Europa in Düsseldorf – 56. Eurovision Song Contest
Nicht viel Neues am 56. Eurovision Song Contest, was Platz für die eine oder andere Überraschung bieten könnte. Wir stellen euch ein paar Höhe- und Tiefpunkte der diesjährigen Beiträge vor.
Es ist interessant zu sehen, dass bisher keine Nation ein Erfolgsrezept für den Contest gefunden hat. Es gibt wohl auch keines. 43 Startnationen suchen es dieses Mal, neu auch Italien und San Marino. Es wird wild gemischt, von vergangenen Erfolgen kopiert und von Jahr zu Jahr alles über den Haufen geworfen. Hier eine völlig subjektive Auswahl der diesjährigen Acts:
Anna Rossinelli (Schweiz), Eric Saade (Schweden), Paradise Oskar (Finnland)
Das einzige Ziel der Schweizer Verantwortlichen scheint es zu sein, endlich mal genug gut abzuschneiden, um im nächsten Jahr direkt im Final zu landen. Einmal mehr wird eine Kopie eines bisherigen Gewinners hingeschickt (mir fallen spontan mehrere vergangene Acts ein). Das Lied von Anna Rossinelli ist zwar schön, in der DRS3-Vorausscheidung hatte es aber genauso erfolgversprechende Acts. Immerhin ist der Song der mit Abstand ESC-tauglichste von uns seit Jahren.
Nach dem schlechten Abschneiden der Ballade letztes Jahr gibts nun wieder eine Upbeat-Nummer aus Schweden. Das Milchgesicht Eric Saade reitet auf der Teeniestar-Welle à la Justin Bieber, wird aber ersaufen, weil der Song einfach grottenschlecht ist.
Finnlands diesjähriger Interpret Oskar ist süsse 20, sieht aber eher aus wie frisch von der Schule. Er spielt ein Lied auf seiner Gitarre und singt, gar nicht mal so schlecht, und wirkt ein bisschen wie der Sohn der dereinst erfolgreichen dänischen Olsen Brothers.
Es ist interessant zu sehen, dass bisher keine Nation ein Erfolgsrezept für den Contest gefunden hat. Es gibt wohl auch keines. 43 Startnationen suchen es dieses Mal, neu auch Italien und San Marino. Es wird wild gemischt, von vergangenen Erfolgen kopiert und von Jahr zu Jahr alles über den Haufen geworfen. Hier eine völlig subjektive Auswahl der diesjährigen Acts:
Jedward (Irland), Blue (England)
Elton Johns Zöglinge “Blue” geben ein Comeback mit einem mittelmässigen Popsong. Ihre Karriere ist bekanntlich vor Jahren zu Ende gegangen. Jetzt haben sie sich sogar für das britische Gay-Magazin Attitude ausgezogen. So eroffen sie sie wenigsten Stimme der Schwulen zu erhalten. Boybands in dieser Form sind aber nun mal passé, angezogen oder nackt. Das Vereinigte Königreich sollte sich ernsthaft über seine Gewinnchancen am ESC Gedanken machen. Terry Wogan (der Moderator der Show auf BBC) wird sich sowas von aufregen.
Wieder ein Versuch à la Bieber – diesmal aus Irland: Aussehen- und musikmässig schön abgekupfert, hier im Doppelpack und mit vorgängig explodiertem Föhn.
Hollands Sänger tönt, wie wenn Daniel Kandlbauer in einem MusicStar-Proberaum beweisen soll, dass er die Stimmbänder zu Musik bewegen kann. Leider fehlt auch diesem Song die Power.
Frankreich tanzt mehr und mehr aus der Reihe. Diesmal mit einer mitreissenden Pop-goes-classic-Hymne, wie wir sie von anderen Tenören kennen. Nach Patricia Kaas’ jazzigen Ballade, dem Standbarsong letztes Jahr und nun diesem Beitrag scheint es, dass Frankreich den Wettbewerb nicht mehr allzu ernst nimmt.
Aus Spanien kommt ein Gute-Laune-Song mit der feurigen Lucía Pérez und einem gewissen Strandbarpotential, vielleicht auf Mallorca oder in Lloret de Mar. Er sticht nicht extrem hervor und hat mit der letzten Startnummer sowieso die Arschkarte gezogen. Schade.
Die Portugiesen setzen auf “Altbewährtes”, dies im Sinne von Uraltbekanntem aus dem Land. Eine bunte Truppe, die ein folkloristisches Liedchen zum besten hält. In den letzten Jahren schnitt Portugal recht gut ab, es schien, als ob sie den Rank gefunden hätten. Mit der Selektion dieses Acts allerdings wird dieses Jahr wohl der finanziellen Lage der Nation Rechnung getragen und erfolgreich verhindert, dass man den Event 2012 durchführen muss.
Loucas Yiorkas (Griechenland), Christos Mylordos (Zypern), Glen Vella (Malta)
Jedes Jahr um diese Zeit habe ich Lust, endlich mal in Griechenland Ferien zu machen. Woran es liegt? Griechenland sendet mit Abstand die bestaussehenden Sänger an den ESC. Dieses Jahr Loucas Yiorkas. Der Song verspricht am Anfang eine heisse Strandbar-Disconummer, wie wir es von den Griechen gewohnt sind, entwickelt sich dann aber zu einer hymnenartigen Ballade. Leider vermag der visuelle Reiz nicht über den durchschnittlichen Song hinwegzutrösten. Und was der lahme Sprechgesang des halbstarken Mike Stereo neben Loucas’ guten Stimme bezwecken soll, ist mir schleierhaft.
Zypern ist auch so eine Feriendestination. Der Sänger Christos Mylordos ist süss. Vielleicht ist er ja mit Loucas aus Griechenland verwandt. Ihre Songs sind sich jedenfalls sehr ähnlich. Zwar macht mir auch Zyperns Beitrag keine Gänsehaut, er wirkt insgesamt abgrundeter.
Die winzige Mittelmeerinsel Malta schickt abwechslungsweise Balladen des Pummelchens Chiara und Disconummern von (streitbar) gutaussehenden männlichen Interpreten an den ESC. Dieses Babyface hier und sein lahmer Song werden es leider nicht allzu weit bringen.
Alexej Vorobjov (Russland), Emmy (Georgien), One More Day (Georgien), Zdob și Zdub (Moldavien)
Armenien versuchts mit einem Popsong, der zwar durchaus ein bisschen an Veröffentlichtes von Kylie erinnert, aber nur die Absicht und nicht das Können dahinter verrät. Und was bitte soll das Kleid der Sängerin Emmy (im Video)? Sie sieht aus wie Barbie an ihrer eigenen Beerdigung.
Ein astreines Pop-Duo liefert uns Aserbaidschan. Der Song „Running scared“ kann es locker mit dergleichen aufnehmen – die Namen der Produzenten tönen schwer skandinavisch. Einzig die Stimmen könnten live nicht ganz so rüberkommen wie auf dem Video. Ich bin allerdings schon vor ganz anderen Beiträgen erschrocken weggelaufen. Sollte dieses Jahr ein Pop-Duo stechen, dann wäre ich für diesen Song.
Georgien bietet einen rockigen Song mit einer Männertruppe um eine schöne Frau und deren Haar vor dem Ventilator dar. Das Gemisch aus Evanescence und Guano Apes tönt nicht schlecht, aber ich bezweifle, dass es beim ESC-Publikum ankommt.
Der Beitrag aus Russland erwägt den Eindruck, man versuche mit einem Aussehen wie in Schwiegermutters Traum und Musik à la Patrick Nuo zu punkten. Jung, ein bisschen wild und mit einer Prise rockigen Pops. Die Heti-Antwort auf den letzten Gewinner Russlands.
Die Blondine aus der Ukraine singt einen Popsong namens „Angel“ und ist demensprechend gestylt. Ich bin schon gespannt auf das weisse Kleid und die Lichtüberflutung an der Show. Die Stimme ist gut, der Song kann sich aber nicht zwischen Ballade und Rocksong entscheiden und so bleibt er langweilig.
Die Band aus Moldawien spielt einen Rocksong mit Punk- und Ethnoeinflüssen. Die nackte Brust unter dem offenen Leder-Gilet ist Pflicht. Ich sehe schon die Feuerwerke auf der Bühne. Sowas peppt den ESC zwar immer wieder auf, der Song hat aber Längen und kommt nie so wirklich.
Dana International (Israel), TWiiNS (Sowakei), Lena (Deutschland)
Dana International is back! Sie scheint ihren oberpeinlichen Sturz von der ESC-Bühne verkraftet zu haben. Nach dem mediokren Abschneiden der letzten Jahren setzt Israel also auf eine Gewinnerin. Leider ist dieser Discosong nur halb so gut wie damals.
In Serbien sind die Sixties ausgebrochen! Ein swingender Popsong der Sängerin Nina und ihren drei hochtupierten Backgroundstimmen inmitten von buntem, durchgestyltem typischen Dekor von damals. Eine angenehme Abwechslung.
Kroatien ist nach Jahren mit schlechteren und besseren Balladen dieses Jahr mit einer Disconummer am Start. Leider kann die Interpretin weder singen, noch reisst der Song mit. Gähn.
Polen entsendet lupenreinen Pop wie man ihn derzeit viel in der Hitparade hört. Nicht schlecht, aber es fehlt mir auch hier am unbändigen Verlangen aufzustehen und mitzutanzen.
Wenn sich zu Littauens Ballade die Hälfte des Publikums zur Rauchpause verabschieden, würds mich nicht wundern. Zu gekünstelt wirkt dieser Song, der zwar echtes ESC-Gesülze ist, aber einfach nicht schön ist.
Die singenden Zwillinge aus der Slowakei sehen aus wie Bree van de Kamp und ihr geklontes Ersatzteillager. Die Ballade ist zwar ESC-typisch, aber etwas lahm und ich verstehe nicht, was das ganze soll.
Ungarns Interpretin Kati Wolf ist zwar schon etwas älter, hat somit aber einige ESCs miterlebt. Da hat sie gelernt, wie sich Disco am ESC anhören soll: Gute Beats, eine gute, zuweilen Celine-Dion-mässige Stimme, die die obligaten, scheinbar unerreichbaren Höhen trifft und aus unseren Herzen spricht mit dem Titel „What about my dreams?“. Thanks for that. Wenn dieser Heuler nicht am EuroTolerdance läuft, dann weiss ich auch nichts mehr!
Doch noch eine Ballade im typischen Eurovision-Style! Österreich versuchts mit schmalziger, melancholischer Musik und einer starke Frauenstimme – soweit alles richtig gemacht. Einzig irritierend ist Nadines Schlampen-Perrücke – oder ist die Frisur etwa echt?
Nun, Deutschland hat ganz offensichtlich keine Lust, die Veranstaltung nächstes Jahr schon wieder durchzuführen. Nur so lässt sich erklären, wieso Lena nochmals antritt. Andere Vorjahressieger haben diese Strategie auch schon verfolgt. Damals liess sich diese aber damit erklären, dass es Nationen waren, die sich den Aufwand schlicht nicht leisten konnten. Vielleicht macht es der Gastgeber dieses Jahr aber nur, um Lenas Karriere einen neuen Schub zu geben, die ja gleich nach dem letztjährigen Triumph eingeschlafen ist. Vielleicht nicht zu unrecht.
56. Eurovision Song Contest, 2011
Semifinals: Dienstag, 10. und Donnerstag, 12. Mai
Final: Samstag 14. Mai
1. Halbfinal mit CH und Final live auf SF2 jeweils ab 21 Uhr - Tipp: Alle Shows live auf ARD sehen
Finale live im Samurai
auf Grossleinwand am Samstag, 14. Mai
Golden Tolerdance Eurodisco
am 28. Mai im ISC mit vielen Eurovisions-Hits.
DJ Ludwig & Corey
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