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Politik und Gesellschaft

Virtueller RespektVirtueller Respekt

Verschiedene Internet-Plattformen und -Foren haben die Kontakt-Möglichkeiten für Lesben und Schwule sowie Bi- und Transsexuelle grundlegend verändert. Andreas Leathley, Mitgründer von Purplemoon, wehrt sich aber gegen den Vorwurf, er sei ein Szenekiller.

Drei Personen waren es, die im Sommer 2002 die Idee hatten, eine lesBischwule Website zu lancieren, die es den Benutzerinnen und Benutzern ermöglicht, ein Profil einzurichten, sich mit ihren Freunden zu unterhalten und gleichzeitig neue Leute kennenzulernen. Am 1. Oktober 2002 ging Purplemoon online, und im Herbst dieses Jahres feiert die Website somit sein zehnjähriges Bestehen.

Gefragt, ob die Konkurrenz durch Plattformen wie Purplemoon nicht die klassische Szene kaputt mache oder zur Vereinsamung im Cyberspace führe, wehrt sich Andreas entschieden: Gerade Purplemoon lege Wert auf einen respektvollen Umgang, der das Zusammengehörigkeitsgefühl letztlich stärke. Dazu gehöre, dass Teammitglieder Streitereien aktiv zu schlichten versuchen und einschreiten, wenn sich Benutzer durch Sexanfragen belästigt fühlen. Zudem bringe Purplemoon mit den Partys, die das Team ab und zu organisiert, Leute auch in der realen Welt zusammen. «Ich behaupte daher», betont Andreas, «dass wir ein erheblicher Katalysator sind für eine Szene, in der sich die Leute zusammengehörig fühlen und in der Freundschaften gross geschrieben werden.» Der nächste Party-Termin steht fest: ein Halloween-Event Anfang November.

Gegenwärtig verfügt Purplemoon über 14›000 Nutzer, die regel­mässig online sind. «Wir haben keine Kartei­leichen», fasst Andreas zusammen. Ein interessantes Detail hierzu: Gemäss Jahresbericht 2011 sind etwa 9* der Profile auf Purplemoon von heterosexuellen Benutzern erstellt, was die Website-Macher als positives Zeichen der Vielfalt werten. Dass mit dem Betreuen einer solchen Plattform auch viel Arbeit verbunden ist, versteht sich von selbst. Ein fünfköpfiges Team ist damit mehrheitlich ehrenamtlich beschäftigt.

Für Andreas ist ein gewisser Idea­lis­mus einer der zentralen Unter­schiede zwischen Purplemoon und vielen anderen les­bi­schwulen On­line-Angeboten: Verständliche und gut durch­setzbare Regeln sowie ein freundlicher Daten­schutz gehören für ihn zum absoluten Muss. Ausser­dem, fügt Andreas hinzu, setze Purple­moon «konsequent auf Freund­schaften, während die meisten An­gebote stark auf Sex fokussiert sind und die Leute dort ein wenig sich selber über­lassen werden».

Eine der grossen Herausforderungen im Purplemoon-Jubiläumsjahr sind – wie so oft – die Finanzen. Das aktuelle Budget reiche so knapp, um den aktuellen Stand zu erhalten; man würde aber natürlich gerne die Infrastruktur verbessern und den Service erweitern. Spenden seien deshalb herzlich willkommen, ebenso wie Fragen, Ideen und Feedback zur Website.
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Datum: 08.05.2012
Autor: Martin Mühlheim
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