Diskussion zum Thema „Schwule im Alter“
Am 18. Mai um 19 Uhr findet ein Fachvortrag statt mit Diskussion zum Thema «Schwule im Alter». Der Vorträg hält Daniel Summermatter unter dem Patronat von Pink Cross. Die anschliessende Podiumsdiskussion moderiert Daniel Frey vom gayRadio.
Homosexualität und Alter sind ein weites, aber auch weitgehend unbeackertes Feld. Wie gehen Schwule mit dem Alter um? Was wünschen sich Schwule für ein Alter? Ein paar Beobachtungen und ein paar Gedanken dazu.Zumindest etwas haben die Bilder von Schwulen in Zeitschriften und im Internet gemeinsam mit den Fotos! Die abgebildeten Personen – da Männer, dort Frauen – sind jung hübsch, knackig oder was auch immer. Sicher aber nicht alt. Muss man daraus schliessen, dass es keine alten Schwulen gibt oder dass alte Schwule nicht attraktiv sind?
Die schwule Realität unterscheidet sich aber im Alltag nicht von der Heterosexuellen: Unsere Gesellschaft ist eine mit einem hohen Anteil an älteren und alten Leuten. Die Generation der Babyboomer tritt immer mehr ins Rentenalter ein. Auch unter den Schwulen sind die „grauen Panter“ und „weissen Tiger“ gut vertreten, wenn auch manchmal versteckt dank gefärbtem Haar.
Doch während es für heterosexuelle Frauen und Männer Angebote im Alter gibt, fehlt ein solches spezifisches Angebot für alte Schwule praktisch vollständig. Altersheime etwa wissen kaum etwas von den Bedürfnissen älterer Schwuler. Oder noch einen Schritt zurück: Wissen ältere Schwule überhaupt, was ihre Bedürfnisse sind? Die Antwort lautet wohl: Kaum. Alte Schwule stehen nirgends wirklich auf der Agenda. Wie auch, wenn wir Schwulen nicht einmal wissen, wie was für Vorstellungen von einem würdigen, schwulengerechten Alter wir haben. Sind etwa Altersheime ausschliesslich für Schwule (oder Lesben) wünschenswert.
Als gesichert kann höchstens gelten, dass für viele Schwule, die Vorstellung, in einem Altersheim gepflegt zu werden, äusserst unangenehm ist, noch unangenehmer als für Heterosexuelle. Wie ist das, wenn man im Altersheim einen andern alten Schwulen trifft. Ist dann Zweisamkeit möglich? Wie reagieren die andern Heimbewohner? Oder wie geht die Heimleitung damit um?
Wenn der Eindruck nicht täuscht, sind viele ältere Schwule oft einsam. Freundschaften oder Partnerschaften gingen auseinander. Vielleicht ist der langjährige Partner auch gestorben. Neue zu finden ist, trotz Internet, nicht immer einfach. Dazu kommt die Lebenserfahrung, die neuen Perspektiven oft im Wege steht. Alte Gewohnheiten gibt man nicht so einfach auf. Geht es gesundheitlich nicht mehr, kommt die Spitex. Aber, was unterscheidet eine Pflege, die auf einen schwulen Pflegebedürftigen Rücksicht nimmt von der Pflege einer heterosexuellen Person?
Ansätze, die sich mit den Fragen rund um Alter und Homosexualität beschäftigt haben sind in der Schweiz, im Gegensatz zu andern Ländern, bis jetzt versandet. Ein erster Schritt müsste wohl sein, dass wir Schwulen uns selber im klaren darüber werden, wie wir uns das Alter vorstellen. Es führt nichts daran vorbei, dass wir uns klar werden, wie wir im Alter leben wollen. Wie sieht eine schwulengerechte Altersversorgung zu Hause, im Altersheim, im Spital aus? Was ergeben sich daraus für politische Forderungen? Zeit, sich den Fragen ernsthaft zu stellen.
Programm:
18.30 Uhr: Apéro in der Villa Stucki
19.00 Uhr: Fachvortrag von Daniel Summermatter („Schwul-Sein“ im Altersheim aus der Perspektive homosexueller Männer in der Schweiz), anschliessend Podiums-Diskussion, moderiert von Daniel Frey
20.30 Uhr: Abendessen auf vorherige Anmeldung in der Villa Stucki (Kostenpunkt Fr. 25.-/Person exkl. Getränke)
Anmeldung unter admin@pinkcross.ch bis zum 16. Mai 2011
