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Engel in Amerika

Engel in Amerika

Im Oktober zeigt das Theater Central das bekannt Stück «Engel in Amerika» im Theater am Käfigturm. Wir haben uns mit dem Regisseur Alec Brœnnimann unterhalten.

Mitten der 80er-Jahre regierte der konservative Schauspieler Ronald Reagan Amerika. Die Schlagzeilen wurden vom Thema Aids beherrscht. Der HI-Virus zerstörte damals viele schwule Leben. Mit seinem Theaterstück «Angels in America: A Gay Fantasia on National Themes» rechnet der Autor Tony Krushner mit einem bitteren, ironischen aber auch mitfühlenden Blick mit dem amerikanischen Traum ab. Es geht um Aids, Homophobie, Gier, Ignoranz, Liebe und Tod. Als das vierstündige Drama, das in zwei Teilen gezeigt wurde, 1991 erstmals am Broadway zu sehen war, schockierte es das Publikum und wurde von den Kritikern gefeiert. Heute gilt es als Meilenstein in der amerikanischen Theatergeschichte. 

Bild 1Jetzt kann man das Theaterstück auch in Bern sehen. Der Berner Schauspieler und Regisseur Alec Brœnnimann zeigt mit dem Theater Central eine gekürzte Fassung im Theater am Käfigturm. Mit der Realisierung des Stücks erfüllt er sich auch einen persönlichen Wunsch.
«Mehr durch Zufall habe ich 2003 die HBO Verfilmung von ‹Angels in America› mit Al Pacino und Meryl Streep gesehen. Ich war hellauf begeistert als ich herausgefunden habe, dass es sich ursprünglich um ein Pulitzer-Preis-gekröntes Theaterstück handelte» erzählt Alec. «Mein erster Eindruck hat sich beim Lesen des Skriptes bestätigt: Die Figuren sind irrsinnig menschlich, die verschiedenen Handlungsstränge oft phantastisch, das historische Bezug schonungslos, die Umsetzung kompromisslos und der Humor zum Umfallen. Die Emotionale Berg- und Talfahrt hat mich gepackt. Ausserdem hat mich folgender Satz im Stück berührt: ‹Ich habe Angst, nein, nicht Angst, Wut. Mein Blut ist rein, mein Kopf ist klar, ich kann Druck aushalten, ich bin ein schwuler Mann und ich bin Druck gewöhnt und Ärger, ich bin zäh und stark.› Zu diesem Zeitpunkt war diese Haltung des Stücks ein Ansporn um mir selber die Möglichkeit zu geben, alles zu sein, zu tun und zu lassen wie ich es mir vorstellte.»

Das Stück spielt in den 80er Jahren in New York als die Seuche Aids aufkam. Das ist 30 Jahre her. Was macht das Stück heute noch aktuell?

«Die Schönheit des Stückes besteht darin, dass aus etwas historisch Furchtbarem etwas überzeitlich Wun-der-bares entstanden ist. Die Fragen, welche das Stück stellt, sind zeitlos: Somit heisst es nicht nur, wie gehen wir mit Aids um sondern auch, wie gehen wir mit Krankheit um? Nicht nur, wie gehen wir mit Homosexualität, bzw. Outing um sondern auch, wie können wir zu uns selber stehen.»

Im Original ist «Angles in Amerika» ein zweiteilige Stück und dauert 4 Stunden. Ihr habt es auf 2 Stunden gekürzt. Worauf habt ihr euch konzentriert?

«Jede Figur im Stück muss sich einem ganz individuellen Problem stellen, welches zunächst unlösbar erscheint. Sie beschreitet einen turbulenten Weg mit vielen Höhen und Tiefen. Die Frage die wir stellen ist; wer kommt am Ende gestärkt aus der Geschichte heraus und wer scheitert. Wer findet sich selbst, wer verliert sich. Alles, was nun nicht direkt mit diesem Prozess jeder einzelnen Figur in Verbindung gestanden ist, wurde aus dem Stück gestrichen. Auch fielen viele Referenzen zum Zeitgeschehen der 80er Jahre, wie z.B. das Ozonloch, eine tiefere Betrachtung der Weltpolitik, der inneren Politik der Ver-einigten Staaten oder der Religionen, weg. Das Produkt ist ein Destillat, welches viele einzelne Geschichten auf klare, pointierte und humorvolle Art und Weise erzählen soll.

Engel in Amerika
von Tony Kushner
im Theater am Käfigturm. 

Bearbeitung, Dramaturgie & Inszenierung: Alec Brœnnimann.

Premiere Freitag, 16. Okt. 19:30 Uhr.
Weitere Daten: SA 17., FR 23., SA 24., SO 25., DO 29., FR 30., SA 31. Oktober 2015. Beginn: 19:30 Uhr, SO 25. um 11 Uhr mit anschliessendem Brunch. Dauer: 2.30 Std. inkl. Pause.

Besetzung: Fabian Claus, Dario De Simone, Adamo Guerriero, Stefan Hugi, Thomas Lüthi, Xenia Netos, Eva Suter, Carol Wiedmer.
Übersetzung: Frank Heribert,

Infos: www.theater-central.ch

Infos
Datum: 27.09.2015
Autor: Ludwig Zeller
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