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Mousse des Monats

Petting goes ClassicPetting goes Classic

Das Berner Duo Petting goes Classic macht aus Popsongs klassischen Liedgesang, und das mit viel Humor. Die beiden sind die Mezzosopranistin Stephanie Szanto und der Pianist Simon Bucher. Am 12. März treten sie mit ihrem Programm «Bravo-Hits klassisch interpretiert» im Besucherzentrum der Kehrichtverwertungsanlage Bern-Forsthaus auf. Wir haben uns mit ihnen unterhalten.

Der 36-jährige Berner Simon Bucher studierte an der Hochschule der Künste Bern HKB und vervollständigte seine Ausbildung zum Pianisten an der Hochschule Musik und Theater HMT in Zürich und an verschiedenen Meisterkursen. Er hat bereits mehrere Preise ge-wonnen und ist künstlerischer Leiter der Konzertreihe «Das Lied – Liedrezitale Bern». Simons Stärke sind die Kammermusik und die Liedbegleitung. Neben seiner klassischen Tätigkeit widmet er sich auch leidenschaftlich dem Jazz und der Improvisation. Diese Leidenschaft teilt er mit der klassischen Sängerin Stephanie Szanto. Sie stand schon als Kind auf der Opernbühne im Stadttheater Bern. Wie Simon studierte auch Stephanie an der HKB, machte Meisterkurse und hat schon einige Preise gewonnen. Neben ihrer Ausbildung studierte sie Jazzgesang und Komposition. Beides also klassisch ausgebildete Musiker die einmal das machen wollten, was sonst in der traditionellen Klassik nicht möglich ist. Mit Petting goes Classic haben sie sich dafür einen Rahmen geschaffen.   

Pop goes Klassik ist ja nichts Neues. Es gibt unzählige Orchesteraufnahmen von Pop-Hits in klassischem Gewand. Meistes ist das sehr kitschig und humorfrei. Als Duo Petting goes Classic interpretieren Simon Bucher und Stephanie Szanto sorgfältig ausgewählte Bravo-Hits auch klassisch, aber das mit viel Humor. 

Klassik ist meistens eine sehr ernste Angelegenheit. Aber euer Duo «Petting goes Classic» macht klassische Pop-Interpretationen mit viel Humor. Wie wichtig ist euch der Humor? Und wieso ist Klassik oft so humorfrei? 

Stephanie: Mir ging es nicht darum, etwas besonders Lustiges zu machen, es ist ja auch kein Comedyprogramm in dem Sinne. Petting Goes Classic ist für mich eher eine Art Therapie. Wir können als klassische Solisten machen, was wir wollen, es gibt keine Grenzen und das geniessen wir – die Klassik ist ein Spitzensport.  

Alle Dinge, welche in einem traditionellen klassischen Konzert undenk-bar wären, uns aber immer gereizt haben, setzen wir bedingungslos um. Wir haben natürlich den grössten Spass dabei und  wenn das jemand anderes auch noch lustig findet, dann freut uns das natürlich.

Ihr interpretiert Popsongs neu. Was war euer Kriterium bei der Auswahl? 

Stephanie: Mich reizen vor allem jene Songs, von welchen wir sagen «Unmöglich, also diesen Song können wir nicht machen».

Simon: Je unsinniger der Text, desto grösser ist für uns der Spassfaktor beim Erarbeiten eines neuen Arrangements. Popsongs mit tiefsin-ni-gen Texten oder zu grossem musi-kalischem Gehalt lassen wir ehr-fürchtig aus. 

Wieso gebt ihr das Konzert in einer Kehrichtverwertungsanlage? Macht ihr Musik für den Abfall?

Simon: Wir sind eine Recycling-Kammermusik-Band. Wir verbren-nen den atomar verseuchten Müll aus den 90ern und bringen ihn di-rekt ins 19. Jahrhundert. 

Das Konzert findet im Rahmen der Liedrezitale «A Space Odyssey – Lieder in Raum und Zeit» statt. Simon, du bist der künstlerische Leiter dieser Konzertreihe. Was ist dir bei der Programmierung wichtig?  

Simon: Ich möchte dem Publikum das unglaubliche -Facettenreichtum des klassischen Liedrepertoirs näher bringen, und natürlich auch Kon-ventionen brechen. Bei «Das Lied» ist ein traditioneller, klassischer Liederabend in seiner schlichten Schönheit genau so willkommen wie ein Abend mit Petting goes Classic. 

«Petting goes Classic» impliziert, dass das etwas mit Sex zu tun hat. Aber bei Klassik kommt den wenigsten Sex in den Sinn. Ist es ein Ziel von euch, Klassik sexy zu machen?

Simon: Zu unseren BRAVO-Heftchen Zeiten waren die Seiten von Dr. Sommer natürlich besonders spannend. Petting wurde für uns ein geflügeltes Wort, welches wir bis heute mit BRAVO in Verbindung bringen. Da wir die grössten Bravo-Hits klassisch interpretieren lag uns unser Bandname auf der Zunge. 

Stephanie: Auf den ersten Blick kann die Klassik durchaus prüde und unsexy wirken. Die Thematiken «Eros» und «Verführung» gehören aber in Wahrheit zu den meistvertonten Motiven. Wie sehr etwas nach Sex schreit, hat dann schlussendlich mit der Inszenierung zu tun. Für mich ist das aber kein Thema, denn mein Anspruch ist es weder als Künstlerin noch als Mensch, irgendetwas sexy wirken zu lassen. Unser Programm tut das definitiv auch nicht.

Simon, du bist schwul, Stephanie ist bisexuell. Bestimmt seid ihr nicht die einzigen in der Klassik-Szene. Aber über Homosexualität in der Klassik wird eigentlich nie gesprochen. Oder gibt es eine Oper über eine schwu-le Beziehung? Ein Lied über das Coming Out oder ein Liebeslied für zwei Tenöre? Woran mag das liegen? 

Simon: In der klassischen Musik-literatur sind schwule Themen tat-sächlich Mangelwahre. Unter den Musikern gibt es aber selbstver-ständlich sehr viele Homosexuelle und bei den Pianisten ist die Aus-wahl besonders gross! An dieser Stelle möchte ich, frei nach dem legendären Pianisten Vladimir Horowitz, ein Zitat anbringen: «Gute Pianisten sind entweder schwul, jüdisch oder beides.»

Wie lebt es sich als Schwuler in der Klassik? 

Simon: Das klassische Umfeld erlebe ich als sehr tolerant. Als -junger Student empfand die Musikhochschule als Paradies und mir wurdesofort klar, hier kann ich schwul sein. 

Es ist bei Schwulen und Lesben nicht anders als bei Heteros, nur eine Minderheit interessiert klas-sische Musik. Sag doch mal, wieso auch Nicht-Klassik-kenner an euer Konzert kommen sollen? Braucht es dafür Vorkenntnisse?

Stephanie: Unser Programm feiert unter anderem die Ära der Kirchgemeindehaus-Diskos, die Musik unserer Kindheit sowie den ersten Kater. Wenn jemand einmal eine BRAVO-HITS besessen hat, ist er/sie bereits mehr als vorbereitet.

Simon: Mit unseren Kreationen nehmen wir das klassische Gehabe mit ihrer Bigotterie auf die Schippe. Wir haben den klingenden Beweis dafür, wie stimulierend es ist, wenn Chopin mit Captain Jack oder Mozart mit Dr. Alban ins Bett gehen. 

MIT DER HAB ANS KONZERT

Petting goes Classic: Bravo-Hits klassisch interpretiert
Samstag, 12. März, 19.30 Uhr
Kehrichtverwertungsanlage Bern-Forsthaus.

Treffpunkt spätestens um 19.15 Uhr beim Besucherzentrum (Ausstellungsbereich).
Im Anschluss an das Konzert haben wir Gelegenheit uns mit Simon und Stephanie zu unterhalten.
Verbindliche Ticket-bestellungen für Fr. 40.– bitte bis 10. März an daniel.frey@hab.lgbt oder telefonisch auf 078 963 59 27.

Weitere Infos bei www.daslied.ch

www.stephanieszanto.ch

www.simon-bucher.ch



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Infos
Datum: 09.03.2016
Autor: Ludwig Zeller
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