Sommerlektüre
Bevor du in die Badi gehst, besuche die Schwubliothek in der Villa Stucki und leih dir die passende Sommerlektüre aus. Die Mitglieder der HAB-Schwubliothek stellen ihre liebsten Sommerbücher vor.
Marion Zimmer Bradley «Trapez»
Lambda Edition, 1988. 704 Seiten
Die italienischstämmige Artistenfamilie der «Flying Santellis» ist bei einem Zirkus engagiert und tingelt mit diesem durch die USA. Die beiden jüngsten der Truppe, Mario und Tommy, passen nicht nur am Trapez hervorragend zueinander. Für Tommy, aus dessen Blickwinkel die Story erzählt wird, handelt es sich auch um die spannende Reise von der Jugend ins Erwachsenenleben. Er und sein Partner müssen ihre Neigung allerdings vor dem Rest der Familie und natürlich auch vor der Öffentlichkeit verstecken. Als ihr Privatleben ruchbar wird, ist die Trennung unvermeidlich. – Die Familiensaga spielt zwischen 1944 und 1953 und fällt damit teilweise in die McCarthy-Ära, als Künstler und überhaupt Andersdenkende auf schwarzen Listen landeten. Für unser Paar gibt es zum Schluss doch noch ein Happyend. Das Fazit im Stil der Autorin: Oh Gott, eines meiner Lieblingsbücher, und jetzt bist du dran, ragazzo! Markus OehrliP.P. Hartnett «Tokio Lindenstrasse»
Maennerschwarm Skript Verlag, 2007. 280 Seiten
Desperate Housewives auf Japanisch? Bitte sehr. Warum nicht einmal eintauchen in den vordergründig wohlgeordneten japanischen Alltag, um dann die Abgründe dahinter nach und nach aufzudecken. Eine Woche lang erhalten wir Einblick in die doppelbödigen Lebensentwürfe von verschiedenen Rollenträgern in einem japanischen Wohnblock. So zum Beispiel der 18-jährige Schüler Akio, der kurz vor seinem Abschluss steht. Zwar erfüllt er vordergründig die Erwartungen seiner Lehrer und seiner Familie, hinter den Kulissen bricht er aus den Zwängen aus, indem er seinen Körper an ältere Männer verkauft. Oder die Frau in #7B. Sie entwickelt immer stärkere leidenschaftliche Gefühle gegenüber ihrem langsam heranreifenden Sohn Takeo, der seinerseits gerade erst beginnt, seinen Körper als sexuelles Wesen wahrzunehmen und insgeheim für seinen Sportlehrer Handa schwärmt, nicht ahnend, dass dieser insgeheim selbst einen Ausweg sucht, um mit den Leidenschaften fertig zu werden, wenn er seinen Schülern bei den gymnastischen Übungen zusieht. Der Autor Hartnett serviert uns eine japanische Lindenstrasse, oder eben verzweifelte Hausbewohner – eine hart nette Sommerlektüre, mit weich bösem Nachgeschmack. Adrian ReichenbachClaude Alain Sulzer «Ein perfekter Kellner»
Edition Epoca, 2004. 219 Seiten
Zwei junge Kellner finden sich im Sommer 1935 im Grandhotel Giessbach. Die beiden teilen alles, tagsüber die Arbeit und nachts das Bett in der heissen Dachkammer. Doch in der folgenden Sommersaison erwischt Erneste seinen Liebhaber Jakob in flagranti mit einem der Gäste, dem Schriftsteller Klinger. Dieser reist alsbald mit seiner Familie ab nach New York und nimmt Jakob als Diener mit. Jakob hat allerdings noch ein weiteres Geheimnis. Das Drama nimmt seinen Lauf. – Serviervorschlag: Einheimische Kost, sehr bekömmlich anlässlich eines Schiffsausfluges auf dem Brienzersee. Dazu wird ein Drink auf der Terrasse des Hotels Giessbach empfohlen. Markus OehrliRichard Amory «Rote Männer auf grünen Matten»
Gmünder, 1991
Ein Indianerbuch! Das Verfasser schildert in utopischen Farben das freie Leben der homosexuellen Indianer. Ganz in der Tradition des Indianerromans setzt er der kranken und verkrampften Welt der Weissen die edlen Wilden entgegen. Die Hauptperson allerdings ist Ephraim, ein junger Weisser, der auf der Flucht vor einem Weissen durch das Indianerland reist, lauter attraktive Indianer kennenlernt, mit ihnen die Liebe geniesst und so von Stufe zu Stufe geführt wird, bis er am Ende einen andern Weissen findet, mit dem er sich für immer verbindet. Zugegeben: alles ist reine Phantasie und bestimmt auch ziemlich Kitsch. Eben: Lektüre für Ferien im Sommer. Hans BaerHunter, M. S. «Der Freibeuter»
Freie deutsche Neufassung von Stefan Trossbach. Berlin: Gmünder, 1991
«Das seynd die Lebens-Erinnerungen dess Capitains Thomas Cutler, genannt "Entermesser-Tom", von ihme selbsten zu Papyr gebracht.» Ein Seeräuberbuch, wenn man so will. Die Freibeuter betrachteten sich allerdings als weit besser, als gewissermassen legale Seeräuber. Wie immer: Der Erlebnisbericht von Thomas Cutler spielt in Westindien im 17. Jahrhundert. Zusammen mit den andern Männern des Schiffes segelt der Held durch die Karibik, macht Beute und erwirbt sich ein grosses Vermögen, verliebt sich in seine Mitstreiter und lebt das Leben in vollen Zügen. Solange eben, bis ihm nur noch die Aufgabe bleibt, seine Erinnerungen aufzuschreiben.Schwubliothek jeden Mittwoch in der Villa Stucki (19.30-21.30h)
