prosecco und unterhalten uns. Er erzählt mir frisch von der Leber weg. Zuerst über seinen Job bei der Erziehungsdirektion, dann kommen wir seiner grossen Leidenschaft eine Dragqueen zu sein. Er habe als Jugendlicher den Film Priscilla - Queen of the Desert gesehen. Das habe ihm damals so sehr gefallen, dass er im Alter von siebzehn Jahren seinen ersten Auftritt hatte. Seither hat er seinen Look laufend verbessert. Er erklärt sogleich, mit welchem Leim man am besten Wimpern anklebt und dass er keine normale Frauen-Schminke verwende. Für eine Dragqueen seien diese Farben viel zu dezent. Und die Kleider? Die kommen unter anderem von seiner Schwester und der Mutter. Aber beim ersten Auftritt besorgte ihm noch ein Kollege das Kleid. „Zu diesem Zeitpunkt war ich auch noch gar nicht geoutet“, erzählt er. Erst während einer Abschlussreise nach dem Gymnasium klärte er seine Kollegen auf. Doch im Wallis gab es für ihn nicht das, was er suchte. Er wollte in die Stadt. So zog er nach der Rekrutenschule nach Bern. Hier fand er rasch Anschluss an die Gayszene. Er war Mitglied der schwulen Jugendgruppe und übernahm mit Freunden die Partyreihe „Nextmotion“ im Anderland. Das war aber erst der Anfang! Seither hat er die Berner Partyszene immer wieder aktiv mitgestaltet. Als Clausette La Trine war er bei Le Coq dabei, trat regelmässig beim alljährlichen Sommer-Tolerdance auf und moderierte Anlässe wie kürzlich die Antistadt vor der der Reithalle. „Was denken eigentlich Deine Eltern über Dich?“, frage ich Achim. Seine Mutter habe schon gefragt, ob er den nicht ausgelacht werde, aber es sei eigentlich kein Problem. Und wie es mit der Liebe steht, frage ich. Man sieht ihm die Antwort gleich an: Die Augen beginnen zu leuchten. Er geniesse eine junge Beziehung. Beide seien in der Szene stark engagiert. Sein Freund habe aber kein Problem damit, dass er als Dragqueen unterwegs sei. Das sei jedoch nicht selbstverständlich, denn an Partys habe er eigentlich kaum Zeit, um sich um seinen Partner zu kümmern. Und Clausette La Trine könne eine echte Herausforderung sein. Denn wenn die Dame in den Ausgang geht, kenne sie nichts!
