Pery Kilic heizt das Öfeli neu ein
Die Gay-Bar «Aux Petits Fours» an der Kramgasse in Bern hat eine neue Besitzerin. Ludwig Zeller von der gayAgenda hat sich mit Pery Kilic unterhalten.
Es sind gerade die Maler im Lokal als ich Pery Kilic traf, die neue Besitzerin vom «Aux Petits Fours», der Gay-Bar an der Kramgasse 67 in Bern. Terracotta, Petrol und Weiss sind die neuen Farben des Lokals. Der frische Anstrich soll unterstreichen, dass hier ein neuer Wind weht. Das Lokal soll moderner wirken. «Ich liebe das Klare und Reine», sagt Pery Kilic. Der Bali-Kitsch vom langjährigen Barbesitzer Peter Rähmi wurde entfernt und neue Bilder aufgehängt. «Aber sonst bleib vorläufig alles beim Alten. Ich möchte die Stammkundschaft behalten, aber auch neue, jüngere Gäste ansprechen.» Wie ist es dazu gekommen, dass eine türkische Migrantin Besitzerin eine Gay-Bar wurde?Von der Türkei in eine Berner Gay-Bar
Als 6-Jährige kam Pery Kilic mit ihrer Familie aus der Türkei in die Schweiz nach Oensingen (SO). Sie stammt aus einer alevitischen Familie und wurde von ihrem Vater sehr tolerant erzogen. «Er wollte, dass ich eine selbständige Frau werde und mich in der neue Heimat anpasse.» Nach einem Welschland-Jahr zog sie mit Zwanzig nach Bern. Heiratet bald, wurde Mutter eines Sohnes und arbeitete als Kosmetikerin.
Der Sohn ist inzwischen erwachsen und die Ehe wurde geschieden. Pery stand nach der Scheidung, ohne Geld da und alleine. Doch sie wagte den Neuanfang. Mit viel Fleiss, dem Ersparten, der Pensionskasse und einem Kredit kaufte sie das «Aux Petits Fours». Ein Freund der im Gastgewerbe arbeitet hatte sie darauf aufmerksam gemacht, dass die kleine Bar an der Kramgasse einen neuen Besitzer sucht. Sie könne es doch gut mit Schwulen, meinte er, geh und schau dir das Lokal mal an. Da auch ihre besten Freunde dort verkehren fühlte sie sich sofort wohl im Kellerlokal. Sie hatte schon immer eine gute Beziehung zu Schwulen. Das überrascht einen nicht, Pery ist eine sympathische, offene und warmherzige Frau und sieht aus wie eine Mischung aus Marianne Rosenberg und Liz Taylor. Das scheint auch der ehemalige Bar-Besitzer Peter Rähmi erkannt zu haben, der sie aus mehreren Bewerbern ausgewählt hat. «Die Gäste haben mich sehr herzlich empfangen», freut sie sich. Sie muss zwar vieles noch lernen, ist es doch das erstemal, dass sie im Gastgewerbe arbeitet. Sie schmeisst die Bar ganz alleine: Getränke bestelle, putzen und bedienen. Und sie musste sich von Tages- auf Nachtarbeit umstellen. «Da muss ich mich noch etwas daran gewöhnen.»
Peter Rähmi führte das Petit Fours 11 Jahre lang. Jetzt ist er in seine Wahlheimat nach Bali gezogen. Peter Rähmi nannten alle nur «Mami» und war in der Berner Gayszene ein Begriff. Ich wollte von Pery wissen, wie es denn ist, die Nachfolgerin vom legendären «Mami» zu sein. «Ich bin jetzt halt die Mutti!» meinte sie. «Peter hat mir alles erklärt und mich gut eingeführt. Auch von vielen anderen erhalte ich Unterstützung.» Die gayAgenda heisst das neue Mutti herzlich willkommen und wünscht ihr viel Erfolg mit der Bar.
