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Filmtipps

15 Jahre Queersicht

15 Jahre Queersicht

Das lesbisch-schwule Filmfestival Queersicht findet vom 10. bis 16. November zum 15. Mal statt. Dieser Geburtstag ist ein Grund zum Feiern! Und Möglich­keiten zum Feiern gibt’s am dies­jährigen Queersicht mehr als genug!

Das allseits beliebte und uns allen unterdessen sicher bekannte Queersicht wurde 1996 von Veronika Minder und Patrik Martinez aus der Wiege gehoben und präsentiert sich in diesem Jahr zum sage- und- schreibe 15. Mal. Heute dürfen die beiden und ihre NachfolgerInnen, mit unterdessen rund 20 Mitbeteiligten, zufrieden auf 15 gelungene Events zu­rückschauen und durchaus stolz sein. Bedenkt man, dass das ba­sis­­demo­kratisch aufgebaute Queer­­sicht nach wie vor rein ehren­amtlich betrieben wird, ist das eine be­acht­liche Leistung und somit ein Grund zum Feiern! Und Möglich­keiten zum Feiern gibt’s am diesjährigen Queersicht vom 10. bis 16. November mehr als genug! Das Programm verspricht in eine Vielzahl an filmischen, musikalischen, kulinarischen und nicht zuletzt menschlichen Höhepunkten.

So darf man sich auf ein sowohl internationales wie auch thematisch äusserst vielseitiges Angebot an Filmischen Leckerbissen freuen, bei denen für wirklich alle Geschmäcker etwas dabei sein wird. Von der dramatisch-gefühlvollen Liebesgeschichte (La LLamada) über interessante Dokus ((A)sexual), freakigen Horrortrash (Bite Marks), gewagt-kontroverses (Broderskab) bis hin zur leichtfüssigen feel-good Liebeskomödie (Jamie and Jessie are not Together) findet ihr in den verschiedenen Kinos alles, was das cineastische Herz begehrt. Natürlich auch einiges an schockierend-tragischem und diskussionswürdigem; denn das Hauptthema des diesjährigen Queersichts und verschiedener gezeigter Filme (Cameroun – sortir du Nkuta, gODDESSES, Ouganda: Killing in the Name) ist die Situation von LGBTs in Afrika – und diese ist zu einem sehr grossen Teil mehr als bedenklich. Diskriminierung, Verfolgung, Kriminalisierung und Gewalt haben in diesem Kontext eine Bedeutung, deren Ausmass von Schweizer LGBTs nur schwer nachvollzogen werden kann. Gerade deshalb ist es wichtig, dass das Thema diskutiert und nach Lösungen gesucht wird. Eine Plattform für solche Diskussionen bietet das Queer­sicht-Podiums­gespräch mit Dr. Udo Rauchfleisch, der im Kongo gelebt und Fragen zu Homo- und Transsexualität bearbeitet hat. Themen wie Migration aufgrund sexueller Verfolgung und die Situation von Queerefugees in der Schweiz sollen in diesem Gespräch aufgegriffen werden.

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Dass es aber auch Gründe zum Feiern gibt, zeigt der Film «365 without 377», der zeigt, dass Indien endlich den Diskriminierungsparagraphen 377 losgeworden ist, der bis 2009 nicht-Heterosexualität kriminalisiert hat. Als ganz besondere Belohnung an alle, die Queersicht in den letzten Jahren möglich gemacht haben, wurde die in diesem Film portraitierte indische Trans-Frau Amheera nach Bern eingeladen, die uns nach der Samstagsvorstellung des Films in den Genuss einer queeren Bollywood-Tanzstunde kommen lässt. Zumindest hoffen wir alle, dass dem so sein wird; ob Amheera als Frau mit Männer-Pass das Schweizer Visum erhält, ist leider noch nicht endgültig geklärt.

Weitere menschliche Begegnungen sind in vertraut-bekannter Weise in der Queersicht-Lounge möglich, die sich, sich auf die Wurzeln des Festivals besinnend, im gemütlichen Frauenraum der Reitschule einquartiert hat. Dort kann Mensch nach Lust und Laune in an­genehm-queerer Atmosphäre Prosecco, Kaffee, Sandwiches und vor allem Begegnungen mit anderen Besuchenden, Filmschaffenden und DJ‘s geniessen. Jolanda Suter, die Gewinnerin des grossen Wettbewerbs zur Förderung des queeren Films, wird am Abend jeweils ebenfalls anwesend sein und den Besuchenden die Möglichkeit geben, ihr Filmprojekt zur Dokumentation von 15 Jahren queeren Berner Filmlebens kreativ mitzugestalten.

Am Samstagabend kommen dann auch alle Party- und Tanzhungrigen auf ihre Kosten und können an der grossen Queersicht-Party im Progr das Tanzbein schwingen, wo uns Cath‘n‘Dan und Sanguine an den Plattentellern mit Electro- und Housebeats einheizen und die VJs La Clandestine und DenkWerk für das nötige visuelle Ambiente sorgen. Am Sonntag darf man sich dann im Frauenraum nach dem musikalischen und filmischen Genuss des Abends auf einen kulinarischen Genuss der Extraklasse freuen: Marcel‘s Marcili verwöhnt das Queere Publikum mit einem all-you-can-eat Brunch für sensationelle 10 Franken. Wem das alles nicht Grund genug ist, Berns trist-graue Novembertage regenbogenfarben werden zu lassen und das queere Kulturleben der Hauptstadt zu geniessen, dem/der ist wahrlich nicht mehr zu helfen. Alle anderen treffe ich demnächst am Queersicht. Ich freue mich!

Queersicht - Lesbisch-schwules Filmfestival Bern vom 10. - 16. Nov. Programm auf www.queersicht.ch
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Infos
Datum: 23.10.2011
Rubrik: Filmtipps
Autor: Yannick Walthert
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