CD-Tipp Juni 2011
DJ Corey\'s CD Tipps für den Juni: Lady Gaga, Patrick Wolf, Planningtorock. Kate Bush, Stevie Nicks, Austra und Jessica 6

LADY GAGA Born This Way
(Interscope)Lange mussten ihre kleinen Monsters schmoren. Nun endlich erblickt das sehnsüchtig erwartete neue Werk der Lady Gaga das Licht der Welt. Die drei bisherigen Single-Auskopplungen «Born This Way», «Judas» und «The Edge Of Glory» stehen exemplarisch für die Grundhaltung des Albums: opulent inszenierte Grossraumdisco-Hymnen mit einem dunklen Unterton. Die Monster-Mama erteilt der Welt die schönste Lektion in Sachen Selbstakzeptanz und Toleranz. Als Sprachrohr der Gay-Community und weiteren benachteiligten Minderheiten zeigt Lady Gaga, dass verrückte Pop-Stars manchmal die besseren Päpste wären.

PATRICK WOLF Lupercalia
(Mercury)Das Enfant Terrible des dramatischen Art Pop hat sich in einen Romantiker verwandelt. Diese überraschende Metamorphose zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze neue Album. Auf «Lupercalia» macht Patrick Wolf eine aktuelle Bestandsaufnahme der Beziehung zu seinem Freund und zukünftigem Ehemann. Der 28-jährige Brite gibt sich der Euphorie des Verliebtseins hin und bedient sich dabei unverschämt aus dem reichhaltigen Fundus der bunten 80er-Jahre. Diese neue Fröhlichkeit und Lockerheit stehen Patrick Wolf aber unglaublich gut.

PLANNINGTOROCK W
(DFA)Die Musikerin und Videokünstlerin Janine Rostron hat mit Planningtorock ihr musikalisches Alterego erschafft, das zum Teil von Doris Lessings Sci-Fi-Roman «Die Entstehung des Repräsentanten von Planet 8» inspiriert ist. Planningtorock spielt gerne mit den Geschlechterrollen. Bei ihren Auftritten oder auf Promo-Bildern verhüllt sie sich hinter angsteinflössenden Masken und Kostümen. Ihre Stimme verzerrt sie mit verschiedenen Effekten. Diese Kunstfigur lässt sich nicht eindeutig als Mann oder Frau erkennen. Mit «W», dem Debüt für das renommierte Electronic-Label DFA, ist Janine eine spektakuläre Gender-Studie für die alternative Tanzfläche gelungen.

KATE BUSH Director’s Cut
(EMI)STEVIE NICKS In Your Dreams
(Reprise Records)Die guten Hexen des Pop und Rock sind zurück. Mit ihren einzigartigen Stimmen verzaubern sie alte und neue Fans in eine traumhafte Phantasiewelt. Ihr grundsätzlicher Unterschied liegt in der stilistischen Herangehensweise. Die Engländerin Kate Bush macht Musik für die Kunsthochschule, die Amerikanerin Stevie Nicks ist im Geiste immer noch ein romantischer Hippie geblieben. Auf «Director’s Cut» hat Kate Bush die finale Fassung einiger Songs aus ihren Alben «The Sensual World» (1989) und «The Red Shoes» (1993) in Alleinregie geschnitten. Stevie Nicks siebtes Soloalbum «In Your Dreams» schwelgt in mystischem Folk, Rock’n’Roll und einem Hauch West Coast-Feeling.

AUSTRA Feel It Break
(Domino)JESSICA 6 See The Light
(Peacefrog)Doppelter Queer-Sound klingt besser. Austra, das kanadische Trio um das lesbische Riot Grrrl Katie Stelmans, verdankt seinem Namen der lettischen Göttin des Lichts. Auf «Feel It Break» lebt die Band ihr Interesse für melancholischen New Wave, Gothik-Kultur und leicht opernhaften Gesang grosszügig aus. Jessica 6 nennt sich das neue Projekt der Ex-Hercules-And-Love-Affair-Sängerin Nomi Ruiz. Auf «See The Light» lotet die transsexuelle Sex-Bombe die Grenzen zwischen Neo-Disco und R&B aus. Diese Mixtur wirkt herrlich schwülstig und sexy. Let’s Dance.
CD-Tipps von DJ Corey jeden 1. Sonntag im Monat, 19 Uhr im gayRadio auf Radio Rabe oder www.gayradio.ch
