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An Englishman in SwitzerlandAn Englishman in Switzerland

Die Liebe zu einem Schweizer brachte den Engländer Diccon Bewes nach Bern. Die Liebe zur Schweiz brachte ihm den Erfolg als Schriftsteller. Jetzt ist sein Buch «Swiss Watching» auf deutsch erschienen unter dem Titel «Der Schweizversteher». Ludwig Zeller von der gay­Agenda hat sich mit ihm unterhalten.

Diccon lernte Gregor vor 11 Jahren kennen und lieben. 4 Jahre lebten sie ein Fernbeziehung – Diccon in London, Gregor in Bern – bis sich Diccon entschloss, in die Schweiz zu ziehen. «Es war Liebe auf den ersten Blick. Nicht nur mit meinem Freund, sondern auch mit diesem Land. Das ersten Mal als ich Gregor besucht habe, sind wir auf die Kleine Scheidegg gegangen. Wunderschön war das! Älplermakkaroni mit dem Eiger, Apfelmus und Liebe.» Neben seinem Job in der Buchhandlung Stauffacher schrieb er das Buch «Swiss Watching», eine hintergründige und humorvolle Liebeserklärung an die Eidgenossen und ein Leitfaden, wie man unter ihnen immer eine gute Figur macht. Das Buch ist nicht nur informativ, sondern auch witzig und durchaus auch kritisch. «Swiss Watching» wurde ein Bestseller und war 2010 das meistverkaufte englischsprachige Buch in der Schweiz. Jetzt ist es auf Deutsch erschienen unter dem Titel «Der Schweizversteher».

Ich bin noch immer der ‚Outsider on the inside‘


Du kamst als Beobachter in die Schweiz. Jetzt lebst du bereits seit 7 Jahren hier, mittendrin. Wie behältst du die Distanz um ein guter Beobachter zu sein?
Die Distanz ist kein Problem für mich. Ich war Abteilungsleiter der Stauffacher English Bookshop, wo viele Kunden auch Ausländer sind. Und mein Freundeskreis ist eine Mischung von Schweizern und Leute, die Englisch als Muttersprache sprechen. Ich bin noch immer der ‚Outsider on the inside‘.

Hast Du typische schweizerische Eigenschaften angenommen?
Als ich letzten Monat in England war, habe ich bemerkt, dass ich ein bisschen schweizerischer geworden bin. Ich habe mich geärgert, wenn die Züge verspätet sind, wenn die Autos an den Zebrastreifen nicht halten, wenn der einziger schweizerischer Käse im Supermarkt Emmentaler oder Gruyere ist. Ich konnte kaum warten, zurück in Bern zu sein.

Als Diccon nach einer Vorlesung in der Schweiz Bücher signierte, hatte eine Kundin das Buch entrüstet zurück gebracht, als sie rausgefunden hat, dass er es seinem Lebenspartner gewidmet hat. Eine sehr homophobe Reaktion!

Was ist der Unterschied der britischen Gesellschaft im Umgang mit Homosexualität im Vergleich zu den Schweizern?
Leider gibt es homophobe Leute in beiden Ländern, aber zum Glück nicht so viel. Die Schweiz und Grossbritannien sind ziemlich ähnlich: liberal in der Stadt, konservativ auf Land, aber überall tolerant. Und nicht zu vergessen – die Schweiz war das erste Land, in dem die Bürger bei eine Abstimmung ‘Ja’ zur Zivilpartnerschaft gesagt haben. Nicht die Regierung oder das Parlament sondern das Volk! Ein stolzer Moment.

Was hast Du für Beobachtungen gemacht über die Gay-Szene der Schweiz?
Ausserhalb von Bern kenne ich die Gay-Szene der Schweiz nicht so gut. Ja, sie ist kleiner als in London (wo ich 15 Jahre gewohnt habe), aber im Vergleich mit einer britischen Stadt der gleichen Grösse ist die Szene hier super. Bars, Clubs, Saunas und Partys. Weil die Szene klein ist sieht man immer die gleiche Leute. Manchmal is das gut, manchmal eher traurig.

Im Juni kommt Diccons neustes Buch auf den Markt. «Swisscellany» wird ein unterhaltsames Buch mit Facts & Figures über die Schweiz. Zum Beispiel hat er sich auch mit den Eurovisions-Teilnamen der Schweizer auseinander gesetzt.

Welche CH-Beiträge habe dir besonders gut gefallen?
Mein Lieblingslied ist sicher «Swiss Lady» der Pepe Lienhard Band von 1977. Ein tolles Lied, das einen bessern als den 6. Platz verdient hätte. Natürlich war auch Celine Dion nicht schlecht, aber sie ist Kanadierin und keine echte Schweizerin. Und dieser Rock den sie damals beim Auftritt trug – so hässlich!

Wie gefällt Dir der aktuelle Song «Unbreakable» von Sinplus?
Das ist der beste CH-Beitrag seit vielen Jahren. Er erinnert mich an die Musik aus den 80er Jahre, wie z.B. U2 oder Ultravox. Ein Gewinner? Ich weiss nicht, aber hoffentlich mindestens Top 10.

Auch sein nächstes Projekt beschäftig sich wieder mit der Schweiz. Vor 150 Jahre hat der Brite Thomas Cook die Schweiz bereist und damit den Tourismus in der Schweiz begründet. Die Engländer wurden dank Cook die ersten Touristen in der Schweiz. Diccon hat die Route, die der Pionier damals bereist hat, selber bereist.

Die Schweiz vor 150 Jahren. Was war damals anders?
Einerseits hat sich nicht so viel geändert, wie die schöne Landschaft, andererseits ist die Schweiz ein neues Land mit Zahnradbahnen, Souvenirläden und Ski-Resorts. Fast die ganze Tourismus-Infrastruktur in die Schweiz ist hier, weil die Briten seit 150 Jahren dieses Land besuchen. Sie sind hierher gekommen, um die Berge zu sehen (oder auf sie zu klettern) und diese romantische Landschaft zu erleben. So ist es auch heute noch, nur mit viel mehr Schoggi.

Während den Olympischen Spielen in London wirst Du für Präsenz Schweiz im «House of Switzerland» sein und den Briten die Schweiz näher bringen. Was halten eigentlich deine Verwandten und Bekannten in deiner Heimat von deiner Schweiz-Obsession?
Sie sehen das als eine Leidenschaft nicht einer Obsession. Für sie ist es interessant, dass ich eine neue Heimat gefunden habe, wo ich glücklich und erfolgreich bin.

Und möchtest du zum Schluss den Schweizern noch was sagen?
Smile! Die Schweiz wäre noch besser, wenn mehr Leute öfter lächeln. Es kostet nichts aber bedeutet viel.

Buchvernissage «Der Schweizversteher»
am 9. Mai in der Buchhandlung Stauffacher.

Infos und Diccon’s Blog auf www.dicconbewes.com
Kommentare

Am 10. Mai 2012 gegen 16 Uhr meinte

Homophobe Reaktion
Ich denke, es ist unser gutes Recht, etwas oder jemanden nicht zu mögen oder abzulehnen. Wir sollten sehr aufpassen mit der Gleichschalterei und der manchmal etwas herbeigezwungenen Toleranz. Ich kann etwas akzeptieren, brauche es deswegen aber noch lange nicht zu mögen.

Am 11. Mai 2012 gegen 16 Uhr meinte corrie

wie ein blödsinn

Am 21. Juli 2012 gegen 16 Uhr meinte

Zwischen etwas oder jmd nicht zu mögen und diskriminierung besteht aber ein gewaltiger unterschied. Nach dem Text zu urteilen hatte die Kundin das Buch ja erst gekauft, also für gut befunden...erst als sie die widmung las, änderte sie ihre meinung. Ist das Buch nun also schlechter, nur weil man möglicherweise mit dem autor (den man in diesem fall einzig seiner sexuellen orientierung wegen bewertet) nichts anfangen kann? Ich denke, es ist unsere Pflicht, etwas oder jemanden nicht nach seiner Schale zu bewerten.

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Infos
Datum: 08.05.2012
Autor: Ludwig Zeller
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