Michael von der Heide im Interview: «Ich möchte die Lust zum Tanzen wecken»
Am 26. August ist das neunte Album «Lido» von Michael von der Heide erschienen. Er präsentiert erstmals ein Album, das komplett in Französisch gesungen ist. Diesen Herbst gastiert er auf seiner Tour mehrere Male in der Region Bern. Vor rund 20 Jahren hat Michael von der Heide seine Karriere als Sänger und Musiker begonnen. Gründe genug ihn zum Interview zu treffen.
Dein neues Album heisst «Lido». Du möchtest damit die Lust zum Tanzen wecken. Wen sprichst du mit dem Album vor allem an?Ich wollte alte Clichés aufbrechen, keine Akkustikplatte in Französisch, keine traditionelle Klangromantik sondern eine französische Tanzscheibe präsentieren. Ich erwarte, dass sich vor allem Leute meines Alters von den neuen Songs angesprochen fühlen. Schön wäre, wenn sie sich an ihre Teenagerzeit erinnern und zu meiner neuen Musik tanzen.
Meistens hast du auch ein Duett in deine Alben integriert? Wieso nicht auf «Lido»?
Es hat sich einfach keines ergeben, das wirklich gepasst hätte. Doch irgendwann wird es sicher wieder ein Duett geben.
Der Produzent des Albums, Thomas Fessler (u.a. Sina, Plüsch, 77th Bombay Street), war bereits bei deinen ersten beiden Alben mit dabei. Wieso habt ihr nun für das neunte Album wieder zusammengearbeitet?
Wir hatten beide das Gefühl, dass unsere Zusammenarbeit noch weiter gehen kann. Sie war irgendwie mit der Produktion meiner beiden ersten Alben noch nicht abgeschlossen.
Was ist bei einem neuen Album jeweils am wichtigsten, wenn es produziert und verpackt in deinen Händen liegt?
Immer wenn ich mein neues Album erhalte kontrolliere ich sofort, ob sich ja kein Fehler irgendwo eingeschlichen hat. Dann schnaufe ich erstmals durch. Das geht wohl einem Schriftsteller mit seinem neuen Buch jeweils ähnlich. Danach rühre ich das Album eine Zeitlang nicht mehr an.
Das neue Album ist ja fast ausschliesslich französisch gesungen. Deine Fans in der Suisse romande werden sich auch freuen.
Ja, schon meine neue Single «J’ai perdu ma jeunesse» kommt in der Romandie super gut an. Ich habe ja schon immer französisch gesungen. In den letzten Jahren habe ich mich mehr aufs Deutsch konzentriert. Nach einem Konzert in Berlin meinte meine gute Freundin Annette Humpe: «Michi, wir in Deutschland wollen dich auch unbedingt in Französisch hören!» Et voilà...
Was können wir von deinen Konzerten anlässlich deiner aktuellen Tour erwarten?
Ich werde vor allem die neuen Songs aber auch meine Klassiker, wie «Jeudi amour» oder «Paris c’est toi» mit dabei haben. Auch ein paar unbekanntere Titel sind im Set. Ich bin mit meiner Band und ein paar schönen Dekoelementen unterwegs. Das neue Album wurde ja nebst den bekannteren auch mit traditionellen europäischen Instrumenten wie Mandoline, Bag Pipe und Bandoneon eingespielt. Mein Live-Gitarrist Martin Buess hat sich wegen einiger neuen Songs eine Mandoline besorgt und spielt schon so gut, als ob er nie etwas anderes gespielt hätte.
Kann eine Tour nicht auch hart sein?
Für mich nicht unbedingt, denn ich bin gerne mit der Band unterwegs und finde die Live-Auftritte mit den Begegnungen meines Publikums immer wieder motivierend und erfrischend. Sonst hätte ich schon lange damit aufgehört.
Du hast grad Pause. Zurzeit probst du für die Theaterproduktion «hush n’more» welche auch diesen Herbst hier in Basel zu sehen sein wird.
Ja, es ist eine spannende Produktion. Die Regisseurin Corinna von Rad entwickelt das Stück mit uns gemeinsam. Die Musik ist von Henry Purcell.
Was hat Bern für dich für eine Bedeutung?
Ich singe gerne im frankophilen Bern. Es ist die Musik-Hauptstadt, ganz klar. Mani Matter hat das Chanson in der Schweiz stark geprägt. Ich finde die Berner aufgeschlossen. Mein Manager ist Berner und für mein neues Album habe ich mit dem Berner Ben Mühlemann (DJ Remady) gearbeitet. Er hat meine Songs mit seinem tollen Beat veredelt.
Wie hast du es geschafft 20 Jahre im Geschäft zu bleiben? Was ist dein Erfolgsgeheimnis?
Das Publikum hat mich all die Jahre einfach immer wieder unterstützt und war interessiert, was ich jeweils auf die Bühne brachte. Klar sind auch Fans abgesprungen, einige sind dazugekommen und viele sind den Weg mit mir gegangen. Zudem habe ich die Lust am kreativ sein nie verloren. Das hat mir immer wieder neue Chancen und Projekte ermöglicht. Ich singe und schreibe das, auf was ich stehe – darum wäre ich ein schlechter Schlagersänger (lacht).
Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit Album und Tour!
Das Interview hat René Böhlen am 11.8. in Basel geführt.
Michael von der Heide on tour:
23. Sept. in Köniz
28. Okt. in Lyss,
04. Nov. in Murten
13. Nov. in Burgdorf
(Foto: Patrick Mettraux)
