Eurogames 2011 in Rotterdam: Schlechte Organisation, geile Partys!
Rotterdam als älteste und grösste Hafenstadt Europas ist nichts für Sonnen-AnbeterInnen und auch nicht ausgestattet für Athletinnen und Athleten. Dennoch gingen die Eurogames 2011 genau in dieser Stadt über holprige Bühnen, wo es oft regnet, kalt ist und sämtliche Sportlokale verzettelt rund um die City angesiedelt waren.
So verzettelt zogen sich sodann die vielen Sportveranstaltungen, nicht gerade professionell organisiert, vom 20. bis 24. Juli durch. Es gab nur mal zwei bis drei Eurogame Flaggen irgendwo im und um den Stadtkern, aber ansonsten war nicht viel zu merken vom athletisch europäischen Gay-Fieber.Die Badminton SpielerInnen mussten den Boden auswechseln, weil dieser nicht genügend haftete. Sie wussten bis am Tag vor den Spielen nicht, ob diese überhaupt stattfinden konnten. Die LangstreckenläuferInnen musste zuerst über eine halbe Stunde zum Feld joggen. Dass von ungefähr achtzig eingeschriebenen Teilnehmenden nur zirka fünfzehn absolut Sportbegeisterte effektiv den 5 km Lauf absolvierten, schien die Volounteers genau so wenig zu kümmern wie Hans van Dop, den Präsidenten: «Die Games waren für unsere Stadt Rotterdam ein voller Erfolg!», so Hans nach den Spielen. Für mich ein Alarmzeichen, dass die harschen Kritiken von vielen SportlerInnen am Tag nach dem Ende der Eurogames 2011 noch nicht auf seinem Schreibtisch gelandet sind. Kein Wunder, die Meisten aus dem Management waren ja auch Heteros und die können’s wohl einfach nicht so gut wie unsereins…
Mister Gay Schweiz, Stephan Bitterlin, nahm es indes mit Humor. Er nahm beim Badminton Turnier teil und zeigte trotz der miesen Bedingungen absoluten Sportgeist. Weitaus am meisten Anklang fanden die Paartänze. Die Musik heiterte die von Regenschauern und Windböen angeknackte Stimmung auf und die schönen Kleider der grazilen schwulen und lesbischen TänzerInnen berührten die Gemüter; Applaus der ZuschauerInnen im Saal, vorallem auch für unser starkes Schweizer Team, war nirgendwo sonst so lautstark zu hören.
Es spielte kaum eine Rolle, wer Gold oder Silber holte, denn ob der schlechten Organisation hörte ich von vielen denselben Kommentar: «Es macht Spass und darum sind wir da. Schade, dass die Teams nicht wirklich zusammen gebracht werden».
Dafür war das Partyprogramm dank der Event Crew Pink Clinic (www.pinkclinic.eu) gewährleistet und ein absoluter Erfolg! Gut für mich, denn weder ein 10 km Lauf noch ein Basketballspiel hätten mir unter diesen Umständen noch meine angekratzte Laune erheitern können – und gegen Fett liegt mir eine geile Party mit Drag Queens und einer lustig professionellen Dance Show einfach mehr. Rund um die Eurogames belebte einem der enorm liebenswürdige und aufrichtige Charme der HolländerInnen genau an dieser Pink Clinic Party!
Der Abschluss des Desasters hat mir dann noch ein Interview mit den Sister Sledge, die an der offiziellen Abschlussparty auftraten, gegeben. Auch wenn sie mir «choccolate strawberries» anboten, so sah ich recht schnell, dass Sister Sledge vielleicht nur mit einer guten Gage diesen Chaos professionell über die Bühne bringen konnten. Der marokkanische Bürgermeister Rotterdams indes, wollte mit seiner Homofreundlichkeit brillieren. Auch dies ging in die Hose, denn eine Drag Queen guckte mir am Tage meiner Rückreise in die Augen und sagte mit Nachdruck: «Ahmed Aboutaleb, unser Bürgermeister, ist Muslim, er tut im Alltag nichts für uns und mag Gays schon gar nicht. Das merkt man daran, dass er kaum Lizenzen an Schwulenlokale erteilt.»…
We are family? Wenn das so cool klingt wie beim Auftritt der Abschluss-Zeremonie mit den Sister Sledge, dann hoffentlich besser organisiert nächstes Jahr in Budapest! Show your Colour, aber bitte nicht mehr nur in Grau.
Die Eurogames 2012 finden vom 27. Juni bis 1. Juli 2012 in Budapest statt
