Gallavin - ein Kosmopolit am Schweizer Jazzhimmel
Mit drei Jahren stand Gallavin alias Steven William Derendinger zum ersten Mal vor Leuten und sang. Damals hatte er den Text vergessen. Mit Siebzehn versuchte er auf einer Bühne seinen zweiten Anlauf – heute, mit Sechsunddreissig, hat er zu seinem Debüt-Album «Mad About The Boy» ein grossartiges Videos produziert, das sogar nominiert wurde für den «LGBT 2011 Video Music Awards».
«Mad About The Boy» ist ein alter Song, den Noël Coward in den Dreissigern als Homosexueller geschrieben hatte. Damals war der Song natürlich nur denkbar für eine Frauenstimme zum Singen. Gallavin, ein neuer Shooting Star aus Lausanne, gibt dem Song das zurück, was Coward wollte: Ein gay Feeling, perfekt gesungen und authentisch arrangiert. Grund genug für uns, den Kosmopoliten Steven William Derendinger alias Gallavin zu interviewen.Auf deinem neuen Album coverst du Songs, die im Grunde von Schwulen geschrieben, aber von heterosexuellen Frauen gesungen wurden. Wie kamst du auf diese Auswahl?
Noël Coward und Cole Porter sind die zwei Autoren, die ich ausgesucht habe. Im Jazz sind die männlichen und weiblichen Songs klar definiert und die meisten (heterosexuellen) Leute sind nicht wirklich bereit, einen Mann zu hören, der für andere Männer singt. Ich denke, dass ich der Erste bin, der sich traut, einige der bekannten Jazzsongs zu singen, indem ich die sexuelle Orientierung mit einbringe. Coward schrieb den Song «Mad About The Boy» für einen seiner Liebhaber.
…Und wie ist die Idee entstanden, Cole Porters Song «Just One of Those Things» als Mann zu singen?
Ein moderner Schwuler würde den Song als «Just Sex» umschreiben. Der Song erzählt von einem One Night Stand, der sich nicht in eine Liebesaffäre umwandelt. Ich liebe den Song von Cole Porter!
Im September hattest du einen Auftritt im kleinen Städtchen Pully. Dein Video «Mad About The Boy» ist aber kosmopolitisch und professionell produziert. Was bedeutet Erfolg für dich?
Es kommt drauf an, was man unter Erfolg versteht. Mein jetziger Erfolg ist es, dass Medien wie die gayAgenda über meine neue CD und mein Projekt schreiben. Viele Medien aus Kanada, den USA, Australien, Schweden, Frankreich, Belgien, Spanien oder Deutschland haben auch über mich berichtet. Was den Verkauf und die Konzerte angeht, beginne ich dieses Abenteuer alleine. Es dauert seine Zeit, bis ich Fuss fassen kann im Jazz- oder Musikgeschäft. Es besteht Interesse an meinen Songs – und das ist bereits viel.
Du arbeitest beim Bundesamt für Gesundheit, machst Karriere als Jazzsänger und lebst in einer festen Partnerschaft. Wie bringst du alles unter einen Hut?
Ich geniesse es, Fitness zu machen. Es ist ein Weg, den Stress zu bekämpfen. Ansonsten mag ich die Sonne im Sommer oder am Strand zu liegen. Eigentlich habe ich kein Geheimnis dafür, alles unter einen Hut zu bringen, aber es gibt enorme Energie, mit guten Menschen an einem neuen Song zu arbeiten, eine Show zu kreieren oder eine CD aufzunehmen.
Gallavin ist Britisch-Schweizerischen Ursprungs und lebt in Lausanne. Seine CD «Mad about the Boy» ist im Handel erhältlich.Das Video zu «Mad About The Boy» wurde nominiert für den «LGBT 2011 Video Music Awards» der von Right Out TV (USA) verleiht wird. Für das Video abstimmen kannst Du auf http://www.rightouttvawards.com/contact.html
