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GayIcon: Science-Fiction Double-Feature…GayIcon: Science-Fiction Double-Feature…

…ich bin sicher, dass bei den meisten von euch schon mitsummen und an ein überdimensioniertes Paar sündig-rote Lippen denken müssen. Alle anderen haben auf der Stelle mit Lesen aufzuhören und sich die Rocky Horror Picture Show auf DVD zu besorgen, und zwar in deren eigenem Interesse! Wer Frank N. Further und Konsorten nicht kennt, hat etwas verpasst!

Mich hat die Frank-o-mania im zarten Alter von rund fünfzehn Jahren erwischt. Mit offenem Mund und grossen Augen sass ich vor dem Fernseher und schaute mir die Videokassette (das gab es damals noch…) an, die ich aus der Bibliothek geholt hatte. Kurz darauf folgte der Soundtrack, Kino- und Musicalbesuche und natürlich die entsprechende Garderobe. Das erste Mal im Fummel war dann entsprechend Frank N. Further-like. Im Korsett, mit Strapsen, Plateau-Heels, schwarzer Perücke und viel zu viel Make-up bin ich, stolz die Peitsche schwingend, durch Berns Strassen gestackst und habe mich prächtig gefühlt. Ein Hoch auf die RHPS! Aber wieso eigentlich genau? Was macht den Film zum absoluten Must-see? Mal ganz abgesehen von cineastischen Gründen wie die zahlreichen gelungenen Hommagen an die Horrorfilme des golden age of Hollywood, den fabulösen Kostümen und Tim Curry’s Schauspielerischer Glanzleistung - der Film ist auch schlicht Balsam für alle Seelen, die sich hin und wieder unverstanden, an den Rand gedrängt oder fehl am Platz vorkommen.

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Ich erinnere mich, wie ich damals vor der Flimmerkiste sass - der Erzähler war gerade mit seinem „lost in time and lost in space“-Epilog fertig und der Abspann begann – und dieses sehnsüchtige Gefühl nicht loswurde. Irgendwas war in den letzten 100 Minuten auf diesem Bildschirm geschehen, das mir fehlte; Brad und Janet hatten nach ihren nächtlichen Strapazen nun etwas, auf das ich eifersüchtig war. Heute denke ich, dass ich mich wohl nach der von den beiden gewonnenen Freiheit gesehnt habe, sein und tun zu können, was immer sich für sie richtig anfühlte; Freiheit von gesellschaftlicher Normierung und rigidem Sittenkodex. Genau diese Freiheit, die Frank uns zu nehmen auffordert, wenn er mit den beiden im hauseigenen Schwimmbecken rumknutscht und das tausendfach zitierte „don’t dream it – be it!“ stöhnt.

Ja, warum denn eigentlich nicht? Warum sollen wir unbedingt hetero, schwul, bi, männlich, weiblich oder sonst was sein ausser einfach uns selber? Was kann denn so verkehrt daran sein, auf all die tut-man-nichts und ist-halt-sos zu pfeifen und trotz oder gerade wegen der Einzigartigkeit der eigenen Träume diese einfach zu geniessen? Klar, Frank war nicht gerade ein Musterbeispiel an Rücksicht und Feinfühligkeit. Er hat insofern übertrieben, als dass er sich nicht nur seine Freiheiten, sondern die vieler anderer ebenfalls genommen hat. Natürlich kann man nicht einfach mit der Spitzhacke auf den motorradfahrenden Hetero-Proll losgehen; und der arme Rocky hat auch was Besseres verdient, als den cholerischen und eifersüchtigen Frank N. Further. Gut möglich, dass Frank deshalb auch am Ende der Geschichte gehen muss. Aber trotz aller Spleens und Boshaftigkeiten hat er uns eines gezeigt – nämlich dass es eben auch anders geht, auch wenn Max und Mona Mustermensch dies nicht gerne sehen und nicht müde werden, zu bekämpfen, was sie nicht verstehen. Und dass viele der unbekannten Dinge da draussen sehr schön sein können, wenn man den Mut aufbringt, sich darauf einzulassen. Many thanks, Dr. Further!

Was passiert eigentlich nach dem Abspann? Was wird aus Brad und Janet, nachdem Frank ihnen vor Augen geführt hat, welche Möglichkeiten ihr Leben eigentlich bietet? Auch wenn die spiessig-bürgerliche Prä-Frank Ära für die Beiden sicherlich einfacher gewesen ist und die Post-Frank Ära erst mal geprägt sein wird von Unsicherheiten und Neuorientierungen – ich bin überzeugt, dass sie nun mehr vom Leben haben werden. In dem Sinne an all die Tunten, Kampflesben, Schwuchteln, Transen, Schlampen, Freaks, Dykes, Fetischist_innen, Kings, Queens, Queers, Franks, Magentas, Riffraffs, Columbias, Brads und Janets da draussen: Don’t dream it – be it!




Rocky Horror Show 6. - 18. März 2012 Theater 11 Zürich
www.rocky-horror-show.ch



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Infos
Datum: 28.12.2011
Autor: Yannick Walthert
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