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Gesucht – gefunden: «Diejenige welche»Gesucht – gefunden: «Diejenige welche»

In Wikipedia steht über Daniela Schenk, dass sie schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Bei der 45-jährigen Bernerin ist er offensichtlich ziemlich geschliffen. In ihrem neuesten Roman «Diejenige welche» erzählt die bekannte Autorin mit viel Sinn für Situationskomik und witzige Dialoge die Geschichte von Liv, die die Frau fürs Leben findet.

Ihre Bücher handeln von Liebe, Beziehungen und ähnlichen Herausforderungen. Mit «Diejenige welche» legt Daniela Schenk ihr viertes und bisher tiefgründigstes Buch vor. Sie ist mittlerweile zum Beispiel neben Karen-Susan Fessel und Mirjam Müntefering eine der am meist gelesenen lesbischen Autorinnen im deutschsprachigen Raum. Ihr erstes Buch, «Julia und Satine» verkaufte sich über 7000 Mal, was bei uns schon fast einem Bestseller gleichkommt. Auch das neueste Werk der Bernerin scheint ein echter Renner zu werden. Ich habe «Diejenige welche» in einem Zug durchgelesen und mich dabei bestens unterhalten.

Daniela Schenk steht der gayAgenda für ein Interview zur Verfügung. Gut vorbereitet sitze ich ihr gegenüber. Aber bereits nach der zweiten Frage winkt Daniela ab: Ihre Lebenssituation hat sich seit dem Druck des Buches ziemlich geändert und sie mag nicht über Liebe und Beziehungen reden. Ihr Leben verläuft im Moment ähnlich turbulent wie das ihrer Romanheldinnen.

gayAgenda: Neben viel Witz und Lockerheit schneidest du Themen an, die alles andere als flott und lustig sind: Besessenheit, Grenzen und deren Über­schreitung, Ver­letzungen usw. Dabei legst du viel Einfühlungsvermögen und Beschreibungskompetenz an den Tag. Wie weit verarbeitest du eigene Erfahrungen in deinen Büchern?
Daniela Schenk: Selbstverständlich fliessen immer persönliche Er­fah­rung­en mit ein; man kann gar nicht nicht biografisch schreiben. So kenne ich die Problematik von Livs und Veras Beziehung selber ganz gut: eine rennt verblendet und unglücklich der anderen nach und unterwirft sich dabei. Inspirationen bietet das Leben ja oftmals genug …
Ich sehe mein Schreiben nicht als Aufarbeitung oder Verarbeitung von vergangenen Erfahrungen. Ich sitze auch nicht am Laptop mit der Idee, mir etwas von der Seele zu schreiben. Die Geschichten und Personen sind frei erfunden.

Dir gelingt es, deine Figuren sehr lebensecht zu modellieren. Mandels Charme zum Beispiel können wir uns nicht entziehen. Wie gelingt dir dies?
Meine Protagonistinnen entstehen aus einzelnen Puzzleteilen. Sie sind Konglomerate verschiedener Personen, die mir in meinem Leben begegnet sind. Livs Vater zum Beispiel hat Ähnlichkeit mit dem Vater einer meiner Ex-Freundinnen: die Art, wie er sich den Whisky einschenkt, wie er zittert usw. Oder Vera, die nicht zuhört und immer nur selber redet, auch das kenne ich aus meinem Umfeld.
Das Schöne ist aber auch: Als Buch­autorin und Geschichten­er­zäh­ler­in kann ich Dinge erfinden, die ich selber so nicht habe.

Schweden spielt im neuen Buch eine wichtige Rolle. Erkläre uns: warum?
Mir gefällt vor allem die schwedische Sprache. Es gibt da eine Schwedin mit der ich über Facebook Kontakt pflege, die als Abschlussarbeit ihrer Dolmetscherausbildung einige Kapitel aus Julia und Satine auf Schwedisch übersetzt hat. Zudem war ich mit 17 ferienhalber in Schweden. Die Juni-Nächte, die keine sind, haben mich extrem beeindruckt.

Deine Bücher verkaufen sich gut. Wirst du reich dabei?
(Lacht): Ich bin dumm! Ich habe zwei Jobs – Buchhändlerin und Schrift­stellerin, die leider beide nicht sehr gut bezahlt sind. Aber trotzdem kann ich das Schreiben nicht lassen – es ist eine Leidenschaft!

Einige Textpassagen aus ihrem neuen Buch — wunderschön treffend formuliert — rufen unsere Bewunderung hervor. Damit konfrontiert meint sie: «Genau so ist es doch, oder!?! Darum ist es einfach, dies zu schreiben!» Einfach?… So lässt sie zum Beispiel Mandel sagen: «Liebe ist ein anderes Wort für obwohl. Obwohl du nicht so bist, wie ich es gern hätte, liebe ich dich. Obwohl du nicht das machst, was ich von dir erwarte, liebe ich dich. … Obwohl ich dich nie verstehen werde, liebe ich dich. Obwohl du nicht meine Traumfrau bist, liebe ich dich. Liebe entsteht, dort, wo das Blendwerk verblasst und die Wahrheit beginnt.» Genau so ist es, liebe Daniela!

Ich danke für dieses Gespräch!
Kommentare

Am 11. Dezember 2009 gegen 06 Uhr meinte Can'Dee

ja und du kannst DOCH reich werden dabei - wie schon gesagt - finde einen englischen publisher und lasse deine bücher übersetzen. du wirst
reich während du schläfst.
probiers doch mal aus . . . ;-)

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Infos
Datum: 24.10.2009
Autor: Karin Wäfler
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