Transgender Network Switzerland
Der Verein Transgender Network Switzerland, kurz TGNS, ist die 2010 gegründete schweizweite Lobbyorganisation von und für Trans*Menschen. Wir haben uns mit dem Gründungsmitglied Alex unterhalten.
Trans* steht für transgender, transsexuell, transident – und alle andern, die sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde, nicht identifizieren können. so stellt sich das neue Transgender-Netzwerk der Schweiz auf seiner Homepage www.transgender-network.ch vor. Seit letztem September ist das Netzwerk aktiv und ist seither fleissig damit beschäftigt, sich weiterzuvernetzen, längst überfällige Probleme anzugehen und bitter nötige Unterstützung zu leisten. Alex, Gründungsmitglied und Leiter der Arbeitsgruppe Community, gibt uns einen Einblick in die Geschichte und Zukunft des ambitionierten Vereins.
Alex, du bist Gründungsmitglied des Transgender-Netzwerks Schweiz. Wie kam es zur Gründung dieser Gruppe?Nun, um von der Gründung des Netzwerkes zu erzählen muss ich vielleicht erst ein wenig von mir erzählen. Als ich den Entschluss gefasst hatte, eine Geschlechtsanpassung vornehmen zu lassen und Hormone zu nehmen, hatte ich das Bedürfnis, mich mit anderen Trans*leuten auszutauschen. Ich habe dann Alecs Recher kennen gelernt. Für mich war es immer ein Bedürfnis, auch auf politischer Ebene etwas für Transleute zu unternehmen; nicht zuletzt, weil unser Gesetz immer noch vorschreibt, dass man sich zwangssterilisieren lassen muss, wenn man hierzulande eine Personenstandsänderung vornehmen lassen will. Ich habe dann mit Alecs über mein Anliegen gesprochen, und er hat mir erzählt, dass er sowieso vorhabe, ein schweizweites Trans*netzwerk zu gründen, um genau solche Angelegenheiten anzugehen. So ist es dann zur Gründung des Netzwerks gekommen.
Wie sehen denn die konkreten Ziele eures Netzwerkes aus?
Die Grundidee ist, das Thema Trans* an die Öffentlichkeit zu bringen, Leute – sowohl Trans*menschen wie auch Fachpersonen – zu informieren, die juristische wie medizinische Situation zu verbessern und es so einfacher zu machen, den Weg zur Geschlechtsanpassung zu beschreiten. Zudem möchten wir schweizweit Beratungsstellen für Trans*menschen eröffnen. Trans zu sein ist für die meisten Menschen im ersten Moment eine ziemliche Überforderung; nicht zuletzt, weil die jeweiligen Fachpersonen selber überfordert und schlicht uninformiert und häufig leider auch inkompetent sind. Es gibt durchaus Möglichkeiten, den Weg zur Geschlechtsanpassung, sei es auf medizinischer oder sei es auf juristischer Ebene, weniger mühsam zu gestalten; man muss aber wissen wie und an wen man sich wenden muss. Hier kommen wir ins Spiel. Pfuschende Ärzte, Diskriminierungen und menschenrechtsfeindliche Bestimmungen sind leider Realität. Dagegen kann aber etwas unternommen werden.
Wie sieht die Organisation des Netzwerkes aus?
Das Netzwerk ist an sich in verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt. Eine Gruppe befasst sich zum Beispiel vornehmlich mit Fragen, die die medizinische Praxis betreffen. Eine andere befasst sich mit der ganzen juristischen Seite. Wiederum eine andere Gruppe befasst sich mit Öffentlichkeitsarbeit, das heisst um Medien, Demonstrationen oder öffentliche Aktionen. Last but not least gibt es die Gruppe Communiy, deren Leiter ich bin und die sich unter anderem um die Vernetzung mit anderen Gruppen, die ähnliche Interessen verfolgen, kümmert. Man setzt sich dann innerhalb der Gruppe regelmässig zusammen und bespricht, was es zu tun gibt. Ungefähr viermal im Jahr trifft sich dann das ganze Netzwerk und tauscht sich aus.
Neben euch gibt es ja noch weitere Trans*gruppen. Was war für euch die Motivation, einen eigenen Verein aufzubauen?
Das stimmt, es gibt durchaus verschiedene andere Trans*gruppen. Diese sind aber meist regional aufgebaut, funktionieren eher stammtischartig und sind häufig auch nach Trans*männern und Trans*frauen aufgeteilt. Unsere Idee war es, ein gesamtschweizerisches Netzwerk zu bieten, das national und künftig hoffentlich auch vermehrt international für Vernetzung sorgt. So waren wir beispielsweise an der letztjährigen Konferenz von Transgender Europe und konnten dort wertvolle Kontakte schliessen.
Wie kann man euch erreichen und unterstützen?
Am besten über unsere Webpage. Wir freuen uns natürlich über Mithilfe, sei diese finanziell oder auch durch direkte Beteiligung an unseren Sitzungen und Aktionen.
