Floortje Zwigtman «Adrian Mayfield – Auf Leben und Tod»
Endlich ist sie da – die dritte und letzte Folge aus dem Leben des jungen Lebenskünstlers Adrian Mayfield, der im London während des ausgehenden 19. Jahrhunderts sein Leben auf die Reihe zu kriegen versucht.
Nachdem uns die niederländische Jungautorin Floortje Zwigtman im ersten Band in die Künstlerszene um Oscar Wilde eingeführt hat und im zweiten Band die Liebe zwischen Adrian und Vincent, einem sensiblen und von seiner angesehenen Familie gegängelten Kunstmaler erzählt, entwickeln sich im dritten Band die Ereignisse in Adrians Leben in shakespearehaft dramatischen Szenen zu einem bannenden, unterhaltsamen und mitfühlenden Lesevergnügen. Adrian steht wieder auf der Strasse, nachdem ihn Vincent vor die Tür gesetzt hat und sich durch seinen Hausarzt gegen seine ‚unnatürlichen’ Neigungen behandeln lassen will. Dieses für Adrian grotesken Entscheids nicht genug, hofiert Vincent einer standesgemässen, naiv-einfältigen jungen Dame, um seine ‚Heilung’ weiter voranzutreiben. Parallel dazu entwickelt Adrian unvorhergesehene, manchmal erschreckende, dann wieder amüsante Handlungsmuster, um mit dem schmerzhaften Verlust seines Liebhabers umzugehen. Die auch im dritten Band sich manifestierende Atmosphäre erlaubt es den Lesenden, unverzüglich in den Strudel der Ereignisse einzutauchen und führt dazu, dass man mal für Adrian, mal für Vincent mitzufühlen vermag. Es ist gerade dieser Spannungswechsel, der dem dritten Band das Prädikat ‚noch besser als die ersten zwei!’ verleiht und trotz des stattlichen Umfangs des Buches keinerlei Gefühl von Schwere aufkommt. Der Prozess um Oscar Wilde bildet dabei als historische Realität die Rahmenhandlung und die Geschichte reisst einen mit bis zur letzten Seite. Damit enthüllt sich Zwigtman als Jungautorin, die ihr Fach als geniale Geschichtenerzählerin beherrscht.Für die Schwubliothek
Adrian Reichenbach
Floortje Zwigtman «Adrian Mayfield – Auf Leben und Tod»
Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2011, 640 Seiten
Schwubliothek jeden Mittwoch
in der Villa Stucki (19.30-21.30h)
