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GayIcon: Judy GarlandGayIcon: Judy Garland

Judy Garland sang die Gay-Hymne «Somewhere Over The Rainbow“ und ihr Tod führte zu den Stonewall-Aufständen, welche die Bürgerrechts-Bewegung der Schwulen und Lesben auslöste. Es ist Zeit, die Gay-Ikone einer Epoche vorzustellen, in der Schwule und Lesben noch nicht für ihre Rechte gekämpft haben.

Judy Garland, eigentlich Frances Ethel Gumm, wurde am 10. Juni 1922 in Minnesota (USA) geboren. Ihre Eltern führten ein Kino in dem die ganze Familie in den Pausen mit Tanz- und Gesangsnummern auftraten. In der Hoffnung für den Film entdeckt zu werden, zog die Familie nach Hollywood. Die 7-jährige Judy hatte ihr Debüt im Film «The Big Revue». Dieser Auftritt verschaffte ihr einen Vertag mit der Filmproduktionsgesellschaft MGM, die sie zum Kinderstar formte.

ArtikelbildZu ihrer bekanntesten Rolle wurde die Dorothy in dem Film «Der Zauberer von Oz» (1939) mit dem Lied «Over the Rainbow». Dieser Film ist noch heute einer der bekanntesten Filme der USA. Im Film spielt sie eine Waise im tristen Kansas die es in die Zauberwelt Oz verschlägt. Dort trifft sie auf verschiedene Aussenseiter, die von Dorothy vorbehaltlos akzeptiert werden, unter ihnen ein feiger Löwe, der sich selber als Sissy bezeichnet und sehr effeminiert – oder eben schwul – agiert. Das führte zum Ausdruck «Friends of Dorothy» mit dem sich in der damalig homophoben Zeit Schwule zu erkennen gaben. Der Song «Over The Rainbow» aus dem Film wurde zum Evergreen und gilt als inoffizielle Hymne der Schwulen und Lesben, auch heute noch. Will sich eine Sängerin bei den Gays beliebt machen, singt sie diesen Song. Kylie Minogue, Barbra Streisand, Nina Hagen, Nana Mouskouri, Patti LaBelle und viele anderen haben das Lied schon aufgenommen. Und natürlich war es auch dieser Song, der zur Idee für die Regenbogen-Flagge führte, mit der sich heute Schwule und Lesben zu erkennen geben.

Ein schwieriger Star

ArtikelbildNach dem Kinderstar-Dasein kommt oft der Absturz. Auch bei Judy Garland. Die junge Schauspielerin galt als äusserst schwierig und war abhängig von Schlaf- und Aufputschmitttel. Doch konnte sich 1944 noch einen weiteren grossen Erfolg verbuchen mit dem Musical «Meet me in St. Louis». Regie führte Vincent Minelli, der als heimlich bisexuell galt. Trotzdem heiratete sie ihn. Es war ihre zweite von insgesamt fünf Ehen. Mit Vincent Minelle zeugte sie die Tochter Liza Minelli, die später ebenfalls zur Gay-Ikone wurde. 1950 stand die Ehe mit Minelli kurz vor dem Scheitern und ihr Vertrag mit MGM wurde ihr gekündigt. Ihre Karriere schien am Ende zu sein. Ehemann Nummer Drei Sidney Luft verhalf ihr zum Comeback. Er organisierte eine Gesangsshow für sie mit der sie durch ganz Amerika tourte. Es wurde ein grosser Erfolg! Im Laufe ihrer Karriere gab sie über 1500 Konzerte, auf der ganzen Welt. Als legendär gilt ihr Konzert in der Carnegie Hall von 1961. Schon damals bemerkte die Presse, dass ihre Konzerte von auffallend vielen «Männern in engen Hosen» – so wurden in dieser Zeit Schwule umschrieben – besucht werden. Das Carnegie Hall Konzert wurde auch als Schallplatte veröffentlicht und gewann fünf Grammys. 2006 hat Rufus Wainwright das legendäre Konzert 1:1 wieder aufgeführt und es als «schwulsten Moment seines Lebens» bezeichnet.

Judys Tod weckt die Schwulen auf

Ihre letzten Jahre verbrachte Judy Garland in London mit ihrem fünften Ehemann, einem Nachtclubbesitzer. Ihre Drogenabhängigkeit und eine schwere Hepatitis forderten aber ihren Tribut. Am 22. Juni 1969 verstarb sie im Alter von 47 Jahren an eine versehentlich eingenommen Überdosis Schlaftabletten. Als der Leichnam am 26. Juni nach New York überführt wurde, säumten über 20'000 Menschen die Strasse, darunter natürlich zahlreiche Schwule die aus ganz Amerika angereist waren. Am 27. Juni wurde Judy Garland beigesetzt, und einen Tag später wehrten sich die Schwulen zum ersten mal gegen die willkürlichen Razzien der Polizei in Gay-Lokalen. Schwule, Dragqueens und Transen gedachten im Stonewall Inn ihrer Gay-Ikone als die Polizei auftauchte um eine Razzia durchzuführen. Aber dieses Mal war es das eine Mal, dass das Fass zum überlaufen brachte. Eine besoffenen Dragqueen wehrte sich vehement und warf mit Steinen auf die Polizei. Weiter schlossen sich an und ein Aufstand nahm seinen Anfang der zur Geburtsstunde der Bürgerrechtsbewegung der Schwulen und Lesben wurde. Judy war eine Gay-Ikone für die Gay-Communty in den 50er und 60er Jahre. Und auch heute noch kennt jeder Schwule Judy Garland oder zumindest den Song «Over the Rainbow».

«I wanted to believe, and I tried my damnedest to believe, in the rainbow. I tried to get over, and I couldn't! … So what? Lots of people can't!»
Judy Garland

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Infos
Datum: 01.03.2012
Autor: Ludwig Zeller
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